Dschungelcamp-Finale: Gil Ofarim wird Dschungelkönig – zu Recht
Gil Ofarim hat das Spiel beherrscht. Da konnten Hubert und Samira nicht mithalten.
Da sitzen sie nun um das Feuer und wundern sich. Gil, Hubert und Samira sind im Finale. Angeblich hat niemand von ihnen daran geglaubt. Zumindest mit den beiden Männern haben viele Zuschauer allerdings schon seit längerem gerechnet, mit Samira eher nicht. Aber sie war so geschickt, sich als Teamplayerin zu zeigen und nicht zu auffällig gegen Gil zu wettern. Vielleicht hielt auch der Betrogenen-Bonus bis zuletzt. Egal, die letzten Stunden im Dschungelcamp haben es noch mal in sich, wie zu erwarten war.
Die drei Finalisten wirken zunächst entspannt, nachdem Patrick und Simone das Camp singend verlassen haben. Hubert ist „häbbi“. Samira findet es „geil“ und schenkt ihre Finalteilnahme gleich allen Müttern Deutschlands. Gil hat die Haare schön. Das eindeutigste Zeichen seiner „Heldenreise“ sind diese Haare: Die ersten Tage trug er sie streng zum Dutt zurückgebunden, den Kopf gesenkt. Jetzt sind die wilden Locken oft wieder frei, und er blickt offen in die Kamera, lächelt. Er bereitet seine Rockstar-Rückkehr vor, zumindest hofft er das wohl. Vielleicht ruft Jon Bon Jovi bald noch mal an. Oder wenigstens Peter Maffay.
Gil lässt die Haare runter – und fällt weiterhin nicht aus der Rolle
„Wenn Gil gewinnt, verliere ich den Glauben an Reality-Shows“, sagt Simone. Was hat sie sich denn versprochen? Dass vor zig Kameras alle ganz sie selbst sind, nichts verheimlichen und keine Strategie haben? „Manipulativ“ nennt sie Gil, aber die ganze Sendung ist ja manipulativ – Gil ist nur so clever gewesen, sich das System nicht komplett zu eigen zu machen, sondern sich dem Alles-Offenbaren zu verweigern. Und gleichzeitig bei jeder Prüfung abzuliefern. Moralischen Diskussionen ging er aus dem Weg, körperlichen Herausforderungen nicht. Es war schwer, von seinem Gleichmut und seiner Fitness nicht beeindruckt zu sein – das ist das (recht schlichte) Geheimnis seines Erfolgs. Er fiel nicht ein einziges Mal aus der Rolle.
Vor der allerletzten Dschungelprüfung sagt er: „Ich mache alles.“ Und „Es ist mir eine Ehre.“ Natürlich. Gil heißt übersetzt „Freude“, erzählt er. Er wolle nur seine Leichtigkeit zurück, und das habe der Dschungel geschafft. Glückwunsch dazu. Auch klar, dass es draußen nicht so einfach werden wird, sich das zu bewahren.
Die letzte Prüfung ist egal, aber alle strengen sich an für das Abschieds-Menü
Weil es eh bald vorbei sein wird, sind die unterschiedlichen Prüfungen, bei denen alle drei ran müssen, nicht mehr so wichtig. Und doch bezeichnend. Selbstverständlich holt Gil alle fünf Sterne, ohne auch nur ein Geräusch zu machen – Augen zu und durch! Ratten, Skorpione und Schlangen schrecken ihn nicht. Hubert will beim Ekel-Essen alles geben und reißt schon vorab die „Hubsi-Arme“ hoch, scheitert jedoch an den Kamel-Hoden. (RTL, überleg dir doch bitte mal was Anderes! Selbst für Fleischesserinnen ist das alles nicht lustig.) Vier Sterne immerhin. Samira ist „120 Prozent motiviert“, sie zieht die „Ist alles für meine Töchter“-Karte. Bei den Spinnen muss sie schon ein bisschen kreischen, „ich kann das, ich kann das“, und: volle fünf Sterne.
Die letzte Stunde zieht sich lange hin, es gibt Erbauungs-Briefchen und Gesichtsmasken, das Drei-Gänge-Menü und viele Klischees. Hubert glaubd’s einfach ned. „Ich bin viel zu bescheiden, um zu sagen, ich hätte es verdient“, sagt Gil. „Ich würde alles geben“, sagt Samira. Sie nehmen gemeinsam das letzte Abendmahl ein. Und wieder hat Gil den besten Satz parat: „Gutes Essen in guter Gesellschaft ist unschlagbar.“ Er darf jetzt sogar von Samiras Tiramisu probieren, das ist wohl der endgültige Friedensschluss.
Die letzte Nacht geht vorüber, dann muss der Erste gehen. Seit der ersten Staffel haben im Halbfinale nicht mehr so viele Leute angerufen, erzählen Sonja Zietlow und Jan Köppen – dafür dürfen sie sich wohl bei Gil Ofarim bedanken. Dritter ist: Hubert! Er wird sofort abgeführt, Samira fragt: „Wohin mit uns?“ Gil nimmt sie in den Arm. Bei der nächsten Verkündigung halten sie Händchen. Und dann sagen es die beiden Moderatoren, um 22.49 Uhr: Gil ist Dschungelkönig! „Herzlichen Glückwunsch!“, ruft Samira sofort. Gil weint. Mit der Krone auf dem Kopf erfährt er, dass er bei den Votings von Anfang an Favorit war. „I love you, I love you, I love you!“ Sonja nennt ihn noch den „meistumstrittensten Kandidaten“, plötzlich entgleitet sogar ihr die Grammatik.
Gil gewinnt – weil er clever genug war
Wie kann das sein, werden jetzt viele fragen – so ein Typ Dschungelkönig? Auch das ist eben Show: Jemand wird der Meute zum Fraß vorgeworfen, und dann übernimmt er die Kontrolle und gewinnt. Was Gil Ofarim in Leipzig gemacht hat, war schlimm. Was er im Dschungelcamp gemacht hat, war schlau. Was er jetzt daraus macht, wird spannend.