Metallica würdigt „S&M2“-Dirigenten und Klassik-Ikone Michael Tilson Thomas

Metallica trauert um Dirigenten-Legende Michael Tilson Thomas, der die S&M2-Konzerte 2019 leitete. „Es war eine große Ehre, ihn am Pult zu haben.“

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Metallica haben am Donnerstag in einem Instagram-Post dem verstorbenen Dirigenten und Komponisten Michael Tilson Thomas die letzte Ehre erwiesen. Der Klassik-Titan leitete die San Francisco Symphony bei der Zusammenarbeit mit der Band anlässlich der S&M2-Konzerte 2019. Thomas starb am Mittwoch, 22.04. 2026, im Alter von 81 Jahren nach einem Kampf gegen den Hirntumor, wie die „New York Times“ berichtete.

„Mit großer Trauer haben wir vom Tod des legendären Dirigenten Michael Tilson Thomas erfahren“, schrieb die Band und bezeichnete den als MTT bekannten Dirigenten als „überragende Persönlichkeit der klassischen Musik“ – und als treibende Kraft hinter den Konzerten.

„MTT war mehr als ein Dirigent: Als versierter Pianist und Komponist war er 25 Jahre lang musikalischer Direktor der San Francisco Symphony“, schrieb die Band. „In dieser Zeit brachte er Innovation, Experimentierfreude und gesellschaftliches Engagement nach San Francisco. Er förderte zeitgenössische Musik, indem er Beziehungen zu lebenden Komponisten aufbaute und das Standardrepertoire mit frischen Interpretationen neu beleuchtete. Im Laufe seiner Karriere gewann er zwölf Grammy Awards.“

Große Ehre am Pult

„Wir haben unsere Zeit mit MTT sehr geschätzt und bei der Vorbereitung der S&M2-Aufführungen so viel von ihm gelernt – es war eine sehr große Ehre, ihn für unsere Shows am Pult zu haben“, fuhren sie fort. „Er wird uns sehr fehlen.“

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Diese Konzerte waren eine Fortsetzung von Metallicas ursprünglichen „Symphony & Metallica“-Konzerten (kurz S&M) mit Dirigent Michael Kamen aus dem Jahr 1999. Was MTT jedoch anders machte als Kamen: Er suchte klassisches Repertoire heraus, das Metallica gemeinsam mit dem Orchester spielen konnte, anstatt das Orchester die Band lediglich begleiten zu lassen. Bei den Konzerten spielte die Symphony Sergei Prokofjews „Scythian Suite, Opus 20 II: The Enemy God and the Dance of the Dark Spirits“ – und dann stieß Metallica für eine Bearbeitung von Alexander Mossolows „The Iron Foundry, Opus 19“ dazu.

„In dem Moment, als MTT es vorschlug, strahlte das Ganze einfach diese Rock-Kollaborations-Energie aus“, sagte Metallica-Drummer Lars Ulrich 2019 gegenüber ROLLING STONE. „Etwa eine Woche vor Beginn der Proben kam MTT mit seinem Team zu uns ins HQ und wir fingen einfach an, das Stück durchzugehen. … Und plötzlich fand ich diesen Beat oder dieses Schlagzeugmuster, Kirk [Hammett] fing an, diese verrückte Melodie zu spielen, James begann mit seinem druckvollen Riff-Ding – und dann war es nicht mehr zu stoppen.“

Industriemaschine aus Klang

„Es ist einfach unglaublich, dem Orchester dabei zuzuschauen, wie es alle verschiedenen Zyklen durchläuft und das Ganze aufbaut, bis es klingt wie eine Industriemaschine“, sagte Hammett. „Ich hätte da gerne ein Gitarrensolo gespielt, aber ich glaube, ich bin zu spät auf den Zug aufgesprungen.“

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Thomas sprach bei den Konzerten mit ROLLING STONE über die Verbindung, die er zwischen klassischer Musik und Metallicas Werk sieht. „Einige der Stücke, die wir in der zweiten Hälfte der Show spielen, stammen aus der Sowjetzeit, als das Interesse an ‚Primitivismus‘ und ‚Futurismus‘ so groß war – und viele dieser Stücke enthalten eine Menge der Elemente, die auch in dem stecken, was Metallica macht“, sagte er. „Es hat großen Spaß gemacht, ihnen dieses Material vorzustellen. Sie genießen es und wollen mitspielen.“

Er äußerte sich auch über das Gefühl, das er und die Symphony beim Spielen mit der Band erlebten. „Was wir uns in der klassischen Musik absolut nicht vorstellen können, ist die Reaktion des Publikums“, sagte MTT. „Bevor der Song überhaupt beginnt, erleben wir das, was wir normalerweise als Standing Ovation bezeichnen würden. Es ist einfach gewaltig. Wir mussten erst lernen, dass 19.000 Menschen, die aus vollem Hals schreien, einen ganz anderen Lärmpegel erzeugen können, durch den man sich erst seinen Weg bahnen muss.“