Dschungelcamp, Tag zwei: Kader, die Kannibalin – und Honey, der Held


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Diese Staffel übertrift die kühnsten Erwartungen, die man gar nicht hatte. Es ist ein Meta-Dschungelcamp, also das Dschungelcamp, das über sich selbst nachdenkt – so sehr wollen die Kandidaten ihre Rollen erfüllen, so sehr drängt es sie zur Selbstoffenbarung, zum Offenbarungseid, zum Glutkern ihrer Verletztheit. Die Beichten beginnen am zweiten Tag. Sie sollten noch etwas von sich übrig lassen.

Der Brocken Malle-Jens berichtet Florian: Seine Frau hat ihm die Kinder und das Haus weggenommen, „all der Scheiß“, er trank eine Flasche Sauren Feigling und schluckte Opas Herzpillen, wurde „oben“ gefunden und auf die Intensivstation bebracht, war elf Sekunden tot, erlebte das, und dann riefen sie seine Mutter an: Ihr Sohn wollte sich umbringen. Und das kann er nicht verwinden: Mutter musste zum Krankenhaus kommen, weil ihr Sohn sich umbringen wollte. Und jetzt will Malle-Jens den Eltern mal was Gutes tun und eine Karriere starten. Mit dem Dschungelcamp. Auf Mallarco hatte er schon eine Karriere mit „Goodbye Deutschland“ gestartet.

Flori, das „Arschloch“

Malle-Jens hat Flori vorher etwas Unglaubliches erzählt: Er sei früher ein „Arschloch“ gewesen. Ja, er. Flori. Nach der Scheidung seiner Eltern kiftte er, schnupfte Speed, nahm Ecstasy. Dann hörte er Stimmen, obwohl er allein war. Sie riefen ihn. Er wurde in eine Entzugsklinik gebracht, in der ein Jahr lang blieb. Er war 21. Heute raucht er nicht mehr. Heute ist er der Botox Boy.

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Im Dschungeltelefon erkundigt sich Markus höflich danach, ob das Zikadenzirpen, das gestern nicht da war, womöglich „elektronisch verstärkt“ wird. Er bescheinigt sich selbst, „hyper-elaboriert“ zu sprechen, wenn nicht zu denken. Und jetzt, da er von der Gruppe umarmt, ja illuminiert werde, so Markus, geschehe etwas Erstaunliches: Er werde normaler.

Kader findet es normal, dass „Leute im Busch“ irgendwann andere Menschen essen, wenn sie – wie jetzt die Camp-Bewohner – nur Bohnen und Reis bekommen. „Messer und Gabel“, dräut sie, müssten vor ihr versteckt werden. Es gruselt.

Der verfrühte Showdown von Honey und Flori (Sonja Zietlow: „Flo“) ist ein Tauchgang in der Enge mit Spinnen. Die Kombattanten begegnen sich in der Hitze kühl mit „Grüß dich“ und „Servus“, es ist also ein südliches Duell. Flori scheitert knapp, er hat natürlich einen Spinnen-Phobie, und er gratuliert dem Gegner. Auf dem Rückweg ärgert er sich über sich selbst. Honey hat jetzt die Bestätigung dafür, dass er standhält, dass der mit den Aufgaben wächst, obwohl er sowieso schon so groß ist, und dass seine mentale Stärke ins Grenzenlose schießt. Er kehrt als siegreicher Held zu den Frauen zurück, sie singen „Honey Honey“ für ihn. Gina-Lisa sagt: „Hässlich ist er ja nicht.“ Und wir wissen, was es heißt, wenn Gina-Lisa „Hässlich ist er ja nicht“ sagt. Läuft bei Honey.

Hanka macht die Witze, die keiner hören will

Hanka will einen langen Witz erzählen, den Jens schon kennt. Kader will keine langen Witze hören. Eigentlich überhaupt keine Witze. Sie erzählt ihn trotzdem. Der Anfang geht so: „Indianerdorf. Der alte Häuptling dankt ab.“ Ich weiß nicht, ob RTL ein Einsehen hatte – manchmal setzt auch kurz mein Fernseher aus. Aber der Witz ging nicht weiter. Dann wollte Hanka einen zweiten langen Witz erzählen, der auch nicht zu hören war.

Kader erzählt dann einen kurzen Witz: „Ich bin auf alle Kandidaten, ehrlich gesagt, im Kopf vorbereitet. Aber ich bin nicht auf Hanka vorbereitet.“

Favorit: Honey trotzdem nicht. Deshalb!