Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Die Welt vor 37 Jahren


Folge 189

Wenn man sich in schlaflosen Nächten durch alte Ausgaben des ROLLING STONE liest, könnte man dem Eindruck erliegen, alle relevanten Dinge mit Musikbezug seien vor 20, 30, 40, 50 oder 60 ­Jahren passiert. Doch weit gefehlt! Manches hat sich auch vor 37 Jahren zugetragen. Zum Beispiel am 17. August 1982. Da stellte die Plattenfirma Polygram in Hannover (in den Achtzigern passierte ja nahezu alles in Hannover) die ersten Audio-CDs vor.

Als die erste in meinem Freundeskreis auftauchte, war das, als wohnte man einer Ufo-­Landung bei. Wir saßen im Zimmer meines Freundes Charly auf Ma­tratzen und waren uns, als dieser weihevoll den Player startete, sicher, die Zukunft beginne jetzt und hier in diesem Zimmer. Seltsamerweise kann ich mich nicht mehr erinnern, welches Album wir damals als Erstes auf einem digitalen Tonträger hörten.

In der CD-Version wurden bald alle Alben mit sogenannten Bonus-Tracks vollgeklatscht: Studio-Outtakes, olle B-Seiten-Stücke, Proberaum-Aufnahmen und anderer Krempel, der bei den jeweiligen Musikern jahrelang unterm Bett gelegen hatte. In meinem Freundeskreis begrüßten wir diese Erweiterungen damals sehr und verstiegen uns oft dazu, die nachgereichten Extras für „noch besser“ als die auf den Original-Alben befindlichen Stücke zu halten. In seltenen Fällen wurden die Zugabenstücke leider von unsensiblen Menschen zwischen die bereits bekannten Songs geklemmt. Das fanden sogar wir Outtake-­Aficionados nicht gut.

Heute haben CDs ja einen eher schlechten Leumund. So einen richtigen CD-Hass wie viele meiner musikhörenden Zeitgenossen konnte ich aber nie entwickeln. Noch heute habe ich Massen davon herumstehen. Ja, sie sind hässlicher als Strandschuhe für Senioren. Natürlich, sie sind zu lang. Klar, sie gehen viel zu leicht kaputt. Aber das ist mir in meinem uralten unaufgeräumten Auto relativ egal, wenn ich dort „Clouds Taste Metallic“ von den Flaming Lips hören will. Sicher, ich könnte mit Playlists arbeiten, mein Handy anschließen oder dergleichen. Dass ich dies aber nicht tue, liegt in einer Mischung aus starrsinnigem Trotz und extremer technischer Unfähigkeit begründet. Ich glaube generell, dass eine Mischung aus starrsinnigem Trotz und extremer technischer Unfähigkeit ein Bollwerk gegen jede Menge Blödsinn sein kann.



Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Wiedergehörte 80er-Indie-Platten for young lovers

Folge 211 Jeremy Gluck with Nikki Sudden & Rowland S. Howard – I Knew Buffalo Bill (1987) https://www.youtube.com/watch?v=w-CbnCSSjQU&list=PLAZzd-mGlQ36htjCrN7xV9Sd5FHbVBwKB Sechs Jahre nach dem Ende seiner kurzlebigen Surf-Punk-Band The Barracudas konnte der kanadische Nichtsänger Jeremy Gluck für sein erstes Solo-Album eine illustre Unterstützerschar zusammentrommeln: Mit Nikki Sudden, dessen Bruder Epic Soundtracks, Rowland S. Howard und Jeffrey Lee Pierce wusste Gluck  die führenden Köpfe einer ultracoolen Indie-Clique hinter sich, die aufs Schönste im Niemandsland zwischen Noise-Blues, romantischem Rock’n’Roll und Post-Punk herumwilderte. Das „Wild Horses“-Gedächtnisgeschrammel Nikki Suddens trifft hier wiederholt auf Rowland S. Howards und Jeffrey Lee Pierce’ Noise-Blues-Exzesse – stets mit Gewinn, wie…
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