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Die Rote: Zum Tod der strahlenden Sängerin und Schauspielerin Milva


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Ihre große Zeit in Deutschland hatte sie zu Beginn der 80er-Jahre, als Alfred Biolek der Conferencier war und Peter Horton seine „Kleine Nachtmusik“ vorstellte. Da war Milva in Italien schon seit 20 Jahren ein Star als Schauspielerin und Sängerin. Als Maria Ilva Biolcati wurde sie am 17. Juli 1939 in Golo geboren, die Mutter war Schneiderin, der Vater Fischverkäufer. 1961 gewann sie einen Gesangswettbewerb des Fernsehsenders Rai und belegte im selben Jahr den dritten Rang beim Schlagerfestival in San Remo. In San Remo trat sie noch 14-mal auf – und gewann nie. Eigentlich, sagte Milva später, hatte sie damit gerechnet, Schneiderin wie ihre Mutter zu werden. Ihre sozialistische Überzeugung stammte aus der Kindheit und änderte sich nie. „La Rossa“, wie sie sich selbst nannte, war nicht nur ihrer Haarfarbe geschuldet.

Sie war eine strahlende, berückende Erscheinung, und ihr Timbre und ihre Aura waren einzigartig. Sie sang keine leichten Schlager, sie war eine Tragödin. Der berühmte Regisseur Giorgio Strehler engagierte Milva 1965 für sein Piccolo Teatro in Mailand. Dort trat sie in Stücken von Bertolt Brecht auf und sang die Leider von Brecht/Weill, ein Vorschein auf die spätere Karriere in Deutschland. In einer Filmkomödie spielte sie eine kleine Rolle neben Gina Lollobrigida, doch kehrte sie erst in den 80er-Jahren für einige Auftritte zum Film zurück. Sie ist, wunderbar fotografiert, 1987 in Wim Wenders‘ „Der Himmel über Berlin“ zu sehen. Auf der Bühne spielte sie später  die sinistre Rächerin in Friedrich Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“. Man hätte sich mehr solcher Rollen für Milva gewünscht.

Milva, 1987 in Paris

Wie sie sich das Deutsche im Gesang anverwandelte, das sie so schwer sprechen konnte, bleibt eine erstaunliche Kunstanstrengung

Schon 1968 nahm sie eine erste Tango-Platte auf: Das Akkordeonspiel Astor Piazzollos war neben den Songs von Kurt Weill ihre Leidenschaft. 1970 sang sie Lieder von Edith Piaf, ein Jahr später folgte die erste Brecht-Aufnahme: „Milva canta Brecht“. Ein weiteres Brecht-Album nahm sie 1975 auf. „Auf den Flügeln bunter Träume“ war 1977 ihr erstes deutsches Album, für das sie die Texte phonetisch memorierte. Ein Jahr später war „Von Tag zu Tag“, eine Platte mit den Liedern von Mikis Theodarakis, ein Top-Ten-Erfolg. Das Stück „Zusammenleben“ definierte Milvas Stil: Grandezza und Gravitas, dazu der strenge Ausdruck von Lotte Lenya, der berühmtesten Weill-Interpretin. „Freiheit in meiner Sprache“, komponiert von Ennio Morricone, und Klaus Doldingers „Hurra, wir leben noch“ – beide mit Texten von Thomas Woitkewitsch – machten Milva zur Berühmtheit des erwachsenen Liedes. Wie sie sich das Deutsche im Gesang anverwandelte, das sie so schwer sprechen konnte, bleibt eine erstaunliche Kunstanstrengung.

Nach dürftigen Jahren trat sie 2008 mit Montserrat Caballé und Angelika Milster in Dresden unter dem Titel „Diva Maxima“ auf – doch als Diva verstand sie sich nie; auch demonstrierte sie nicht ostentativ die Mütterlich- und Bodenständigkeit von Montserrat Caballé. Sie war zehn Jahre mit ihrem Förderer und Manager Maurizio Cornati, aus der sie die Tochter 1963 geborene Tochter Martina hatte. Nach der Trennung blieb Milva unverheiratet, äußerte sich enttäuscht von den Männern und sprach von Depressionen. Im Jahr 2010 gab sie bekannt, dass sie sich zurückziehe.

Es war der Songschreiber Stephan Sulke, ein musikalischer Gefährte der frühen 80er-Jahre, der Milva 2011 für das Duett „Das muss doch geh‘n“ zurückholte. Der Nuschler und die Elegante, beide verehrt von einem Bildungsbürgerpublikum und keine Bildungsbürger, beschworen noch einmal den Geist von Chanson, Couplet und Kunstlied, das sie geprägt haben. Noch einmal trat sie 2012 im „Musikantenstadl“ auf, um sich vom deutschen Publikum zu verabschieden.

Vorgestern starb La Rossa im Alter von 81 Jahren in Mailand.

GEORGES BENDRIHEM AFP via Getty Images

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