Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Noch ein Bier!

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Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Noch ein Bier!

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Folge 153

Ein Abend an der Theke. Zwei Herren im besten Alter sind ins Popmusik-Gespräch vertieft.

„Und deshalb kaufe ich keine Platten auf dem Flohmarkt.“

„Weil es dich nervt, dass da Leute ihre Namen auf die Platten gekritzelt haben?“

„Ja, ich finde, dann gehört die Musik auf der Platte nicht allein mir, sondern auch Ute Willikens oder Hartmut Schreiber.“

„Aber die gehört doch sowieso nicht nur dir. Mich nerven ganz andere Sachen. Mich nervt, dass es allgemein als verschnarcht bis reaktionär gilt, wenn man Musik aus den 60er-Jahren hört, während es gesellschaftlich völlig okay ist, Proust und Joyce zu lesen und die Gegenwartsliteratur zu ignorieren. Dauernd muss ich mir das anhören: „Du mit deinen alten Männern“ und so ein Zeug. Dabei waren die damals sehr jung.“

„Na ja, damals. Man kann ja ruhig die alten Sachen, als die noch jung waren, hören. Die jüngeren Sachen sind allerdings wirklich alt.“

„Aber auch wenn man irgendwelche Früh-70er-Jahre-Platten von Frauen und Männern hört, die damals jung waren, wird man von Leuten als Opa beschimpft. Wenn man aber nur Truffaut- und Godard-Filme schaut, doch alle modernen Filme kategorisch ablehnt, regt sich keiner auf.“

„Hm. Weil Pop so vermeintlich zukunftsorientiert zu sein hat? Noch ein Bier?“

„Ja. Ich glaube, es liegt daran, dass man Pop keine universelle Bedeutung zutraut, keine Zeitlosigkeit. Als würde Pop nur als Zeitgeist-Ausdruck funktionieren. Deswegen haben sich auch so viele Leute über den Dylan-Nobelpreis aufgeregt. Und dieser Opa-Vorwurf ist so öde.“

„Na ja, was aber wirklich schlimm ist, sind diese ganzen Nachsteller. Dieser Wunsch von 356.000 Americana-Bands, so zu klingen und auszusehen, als kämen sie aus einer anderen Zeit. Robyn Hitchcock hat letztens gesagt, in Nashville, wo er lebt, ist wieder 1972, und Punk hat noch nicht stattgefunden.“

„Ach, Punk … Punk war sowieso nur Quatsch.“

„Findste?“

„Punk war von meiner Warte aus bloß reine Gegenreaktion auf Progressive Rock und als solche total okay. Aber ich fand alle großen Punkbands immer uninteressant.“

„Ach. Auch die Ramones?“

„Ich fand die alle immer so schrecklich weiß. Punk ist ja noch weißer als Prog und Country zusammen.“

„Das ist aber auch schlimm: Weiße, denen irgendeine Musik zu weiß ist. Gibt es eigentlich schwarze Prog-Bands?“

„Keine Ahnung.“

„Gibt es Bands, die Prog und Country fusioniert haben?“

„Keine Ahnung. Aber noch mal zum Alter: Das Gute ist ja, dass man sich heute auch im fortgeschrittenen Alter noch für Pop interessieren kann, weil so viele Popmusiker selbst alt sind.“

„Ja, aber bestimmte Türen bleiben einem auch verschlossen.“

„Wieso? Welche?“

„Man kann zwar weiter die Musik hören, aber sich natürlich nicht mehr so anziehen wie die Bands. Wenn es jetzt zum Beispiel ein ganz großes Stone-Roses-Revival geben würde und alle wieder in labberigen Sweatshirts und Elefanten-Jeans rumlaufen würden, dann könnten wir das nicht mehr mitmachen.

„Hm.“

„Metal-Prog gibt es ja durchaus. Ist aber eigentlich nur normaler Prog, nur mit mehr Zerre.“

„Das ist eklig.“

„Metal-Prog?“

„Ja – äh, nein. Es ist eklig, wenn man anstatt ‚Verzerrer‘ ‚Zerre‘ sagt. Das ist Muckersprache!“

„Hm, weiß ich nicht. Ich glaub, das kommt auch eher vom Punk. Vom Deutsch-Punk vermutlich.“

„Ich sag ja: Punk ist schrecklich.“

„Opa.“

Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Text zum Ende des Jahres incl. einzigartigem Lederarmband

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