Die Empfehlung zum heutigen Abend: Jason Lytles „Merry X-Mas 2009“


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Sicher, man kann sich auch für den heutigen Abend einen komplex arrangierten Weihnachtsmix anfertigen. Und dann ärgert man sich dennoch ab dem dritten Lied über die inflationäre Verwendung der Worte „Christmas“, „heart“, „merry“, „joy“, „love“, „silent“, „snow“ und „white“. Deshalb empfiehlt die Online-Redaktion heute nur ein Album – und zwar eines, das man hier auch noch gratis herunterladen kann. „Merry X-Mas 2009“, vom Ex-Grandaddy-Sänger Jason Lytle – ein wunderbarer, lediglich mit Pianospiel gewebter Klangteppich, zu dem man nicht nur einen Baum aufstellen kann, sondern auch einen Entenbraten sezieren, ein Geschenk ein- oder auspacken und die gesammelte Familie Herzen kann. Freilich: Wer Jason Lytle, den ehemaligen Sänger von Grandaddy, vor allem wegen seines nasal-melancholischen Gesangs und seiner kruden Texte schätzt, wird von diesem Release ein wenig enttäuscht sein: Denn bei „Merry X-Mas 2009“ handelt es sich um ein rein instrumentales Album. Alle sieben Songs bestehen aus improvisiertem Klavierspiel. Dass sie trotzdem mehr sind als bloß ein weihnachtlicher Klangteppich, liegt vermutlich daran, dass man Lytles Freude am Spiel geradezu heraushören kann. „Es ist nun mal eine meiner Lieblingsbeschäftigungen, zu Hause zu sitzen und einfach am Klavier draufloszuspielen. Deshalb wollte ich diese kostbaren Momente einfangen, in denen man mich mal ganz relaxt und versunken beim Musizieren erleben kann.“

Seine Freude an schrägen Texten hat er dann zumindest bei den Songtiteln ausleben können. Highlights sind dabei sicher „Wild animals slowly approaching the lovely country funeral“, „Good Chord Song For LP Two“ oder der „Bird Feeder Soap Opera Plot“. An einem regulären Nachfolger zu „Yours Truly, The Commuter“ arbeitet Lytle übrigens auch gerade. „Ja, ich arbeite an einem neuen Album. Und auch wenn ich bereits ahne, das kein einziger Song von ihm den Weg ins Radio finden wird: Es wird das schrägste und wundervollste Chaos, das ich je angerichtet habe.“