Die Fledermaus: ein Vogel?



Ashton und Caleb Bird nennen sich Tweak Bird, was frei übersetzt aufgedrehter Vogel bedeutet und möglicherweise als Witz zu deuten ist. Auf jeden Fall brettern die in einem vom Veranstalter als Top Secret eingestuften Club in Berlin-Kreuzberg um die Wette. Alle möglichen Nebenwirkungen, vielleicht wegen exzessiven Marihuana-Konsums?, dröhnen als Intro-Schleife vom Band: „everyone is paranoid, everyone is paranoid, everyone is paranoid“ – hallt es aus den Boxen und ist keine Sozialkritik, sondern beschreibt einen Heldenstatus im Kosmos Tweak Bird.

Die Platte, zu welcher mein Vater vor Jahren über die Autobahn schoss, funktioniert offenbar noch heute als brutale Waffe: „Paranoid“ von Black Sabbath. Gesegnet mit der original Ozzy-Osbourne-Tonlage wüten sich die Gebrüder Bird durch wuchtige Riffs zurück in die hart rockenden 70er. Das macht so viel Spaß, dass man dem Publikum den akuten Wunsch nach langen Haaren am breiten Grinsen ablesen kann.

Auf der neueren Platte der Birds, „Undercover Crops“, aufgenommen von Melvins Schlagzeuger Dale Crover, überschreitet nur ein Song die Drei-Minuten-Marke. Live zwar ein wenig länger und improvisierter, ist die Methode Hard- oder Prog-Rock ins Punk-Format zu komprimieren ein lohnender Versuch. Psychedelisch schweres Dröhnen verwandeln Tweak Bird zur überaus agilen Angelegenheit. „Children of the Revolution“ von T.Rex verliert an diesem Abend seinen Kajal und wird zur fuzzigen Walze. Die Brüder provozieren weniger ein Revival, als Erinnerungen an die gute harte Zeit auf den Skateboards unserer Jugend zu evozieren. Den langen Hang hinunter, vorbei an den Queens Of The Stone Age, am Grunge und den Melvins ins psychedelic wonderland. Leider rastet in Berlin keiner mehr wirklich aus, so wie damals im Jugendzentrum.

Tweak Bird sind vor kurzem aus der Kleinstadt Carbondale, Illinois geflohen, um in L.A. eine neue Garage zu beziehen. Mehrfach wurde nun schon prophezeit, die Westküste würde demnächst mit staubiger Verzerrung die Weltherrschaft an sich reißen. Auch Pinky und Brain waren bekanntlich ein Duo. Ob der Plan aufgeht, wird sich zeigen.