Dissidenten

HANNOVER, PAVILLION

Das ist nicht die Kalahari-Wüste, das ist Beton-Hannover. Der Pavillon am Raschplatz, ein Achtziger-Funktionsbau, beherbergt unter anderem die Stadtbücherei, aber genau hier, im kleinen Veranstaltungs-Raum, feiern die Dissidenten Geburtstag: 20 Jahre, dazu eine Remix-Platte. Die Worldbeat-Odyssee, liveattheLesesaal.

Den haben sie psychedelisch hochgerüstet, mit Ufo-Scheinwerfern, Wandteppichen und einer Stellwand für fraktale Lichtspiele. Die als Studienräte verkleideten Alt-Fans sind gegenüber den Studenten eh in der Unterzahl, und darauf, dass die Dissidenten ein zukunftsorientiertes Unternehmen bleiben, verweist schon der Bühnenaufbau – die Pulte, von denen aus die Remixe erstmals live rekreiert werden, und die dezente Betonung von Street Style und Folklore: Links hockt Bassist Uve Müllrichs Tochter Bajka, wie auf dem Bronx-Treppenabsatz, und improvisiert ihre souligen Abzählreime. Ganz rechts im Schneidersitz der tamilische Stimmkünsder Manickam Yogeswaram. Ein Weltmann der Weltmusik, der selbst das Tamburin ungeheuer charmant bedient.

Zwischen diesen zwei Polen ist alles im Fluss, entwickelt sich das Konzert ohne Pause aus dem DJ-Set heraus und wieder zurück. Vbm Cafe Casablanca hinauf auf die magischen Berge, dann der sonnenschirmgroße Melodiebogen von „Telephone Arab“, bei dem Friedo Josch plötzlich aus der Mumienstarre erwacht und die Querflöte tanzen lässt. Nicht die Karawane, die in Zusammenhang mit den Dissidenten so penetrant bemüht wird, eher ein Dschungel wie von Henri Rousseau. Jetzt wirken auch die Scheinwerfer.

Später in der Nacht, als die Dissidenten längst am Tresen stehen und DJ Leifeld die Sache weiter in Richtung Acid geschubst hat, kommt Percussionist Marion Klein noch mal zurück und setzt eine nordafrikanische Linie drauf. Heute kann sich keiner zurücklehnen. Heute nacht remixen die Dissidenten die DJs.

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