Er ist sauer: Wen Drake auf „Iceman“ alles ins Visier nimmt
Von Kendrick Lamar über A$AP Rocky bis LeBron James – Drake rechnet auf „Iceman“ mit seinen Feinden ab.
Drake ist nicht bekannt dafür, zu vergeben oder zu vergessen – aber Groll festzuhalten soll ja ungesund sein. Auf „Iceman“, einem von drei Alben, die der Rapper um Mitternacht veröffentlichte, lässt er Dampf ab und nimmt seinen aktuellen Roster an Feinden und Widersachern ins Visier.
Es gibt einige wiederkehrende Figuren, doch niemandes Schatten hängt so schwer über dem Album wie der von Kendrick Lamar – Drake verarbeitet darin die Nachwehen von „Not Like Us“. Die erbitterte Fehde der beiden Rapper loderte 2024 hell auf, ihren Höhepunkt erreichte sie, als Lamar die Super-Bowl-Halftime-Show bestritt und für den Diss-Track fünf Grammy Awards abräumte. Drake zog derweil Bilanz über verbrannte Brücken und Verrat und reichte sogar Klage gegen UMG ein mit der Behauptung, der Konzern habe durch die Promotion von „Not Like Us“ seinem Ruf geschadet.
Auf dem Album entlädt Drake seinen aufgestauten Frust – gegen Lamar und A$AP Rocky ebenso wie gegen Universal-Music-Group-CEO Lucian Grainge. Hier ist eine Übersicht, wen Drake auf „Iceman“ alles auf dem Kieker hat – und was dahintersteckt.
Kendrick Lamar
Drake geht auf „Make Them Pay“ direkt in die Vollen und rappt: „Fuck a big three anyway, there was too many chefs in the kitchen, it was a mess to begin with/And now they got a new GOAT and we gotta test the position.“ (Lamar hatte einst gerappt: „Motherfuck the Big Three, nigga, it’s just big me.“) Noch schärfer wird er, wenn er auf die angebliche Streaming-Manipulation zu sprechen kommt, die er Lamar in seiner Klage gegen Universal Music Group vorwirft. „Damn, who is this guy for real? I guess a magician,“ rappt er. „Hundred million streams vanished, no one got questions for niggas.“
Ein weiterer Seitenhieb folgt auf „Janice STFU“, wo Drake rappt: „White kids listen to you ‚cause they feel some guilt and that’s how your soul gets fulfilled.“ Außerdem borgt er sich eine Zeile aus „Not Like Us“ für den Titel seiner Kollaboration mit Future und Molly Santana, „Ran to Atlanta“, und verteidigt darin seine Verbindungen zur Stadt. Auf „Make Them Cry“ greift er die Fehde erneut auf: „Y’all keep on asking me what it did to me, that’s what it did to me,“ rappt er. „When I dig deep, they say dig deeper/Tell us how it felt to meet the grim reaper.“ —Larisha Paul
Lucian Grainge
Im Januar 2025 verklagte Drake UMG mit der Begründung, das Label habe Lamars „Not Like Us“ so beworben, dass es „die konkrete, unverkennbare und unwahre Tatsachenbehauptung vermitteln sollte, Drake sei ein krimineller Pädophiler.“ Die Klage richtete sich bezeichnenderweise nur gegen das Label, nicht gegen Lamar persönlich, der bei Interscope Records unter dem UMG-Dach unter Vertrag steht. In dem Schriftsatz wurde Lucian Grainge namentlich erwähnt, der Universal Music Group seit 15 Jahren als Chairman und CEO leitet. Drake warf ihm vor, Lamars Grammy-Sieg in der Kategorie Record of the Year für „Not Like Us“ öffentlich gefeiert zu haben, und behauptete, der CEO sei maßgeblich an dem Versuch beteiligt gewesen, „Drakes Musik und Marke zu entwerten, um Verhandlungsdruck für eine Vertragsverlängerung aufzubauen.“
Auf „Iceman“ greift Drake den Konflikt erneut auf – auf „B’s on the Table“: „I’m fighting the man, not suing a rapper,“ rappt er. „You boys are not listening.“ —L.P.
Playboi Carti
Playboi Carti bekommt auf „Whisper My Name“ einen lyrischen roten Punkt auf die Stirn gesetzt – ein schwelender Track auf „Iceman“, auf dem Drake die Street-Credibility seines einstigen Bruders in Frage stellt und dessen Loyalität auf den Prüfstand stellt. Angeblich soll Carti gegenüber einem ungenannten Dritten schlecht über ihn geredet haben; Drizzy spielt daraufhin versteckt auf einen Track aus dem „MUSIC“-Album des Atlanta-Rappers an, um das Ziel seiner Worte kenntlich zu machen, und warnt, dass beim nächsten Aufeinandertreffen alle Wetten offen seien. „Baby boy please, I heard what you said to lil bro about me,“ rappt er. „Yeah, and when you run into the Iceman, what you gon‘ do except freeze/You not bout to squeeze/You not in the streets.“ —Preezy Brown
A$AP Rocky und Rihanna
Drake und Rihanna verbindet eine gemeinsame Geschichte – bevor A$AP Rocky und Rihanna mit drei Kindern ihr Happy End fanden. Diese Vorgeschichte scheint nach wie vor die Quelle der Spannung zwischen den beiden Rappern zu sein. A$AP Rocky brachte es Anfang des Jahres auf den Punkt: „Das Ding zwischen uns ist kein echter Beef, aber ich steh einfach nicht auf ihn“, sagte er. „Wir waren mal Freunde. Ich glaube, es geht um Frauen. Ich glaube, er war nicht glücklich und hat das zum Ausdruck gebracht.“
Fans glaubten, A$AP spreche auf „Stole Ya Flow“ Drake an, als er rappte: „Stole my flow, so I stole yo‘ bi—/If you stole my style, I need at least like 10 percent.“ Nun scheint Drake auf „Burning Bridges“ zurückzuschlagen: „Your baby momma ain’t even post a single, damn, where she at?“ rappt er, und später: „You saw my brother, you was tryna fix it, now you drop your album and you back dissing.“ —Julyssa Lopez
DJ Khaled
Drake und DJ Khaleds gemeinsame Diskografie ist lang: „Greece“ und „Popstar“, dazu „No New Friends“, „I’m on One“ und mehr. Auf „Iceman“ dreht Drake ihm nun die kalte Schulter.
„And, Khaled, you know what I mean/The beef was fully live, you went halal and got on your deen/And your people are still waitin‘ for a free Palestine,“ rappt Drake auf „Make Them Pay“. „But apparently everything isn’t black and white and red and green, damn/I’m seein‘ everyone’s true colors, for real, I’m sensin‘ a theme.“ Khaled – dessen Eltern palästinensische Einwanderer sind – hat heftigen Gegenwind erfahren, weil er sich weigerte, zur Lage in Palästina Stellung zu beziehen. Fans wiesen darauf hin, dass Drakes Name im Oktober 2023 auf der Liste der Musiker erschien, die den offenen Brief von Artists4Ceasefire an Joe Biden unterzeichnet hatten, in dem dieser aufgefordert wurde, „vor dem nächsten Todesopfer eine sofortige Deeskalation und einen Waffenstillstand in Gaza und Israel zu fordern.“ Khaled steht nicht auf der Liste. —L.P.
LeBron James
Drake und LeBron James pflegten in früheren Jahren scheinbar eine enge Beziehung, doch die Dinge kühlten ab, als James 2024 – auf dem Höhepunkt der Drake-Kendrick-Fehde – Kendrick Lamars Konzert „The Pop Out: Ken & Friends“ im Kia Forum besuchte. Das reichte Drake offenbar, um den LA-Lakers-Star als jemanden zu betrachten, der offiziell Partei ergriffen hatte – und auf „Iceman“ lässt er seinem Unmut freien Lauf.
Auf „Make Them Remember“ spricht Drake das Konzert an und stichelt gegen James: „I shouldn’t even be shocked to see you in that arena/Because you always made your career off of switchin‘ teams up.“ Später spielt er auf James‘ Trikotnummer an und rappt: „Please stop askin‘ about what’s goin‘ on with 23 and me/I’m a real n—a and he’s not, it’s in my DNA.“ —J.L.
Pusha T
Ganz im Geist des Wiederauflebens alter Fehden macht Drake auf „Make Them Pay“ seinem Unmut gegenüber Erzfeind Pusha T Luft. Der Rapper schwelgt in seinem Besitz von Stücken aus Pharrell Williams‘ legendärer Schmuckkollektion – die er 2023 berüchtigt bei einer Auktion ersteigert und präsentiert hatte – und verweist auf „2 Hard 4 The Radio“ auf Pushas angebliche Verbindungen zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Damit beweist er, dass er nicht davor zurückschreckt, die eigenen Gerüchte rund um seine Kritiker ins Licht zu rücken. „Ya’ll was island hopping back then now your name’s redacted,“ rappt er auf dem Song. —P.B.