Eastern Conference Champions: Drogensüchtige Wolfssöhne im Zwielicht


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Es ist eine dunkle und ungezähmte Welt, die die Eastern Conference Champions auf ihrem Album „Speak-Ahh“ eröffnen. Sänger, Gitarrist und Songschreiber Joshua Ostrander greint wie Damien Rice oder Patrick Watson, doch seine Musik ist ungehobelter, gefährlicher und elektrischer als die der Folk-Schmerzensmänner. Oft werden die Lieder größer und größer und öffnen riesige Höhlen aus Effektgitarren und Geräuschen.

Der lapidare Unterton auf „Speak-Ahh“ hat mit der Geschichte der Band zu tun: Ostrander und Schlagzeuger Greg Lyons machen seit vielen Jahren gemeinsam Musik, waren bei einem Majorlabel unter Vertrag, dann wieder nicht. Auf und ab geht die Reise, Ostrander ist es egal. „Du musst als Band irgendwie überleben und weitermachen, das ist das Einzige, was zählt.“ Vor einiger Zeit bekamen Ostrander, Lyons und Bassistin Melissa Doughtery Rückenwind, weil einer ihrer Songs auf einem der „Twilight“-Soundtracks landete – „A Million Miles An Hour“, ein hochdramatisches Lied, als hätten Jeff Buckley und Thom Yorke gemeinsam komponiert. „Plötzlich standen wir auf einem roten Teppich und sollten sagen, wer unser Lieblingsvampir sei“, erinnert sich Ostrander, „es war bizarr.“ Das Lied öffnete Türen; viele kennen nun den Namen der Band.

Ihr zweites Album ist frisch erschienen – Donnerstag startet die Deutschlandtour in Köln, die sie im Vorprogramm der Get Up Kids bestreiten, am Freitag sind sie auf dem Reeperbahn Festival. Eine gute Gelegenheit, um sie in unserer Rubrik Artist To Watch zu Wort zu bitten – die Fragen wurden beantwortet von Joshua Ostrander.

Ihr habt bereits leidliche Erfahrung mit Major Labels. Habt ihr schon mal gedacht: „Die Musikindustrie tötet unsere Leidenschaft und der einzige Ausweg ist es, Konzerte zu spielen und die Songs auf handgepresstem Vinyl oder als Download auf der eigenen Website zu verkaufen!“ Oder so was ähnliches?
Diese ganze Major Label-Struktur ist eine Fehlkonstruktion. Sieht fast aus, als wäre sie entstanden, damit sie irgendwann mit großem Getöse zusammenbricht. Die haben mehr Geld für ihre Lunches ausgegeben als wir für unser Album. Es fühlt sich gut an, nichts mehr mit dem Haufen zu tun zu haben. Ich vermisse es nicht, dass mir jemand ständig über die Schulter schauen will. Alles selbst zu machen, gibt dir auch viel mehr. Allerdings vermiss ich die fetten Lunches schon manchmal.

Es brauchte nicht lange, und man las den ersten Kings Of Leons-Vergleich. Ich glaube, der war sogar gleich im Promotionschreiben. Nimmst du das als Kompliment, oder schlägst du dabei die Hände über dem Kopf zusammen?
Ach, das kümmert mich nicht. Die Leute brauchen ihre Vergleiche – und sie wirken dabei, als wüssten sie, was sie tun.

Wo stammt denn eigentlich der Bandname her? Klingt sportlich…
Ein Teil der Band ist in Philly aufgewachsen. Wenn die Philadelphia Flyers, unser Hockey-Team, in ihrer Liga gewonnen haben, dann wurden sie „Eastern Conference Champions“.

Tom Waits musste seine Stimme errauchen, Shane MacGowan seine ersaufen: Warum klingst du so, wie du klingst?
Ich bin von einem Rudel Wölfe aufgezogen worden. Dann kamen: Drogensucht, Bier, Hot Dogs und Penicillin. Und ich habe viele Tom Waits-Platten gehört…

Was ist deine verrückteste Erinnerung an diesen „Twilight“-Hype?
Wir waren auf der Premiere in L.A., haben die Roter-Teppich-Nummer mitgemacht und wurden 3.000mal gefragt, wer unser Lieblingsvampir ist. Dabei haben wir nie auch nur einen der Filme gesehen, geschweige denn, die Bücher gelesen. Die Aftershow-Party war unfassbar. Schokoladenbrunnen und mehr B-Prominenz, als ich mir vorstellen konnte. Eine alte Lady fragte mich, ob ich ihren Drink nachfüllen könnte. Sie hat mich für einen Kellner gehalten. Ich habe meine Zigarette in ihrem Glas ausgedrückt. Just kidding… Ehrlich gesagt, hab ich ihr spaßeshalber einen Drink geholt und dafür fünf Dollar Trinkgeld bekommen. Wir haben die Party recht schnell verlassen. Ach ja: und wir hingen mit Cee-Lo Green im Fahrstuhl fest.

Habt ihr denn schon mal gehört, wie es klingt, wenn Robert Pattinson Musik spielt? Er hält sich ja für einen Blues-Mann… Schaut euch doch mal diesen Link an. Was denkt ihr?
Ich bring’s nicht über’s Herz, auf Play zu klicken.

Und wer ist nun euer Lieblingsvampir? Just kidding… ein bisschen…
Kiefer Sutherland.

Es ist seltsam, dass wir euch bei den Artist To Watch haben. Ihr seid ja schon ne Weile im Geschäft. Wie fühlt sich das für euch an?
Wir kommen damit klar. Wir sind stolz auf alles, was wir gemacht haben und ich entschuldige mich nicht dafür, nicht mehr 19 zu sein. Wir hätten „Speak-Ahh“ nicht aufnehmen können, ohne nicht 13 Jahre auf Tour gewesen zu sein.

Gibt’s nach so vielen Jahren noch eine persönliche Benchmark? Den Moment, an dem ihr sagen würdet: „Besser wird’s nicht! Lasst uns aufhören?“
Ja – wenn wir einen Bus haben. Ein paar Roadies. Einen ordentlichen Soundcheck. Ein paar Free Drinks. Und ein wenig Geld.

Wir Musikjournalisten tendieren ja dazu, bei neuen Bands schnell einen besonders kreativen Genre-Stempel auf die Stirn zu drücken. Für euch hätte ich spontan im Angebot: „Southern Bar Fight Rock“ oder „Post Alt. Country“. Darf’s davon eines sein, oder habt ihr eines im Angebot?
Ich mag die „Bar Fight“-Nummer, und ich sehe auch, warum es „Post Alt. Country“ sein könnte. Stempel uns doch einfach „Gut!“ auf die Stirn.

Gibt es etwas, was du nicht für eine Karriere tun würdest?
Anal.

Aha. Äh. Letzte Frage: Gibt es einen Künstler, den wir definitiv auschecken sollten?
Voxhaul Broadcast und KAV.

Eastern Conference Champions auf Tour:
22.09.2011 – Köln, Luxor *
23.09.2011 – Hamburg, Reeperbahn Festival (Molotow um 19.30h)
24.09.2011 – Frankfurt, Batschkapp *
25.09.2011 – München, Backstage *
27.09.2011 – Stuttgart, Universum *
28.09.2011 – Bochum, Zeche *
29.09.2011 – Berlin, Lido *
05.10.2011 – Bielefeld, Forum (Headliner-Show)

*als Support von THE GET UP KIDS (Veranstalter: FKP Scorpio)