Ein Festival nur mit Frauenbands: Carolin Kebekus ruft das „DCKS Festival“ ins Leben


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Am Pfingstmontag (6. Juni) wird es im Tanzbrunnen in Köln eine besondere Erscheinung geben: ein Festival mit komplett weiblicher Besetzung. Die Idee zum „DCKS Festival“ hatte Carolin Kebekus. Die Komikerin tut gleich gar nicht so, als hätte sie exorbitant viel Ahnung von Musik – sie hat nur bemerkt, was in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen auffiel: dass bei den meisten Festivals vor allem Bands auftreten, in denen nur Männer spielen. Statt sich bloß darüber zu ärgern, beschloss sie, etwas zu tun. Beim „DCKS Festival“ sind nun die No Angels, LEA, Mine, Annie Chops und Luna dabei, und es wird verschiedene Gesprächsrunden geben, unter anderem mit Judith Holofernes und Hazel Brugger. (Alle Informationen unter: https://dcks-festival.de/) Ihre eigentliche Arbeit macht die Umtriebige natürlich auch weiter: Am 28. April startet die neue Staffel der „Carolin Kebekus Show“ in der ARD.

Wie kam es überhaupt zu diesem Festival?

Wir sammeln für „Die Carolin Kebekus Show“ immer ganz verschiedene Themen, und das hier war so naheliegend. Ich kenne ja auch viele Musikerinnen und viele Geschichten, und beim Recherchieren kamen wir dann auf diese kuriosen vier Prozent Frauenanteil beim damaligen Line-up von „Rock am Ring“. Wir dachten zuerst: Das kann nicht sein! War aber so. Das ist doch absurd, darüber haben wir dann ein Stück gemacht. So kam das Wortspiel auf, dass wir mal „Ring am Rock“ veranstalten sollten, ein Festival nur mit Frauenbands. Und aus dem Witz wurde dann Wirklichkeit. Nur, dass die Veranstaltung nun „DCKS Festival“ heißt. DCKS steht für „Die Carolin Kebekus Show“.

Wo siehst du den Grund für den geringen Frauenanteil bei Festivals?

Böse Absicht ist es bestimmt nicht, an sich wollen alle was ändern. Es ist ja nicht so, dass die Veranstalter alle Frauen hassen und die nicht auf der Bühne haben wollen. Nur wo setzt man an? Das Argument bei Rockfestivals ist immer: Gibt halt keine Frauen! Überall wird nach Headlinern gesucht, aber es gibt sie einfach nicht, die junge Frauenband mit sehr viel Live-Erfahrung, die wahnsinnig viele Tickets verkauft. Falls das so ist: Warum gibt es die nicht? Weil sie nirgends die Möglichkeit bekommen, sich zu entwickeln.

Wie habt ihr dann das Line-up zusammengestellt?

Da gibt es natürlich viel zu bedenken – sind die gerade auf Tour, haben die überhaupt Zeit? Erst mal wollten wir uns auf Deutschland konzentrieren – aus Kostengründen, aber auch weil wir hier schon so viel Auswahl haben. Viele waren sofort dabei: die No Angels, Mine, LEA. Es gab auch sehr viele Bewerbungen, weil sich so viele Musikerinnen so gern mal zeigen wollen und so wenige Gelegenheiten dazu bekommen. Und man kann die übrigens alle nebeneinander buchen! Wenn man eine Frauenband hat, kann man auch noch eine und noch eine buchen. Wirklich!

Wie sehr wirst du an dem Tag noch involviert sein?

Ich werde auf jeden Fall das Festival eröffnen – mit einem fulminanten Opening zusammen mit den BeerBitches, man sollte also früh da sein, um das nicht zu verpassen. Und ich werde die ganze Zeit dabei sein, auch bei den Talks natürlich. Wir haben den Anspruch, da noch andere Genres einzubinden, deshalb haben wir Hazel Brugger dabei, aber auch die Aktivistin Auma Obama, die Halbschwester von Barack Obama. Ich hoffe, da gibt es Gespräche mit Menschen, die an entscheidenden Stellen sitzen, und dass man darüber reden kann, wo das Problem entsteht. Wo werden zum Beispiel Musikerinnen denn heute groß gemacht? Nur noch auf Spotify oder YouTube oder ist es immer noch das Radio? Und wer entscheidet, wo was passiert? Gibt es da das ungeschriebene Gesetz, dass man nicht zu viele Frauen hintereinander spielen darf? Und wenn ja, aus welchem Jahr stammt das?

Ich bin ein großer Quoten-Fan. Es ist einfach wichtig, dass wir Frauen in die entsprechenden Positionen bringen, damit alle sehen: Das geht!

Was können wir nun tun, was sind deine Forderungen?

Ich bin ein großer Quoten-Fan. Es ist einfach wichtig, dass wir Frauen in die entsprechenden Positionen bringen, damit alle sehen: Das geht! So wie ich auch sehen musste, dass es Frauen gibt, die Komikerinnen sind und auf der Bühne stehen. Als ich Anke Engelke bei der „Wochenshow“ gesehen habe, wurde mir klar: Ah, das ist ein Beruf, dann kann ich das ja auch machen! Wir brauchen diese Vorbilder. Sehr, sehr lange Zeit war die Situation ja sehr ungerecht für Frauen, und um das zu ändern, brauchen wir jetzt einfach mal eine Quote. Qualifizierte Frauen gibt es genug. Und wenn sich dadurch die Arbeitsbedingungen für alle verbessern, kann doch niemand darüber böse sein.