Neue Podcast-Folge: „Die Streifenpolizei“ über die Favoriten der Oscar-Verleihung

Eric Pfeils Pop-Tagebuch: The last Rückschau on Earth


Folge 31

Noch einmal Rückschau, dann ist’s gut. Ich habe soeben meinen Terminkalender des Jahres 2013 durchfleddert, weil ich nach dem Datum eines Konzerts suchte. Dabei ist mir aufgefallen, dass 2013 das erste Jahr war, in dem ich mehr Konzerte verpasst als besucht habe. Nein, das stimmt nicht ganz: Auch 1970, 1977 und 1982 werde ich definitiv mehr Konzerte verpasst als besucht haben, aber das lässt sich einigermaßen leicht erklären.

Dass ich 2013 auf nicht ganz so vielen Konzerten war wie sonst, erklärt sich wohl weniger durch zahlreiche andere im Kalender dokumentierte Termine wie „Physiotherapeut“, „Zahnarzt“ und „Mama“ (wobei der Anteil der „Physiotherapie“- und „Zahnarzt“-Termine mit Beginn des Jahres bedrohlich angestiegen ist), sondern vor allem dadurch, dass ich 2013 selbst viel Musik gemacht habe. Aber darum soll es hier jetzt nicht gehen.

Das erste Konzert, das ich im Jahr 2013 miterlebt habe, war ein Auftritt von Kraftwerk in der Kunstsammlung NRW. Kein schlechter Einstieg. Der Auftritt war auch sehr toll, die Sounds schmatzten herrlich durch den sterilen Raum und Ralf Hüttner sah aus wie eine Mischung aus einem Gentleman-Gangster im Taucheranzug und dem Kapitän einer exzentrischen Weltraumflotte. Außerdem, so entnehme ich dem Buch, habe ich im Januar Aimee Mann, Johnny Marr und Devendra Banhart interviewt. Die beiden Erstgenannten waren freundliche, charmante Gesprächspartner, mit denen man gerne mal Weihnachten feiern würde; Letzterer sagte im Interview den bemerkenswerten Satz: „Singing in German is like swimming in a sea of urine and not being able to piss“. Er empfahl mir später noch eine Platte von Matteo Salvatore. Die Platte ist super.

Kooperation

Im Februar führte mich mein Weg ins kalte Berlin, wo ich meinen größten musikalischen Helden, den Songwriter Robyn Hitchcock, traf. Es ist für mich einigermaßen schwer in Worte zu fassen, was mir dieser Hitchcock bedeutet. Ich pflege ihn immer als „meinen Leuchtturm“ zu bezeichnen. Der Mann wird ja gerne als „exzentrisch“, beschrieben, was ihm einigermaßen zum Hals raushängt. Ob Hitchcock gerne als „Leuchtturm“ bezeichnet wird, weiß ich nicht, aber den Nachmittag mit ihm werde ich wohl nie vergessen. Am Ende drücke ich ihm arg verlegen mein Album in die Hand. Die Deutschlandtour, die ich mit Freunden für ihn organisieren wollte, ist leider nicht zustande gekommen.

Auf der Rückfahrt im Zug schreibt mir ein Freund, dass Kevin Ayers, ein weiterer großer englischer Sondermusiker und persönlicher Held, gestorben ist. Freude und Leid haken sich mal wieder beieinander unter.

Im März scheint nicht sonderlich viel passiert zu sein, zumindest legt mein Kalender dies nahe. Eintrag am 29.: „Karfreitag“. Immerhin. Im April gab es etliche tolle Konzerte: Von den angeschlunzten Surf-Psychedelikern The Growlers etwa, einer angenehm unkarrieristischen Freak-Band aus Costa Mesa, Orange County. Die Beach Boys auf Narkotika, The Doors ohne Schamanen-Gehampel, dafür mit viel Humor; Dick Dale als Gitarrist von The Velvet Underground; Italo-Western unter Wasser: All das und mehr steckt in den Songs dieser Band. Sehe außerdem Simon Joyner und Paolo Conte. Verpasse dafür dreimal Chuck Prophet.

Im Mai war ich wohl bei der quirligen Ich-kann-alles-Sängerin ZAZ. Die kann wirklich viel, hat aber leider ein schlecht beratenes Berater-Team um sich, das die Verquickung von Salon-Jazz, Zirkus-Getue und Banal-Pop für eine gute Idee hält. Die Konzerte von Mac DeMarco und The Dream Syndicate waren dafür umso besser.

Im Sommer war wohl nicht soviel los. Ich saß wohl überwiegend J.J. Cale hörend auf der Dachterrasse. Immerhin sah ich mein erstes (ganz tolles!) Konzert von Neil Young & Crazy Horse, bei dem der Mann irritierenderweise eine sehr engagierte Lagerfeuer-Version von „Blowin‘ In The Wind“ darbot. Irgendwo in Italien habe ich dann im August tatsächlich ein Lied namens „Radio Gelato“ geschrieben.

Im Herbst wurden es wieder mehr Konzerte: Dylan und der New Yorker Gitarrist und Sänger Steve Gunn (der, anders als sein Name vermuten lässt, keine Fransenjeans und Schlangenlederstiefel trägt!), Lee Ranaldo und Primal Scream, Ed Askew und Lloyd Cole. Nach langem Hin und Her klappt endlich das Interview mit Marcos Valle: Sommer im November! Von Lou Reeds Tod erfahre ich durch die SMS von einem Freund. Spiele meiner elfjährigen Tochter meine Velvet-Undergorund-Platten vor.

Kann ein Musikjahr besser enden als mit einem exklusiven Robert Forster-Auftritt mit Streichquartett? Nun, mein Musikjahr endete mit einem exklusiven Robert Forster-Konzert mit Streichquartett, das dem Mann endlich mal wieder Gelegenheit gab, die Primadonna aus sich herauszuholen. Nächstes Jahr erscheint Neues von Damien Jurado, Robyn Hitchcock (mit Joe Boyd), Stephen Malkmus, Bohren & Der Club of Gore, The Notwist und Doug Paisley. Unter anderem kommen Nick Lowe, Dolly Parton und Ennio Morricone für Konzerte nach Deutschland. Was soll da noch groß schiefgehen? Ein frohes neues Jahr!


Welches Equipment verwenden eigentlich … Pink Floyd?

Die Frage nach dem Album für die einsame Insel begegnet Musik-Liebhabern hin und wieder. Ein Album, das bestimmt in manchen Koffer findet, ist „Ummagumma“. Dieses Jahr wird es bereits 50 Jahre alt. Risen wir in eine Stadt, die vor fast 2000 Jahren durch den Ausbruch des Vesuvs unter Vulkanasche begraben wurde: 1972 lieferten Pink Floyd mit ihrem Musikfilm „Pink Floyd: Live at Pompeii“ eine stille, nachdenkliche und irgendwie einsame Antwort auf bunte und laute Aufnahmen wie die des legendären Woodstock-Festivals. Wer „Ummagumma“ kennt oder schon einmal in den Händen gehalten hat, weiß vielleicht, dass die Rückseite der Platte mit einem…
Weiterlesen
Zur Startseite