Neue Podcast-Folge: „Die Streifenpolizei“ über die Favoriten der Oscar-Verleihung

Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Dave Grohls Zähne


Eric Pfeils Pop-Tagebuch, neue Folge 7

Für den Soundtrack zu „Man Of Steel“, so war kürzlich zu lesen, ließ der Filmkomponist Hans Zimmer ganze zwölf Schlagzeuger aufmarschieren.

Nun sind Schlagzeuger ja so eine Sache. Ich muss es wissen, gehört das Schlagzeugspiel doch zu den ganz wenigen Sachen, die ich ordnungsgemäß erlernt zu haben von mir behaupten darf. Ich will daher an dieser Stelle Worte der Warnung sprechen: Zwölf Schlagzeuger – da klopft ja beinahe schon die Blue Man Group an. „Problem, Problem“, wie Schorsch Kamerun einmal sang.

Eines der Hauptprobleme mit den Schlagzeugern besteht ja darin, dass sie die einzigen Musiker sind, die auch wenn sie ihres Instrumentes entledigt sind, nicht aufhören können zu spielen. Schlagzeugern ist alles recht: Tische ebenso wie Oberschenkel – auch die anderer Menschen. Aber Schlagzeuger nutzen noch ganz andere Dinge, um damit Rhythmik zu erzeugen: Neulich war ich beim Zahnarzt. Wie denn bitteschön meine Zähne aussähen, wollte der Dentalinspektor wissen. „Wie jetzt?!“, gab ich in gewohnter Sachlichkeit zur Antwort. Na ja, beeilte sich der Zahnarzt zu ergänzen, die Zähne seien ja völlig abgerieben. „Ach so“, sagte ich, so gut es das in meinem Mund befindliche Werkzeug eben zuließ, das komme davon, dass ich Schlagzeuger sei. Als ich bemerkte, dass der Mann, der behauptet, mein Zahnarzt zu sein, sein Gesicht zu einem Ausdruck verzog, der alle Schattierungen des Nichtbegreifens aber auch der Abscheu in sich ballte, erklärte ich: „Es ist nämlich so, Herr Docteur: Schlagzeuger, das wissen viele nicht, trommeln auch mit den Zähnen. In der Regel wohl dann, wenn es sich einfach nicht ziemt, auf Tischen oder Oberschenkeln herumzuklopfen oder solche gerade nicht in der Nähe sind. Rechts im Mund befindet sich die Bass-Drum und links die Snare. Und wissen Sie was?“ Der Zahnarzt gab mir zu verstehen, dass er nicht wisse was. „Halten Sie sich fest: Dave Grohl macht das auch!“, rief ich triumphierend. „Hat er jedenfalls mal gesagt“.

Kooperation

Ja, Dave Grohl auch. Wobei ich zugeben muss, dass dies wohl eine der ganz wenigen Sachen ist, die ich mit dem als „friendliest guy in Rock“ gehandelten Musiker teile. Ich habe ansonsten sehr wenig mit Dave Grohl gemein: Weder trage ich einen Bart, noch kaue ich ununterbrochen Kaugummi (womöglich gar beim dentalen Trommelspiel!), noch spielte ich je bei Nirvana. Vermutlich habe ich mehr mit Demis Roussos oder den Amigos (diese Woche Platz 1 der deutschen Albumcharts!) gemein, als mit Dave Grohl.

Dass Grohl der „friendliest guy in Rock“ sei, habe ich irgendwann mal irgendwo im Internet (Tipp!!! Mal auschecken: viele Angebote!) gelesen. Wie man sich diesen Ruf wohl erlangt? Vermutlich, indem man in gleichem Maße nett zu Roadcrew, Band und Journalisten ist. Wobei: Journalisten mögen ja eher interessante als nette Musiker. Und umgekehrt werden allzu freundliche Rockstars ja oft zum Problem. Gar nicht selten etwa habe ich den Satz gehört: „Mist, gestern habe ich Rea Garvey interviewt, der war total nett. Und jetzt?“. Wenn ich so recht überlege, habe ich in all den langen Jahren des Musikerbefragens noch nie einen unfreundlichen Rockmusiker erlebt. Ok, vielleicht mal abgesehen von Nena. Und ich war mal zugegen, als Iggy Pop einen Ausraster bekam. Nur soviel: Man möchte lieber nicht im Raum sein, wenn Iggy Pop einen Ausraster bekommt. Ganz unberechtigt war er aber sicher nicht.

Gleichwohl ich weiß, dass sich mehr Menschen für Iggy Pops Ausraster als für Betrachtungen zum Schlagzeugerhandwerk interessieren, will ich zum Ausgangsthema zurückkehren. Ich glaube, es gibt vier Arten von Schlagzeugern. Erstens: das schwitzende unberechenbare Tier, vertreten etwa durch Keith Moon oder John Bonham. Zweitens: den nonchalanten Clown, vertreten etwa durch Ringo Starr. Drittens: den schweigsamen Sonderling, vertreten durch … Mist, mir fällt grad kein Beispiel ein. Und viertens: den unablässig Drum-Workshops veranstaltenden Angeber, vertreten etwa durch Curt Cress, Meine Lieblingsschlagzeuger, falls es jemanden interessiert: Kenny Buttrey, Steven Drozd, Kenney Jones, Tom Ardolino, Jaki Liebezeit und Sly Dunbar. Zwei davon leben leider nicht mehr. Sollten die anderen vier mal gemeinsam auf ihren Zähnen einen Trommel-Workshop veranstalten, ich würde mich vor lauter Freude blau anmalen!


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