Diese Musiker sollen Corona-Hilfen zweckentfremdet haben
Haben Künstler wie Lil Wayne, Chris Brown sowie die Musiker von Alice in Chains Corona-Hilfen zweckentfremdet?

Eine neue Enthüllung wirft ein Schlaglicht auf die fragwürdige Inanspruchnahme von Corona-Hilfen durch prominente Musiker. Laut einem Bericht von „Business Insider“ sollen unter anderem Lil Wayne und Chris Brown Gelder aus den COVID-Hilfsprogrammen der US-Regierung für fragwürdige Zwecke genutzt haben.
Die Enthüllungen beziehen sich auf das „Shuttered Venue Operators Grant“-Programm (SVOG), das während der Pandemie ins Leben gerufen wurde, um finanzielle Verluste von Veranstaltungsorten und Kulturschaffenden zu kompensieren. Laut den Recherchen haben die genannten Musiker, darunter auch weitere bekannte Namen, Millionenbeträge erhalten – Gelder, die offenbar nicht ausschließlich für die Rettung von Jobs oder Veranstaltungen eingesetzt wurden.
Prominente Musiker im Fokus
Lil Wayne soll 8,9 Millionen US-Dollar erhalten haben. Nach den Berichten wurden die Mittel jedoch nicht primär für Tournee-Kosten oder Mitarbeiter ausgegeben, sondern flossen teilweise in persönliche Projekte. Chris Brown steht ebenfalls in der Kritik. Auch bei ihm gibt es Hinweise darauf, dass die erhaltenen Gelder nicht immer den offiziellen Bedingungen des SVOG-Programms entsprachen und somit unrechtmäßig an den Rapper geflossen sein könnten. Ein weiterer Name, der in den Enthüllungen auftaucht, ist der Rapper Smokepurpp. Laut Dokumenten sollen erhebliche Summen für Zwecke wie Studio-Renovierungen oder andere Lifestyle-Ausgaben aufgewendet worden sein.
Die Missbrauchsvorwürfe beschränken sich jedoch nicht nur auf das Rap-Genre. Auch in der Rock- und Metal-Szene gibt es prominente Beispiele für fragwürdige Geldflüsse. Bereits in früheren Berichten gerieten Bands wie Alice in Chains in die Kritik, nachdem bekannt wurde, dass Gelder aus dem PPP-Programm (Paycheck Protection Program) in einer Höhe von mehreren 100.000 US-Dollar beantragt wurden. Ob diese Summen vollständig zur Unterstützung von Tourpersonal oder anderen pandemiebedingten Ausfällen verwendet wurden, bleibt bis heute unklar.
Den Recherchen zufolge haben viele Künstler und Bands einen Umweg über sogenannte „loan-out companies“ genutzt: Das sind Firmen, die sich um das Tourneegeschäft kümmern. „Wie Auszeichnungen zeigen, hat Alice In Chains-Sänger und -Gitarrist Jerry Cantrell 1,4 Millionen Dollar als SVOG-Umverteilung genommen“, so „Business Insider“. „Der Drummer der Band, Sean Kinney, erhielt die gleiche Menge, und Bassist Mike Inez verbucht die Hälfte dieser Summe, rund 682.000 Dollar. Alles in allem gingen 3,4 Millionen Dollar von den 4,1 Millionen Dollar des ausgeschütteten Lohnzuschusses an die drei Musiker an der Spitze.“ Besonders geschmacklos: Alice In Chains sollen nur einen Monat vor Erhalt des Zuschusses 48 Millionen Dollar mit dem Verkauf der Urheberrechte an ihrem Musikkatalog eingenommen haben.
Wie funktionieren diese Programme?
Das SVOG-Programm wurde als Rettungsanker für die Unterhaltungsbranche eingeführt. Anspruchsberechtigt waren unabhängige Veranstaltungsorte, Theater und Künstler. Die Gelder sollten ausschließlich dazu dienen, pandemiebedingte Verluste abzufedern und die Beschäftigung in der Branche aufrechtzuerhalten. Trotz klarer Vorgaben gibt es jedoch immer wieder Berichte über zweckentfremdete Mittel. Während kleinere Künstler und Veranstalter oft Schwierigkeiten hatten, überhaupt an Zuschüsse zu kommen, profitierten größere Namen mit etablierten Strukturen von der Komplexität der Programme.
Die neuen Enthüllungen werfen die Frage auf, wie effektiv die Kontrollmechanismen der Programme waren. Während einige Musiker bisher keine Stellung zu den Vorwürfen genommen haben, haben andere die Vorwürfe bestritten oder behauptet, die Gelder regelkonform eingesetzt zu haben. Behörden prüfen mittlerweile zahlreiche Fälle und könnten in Zukunft Rückforderungen oder Strafen verhängen.