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Eiserne Riesen und schlafende Schönheiten – so war das Melt! 2013


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Das Melt!-Festival machte dieses Jahr seinem Namen alle Ehre. Am Freitag um halb sieben stand man vor der Hauptbühne bei „Daughter“ noch schwitzend in der brennenden Sonne und sah sich auch noch mit der Qual der Wahl konfrontiert. Sonnenbrand und schwierige Entscheidungen drohten das ganze Wochenende. Am ersten Abend musste man sich zwischen Alt-J, King Krule und Mount Kimbie entscheiden, wenn man einen Auftritt von Anfang bis Ende sehen wollte. Die letzteren beiden hatten bei Mount Kimbies „You Took Your Time“ noch zusammengearbeitet – der Interessenkonflikt war also vorprogrammiert.

Die Dämmerung brachte laue Luft und James Blake auf die Bühne und ließ einen die Abendplanung erst einmal vergessen. Er berührte nicht nur mit zerbrechlicher Stimme, wunderschön traurigen Melodien und Harmonien, sondern machte mit wummerndem Sub-Bass das Herz direkt körperlich spürbar. Alt-J beanspruchten anschließend mehr die Muskeln im Tanzbein. Die markante Näselstimme von Joe Newman büßte live etwas an Exaltiertheit ein, gab damit aber den Blick frei auf die hübsch arrangierten Melodien und Harmonien, die die Briten über ihre Hip Hop-inspirierten Rhythmen legen. Die Performance-Kunst der schwedischen The Knife stellte sich schließlich im Festival-Kontext als zu langatmig heraus, war dennoch eine gelungene Abwechslung zum gewöhnlichen Band- oder DJ-Setup auf den Bühnen. Zum Ausklang gab es noch eine Beachparty mit Modeselektor.

Tagsüber waren auch die Strandabschnitte auf den Campingplätzen bevölkert von Festivalbesuchern, die im Gremminer See kurze Abkühlung suchten. Andere lagen wie im hundertjährigen Dornröschenschlaf friedlich in den kleinen Waldstücken und Gebüschen. Generell ergab sich aus dem Kontrast zwischen idyllischer Halbinsel und überdimensionalem Tagebau-Gerät, zwischen der von der Hitze induzierten Entspanntheit und der energetisch pumpenden Musik eine ganz eigene Grundstimmung, so unterschiedlich die musikalischen Acts auch waren.

Disclosure oder Tricky? Rudimental oder DJ Koze? Babyshambles oder Django Django? Im Bogen um die riesigen Bagger, die wie schlafende Drachen rostbraun in der Abendsonne lagen, ging es am Samstag von Bühne zu Bühne und wieder zurück. Die allseits gefeierten Disclosure zogen schon am frühen Abend eine ganze Menge Leute zur Gemini Stage. Bei DJ Koze fehlte eine Prise mehr Bass und die Kostprobe von Rudimental ergab: viele Köche – insgesamt neun Musiker auf der Bühne – verderben zwar nicht den Brei, der Pop-R’n’B mit Dancebeats der im Kern vierköpfigen Band schmeckte aber live fast schon zu süß nach Radiozucker.



Radiohead: Corona-Konzertreihe endet mit „OK Computer“-Show

Insgesamt 13 Wochen lang schossen Radiohead in der Corona-Zeit Aufnahmen von vergangenen Konzerten und anderweitigen Auftritten aus der Hüfte. Nun endet die Reihe mit einem Auftritt der „Against Demons“-Tour aus dem Jahr 1997. Das letzte Video zeigt ein Radiohead-Konzert vom 4. Juli 1997 in Les Eurockéennes im französischen Belfort. Glorreicher Abschluss mit „OK Computer“-Songs“ Insgesamt 15 Songs gaben Radiohead bei dem Set zum Besten, unter anderem Tracks des erst zwei Monate zuvor veröffentlichten „OK Computer“. Hits des Auftritts waren unter anderem „Paranoid Android“, „Airbag”, „Exit Music (for a Film)“ und „Climbing Up the Walls“. „Lucky #13, das letzte Lockdown-Premierenkonzert der Reihe…
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