Highlight: Frauenfußball-WM 2019: Wer ist eigentlich Wanda?

Eine Fischvergiftung namens Wanda

ROLLING-STONE-Fundstück vom 23. Oktober 2015

Wie beginnt man einen Text, der von einer der schlechtesten Platten der jüngeren Musikgeschichte handelt? Vielleicht so: Die Musik von Wanda ist die Kirche von Satan. Und „Bussi“ ist ihr dunkler Gral. „Bussi“? Ja, „Bussi“. Wer sich so einen Namen ausdenkt, kann kein guter Mensch sein. Darüber sind wir uns wohl alle einig. In diesem Zusammenhang kann ich gleich mit einem weit verbreiteten popkulturellen Irrtum aufräumen. Böse Menschen haben keine Lieder? Stimmt nicht. Böse Menschen haben viele Lieder und füllen damit ganze Platten. Und diese tragen dann bescheuerte Namen wie „Bussi“.

Hört man das Album durch, drängt sich sofort eine Frage auf: Echt? So was ist im Jahr 2015 tatsächlich möglich? Und zwar ohne, dass irgendjemand dafür ins Gefängnis gehen muss, öffentlich ausgepeitscht oder zumindest mit einem lebenslangen Auftrittsverbot belegt wird? Dann gleich eine zweite Frage. Was ist eigentlich schlimmer? Die grausame Fahrstuhlmusik zum Schafott des guten Geschmacks oder das am Marketing-Reißbrett zusammengefakte Plastik-Image der Band, das irgendwo zwischen Wiener Zuhälterromantik, Tinder-Profilfoto-Elend und professionellem Autodrom-Einparker-Chic herumkrebst? Man weiß es nicht. Erst im Zusammenspiel von Musik und Optik offenbart sich die ganze Bandbreite des Schreckens. Sexismus mit menschlichem Antlitz trifft auf Malen-nach-Zahlen-Schlagerrock, der so klingt, als hätte Stefanie Werger in Ridley-Scott-Alien-Manier den leblosen Körper von fünf Wiener Würstchen befallen um fortan als symbiotisches Austropop-Monstrum eine ganze Generation von kritiklosen Formatradiohörern mit gefühligem Fremdschäm-Müll zu vergiften. Die Lyrics? Auch nicht besser. Hören sich an, als hätte der Songtexter von Hansi Hinterseer im zweiten Bildungsweg einen Grundkurs in „Wienerisch für Dummies“ absolviert um anschließend als Pressesprecher für die Berufsinnung der österreichischen Pick-Up Artists aktiv zu werden.

Ja, das ist alles ganz, ganz schlimm. Aber das schlimmste an Wanda ist, wie die Band den eigenen Bekanntenkreis dezimiert. Es ist nämlich so: Eine erstaunlich große Zahl an Menschen findet diese augenzwinkernde Hallodri-Masche auch noch gut. Darunter einige, von denen man bisher vermutete hatte, dass die eigentlich okay wären. Klar, in drei Jahren werden sich alle für ihr damaliges, geschmackliches Totalversagen schämen und behaupten, nie dabei gewesen zu sein und das eh schon immer furchtbar gefunden zu haben. So läuft’s ja immer. Zum Glück habe ich die Namen aller Wanda-Apostelinnen in meinem Umfeld fein säuberlich notiert. Euch wird nicht vergeben! Wer Wanda cool findet, ist der Feind – causa finita!



Wanda-Sänger wurde für Klinsmann-Trikot vermöbelt

Viele Jahre bevor sich Marco Wanda den Traum erfüllte, zum Rockstar zu werden, dachte er über eine Karriere als Fußballer nach. Das verriet er in der aktuellen Ausgabe des „Zeit Magazin“. Als Jungspund trat er dabei gerne mit einem Trikot von Jürgen Klinsmann (inzwischen Trainer bei Hertha BSC) beim Spielen in Parks in Wien an. Keine gute Idee, wie sich für ihn schnell herausstellen sollte. „Ich wurde dafür regelmäßig verprügelt“, so Wanda, der mit bürgerlichem Namen Marco Fitzthum heißt. „Was mich aber nicht davon abgehalten hat, dieses Trikot weiter zu tragen.“ Er habe um sein Trikot „wie um Leben und…
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