Hotlist 2018



Exklusive Videopremiere: Sam Vance-Law – „Gayby“


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Die schönste und schlauste Musik 2018 kommt vom schönsten schwulen Dandy der Stunde. Sam Vance-Law singt in innerlich wie äußerlich tadellos geschniegelter Weise von den Wonnen und Widrigkeiten der gleichgeschlechtlichen Liebe, wobei er in Wahrheit am liebsten ja nur mit sich selbst kopulieren würde, doch dafür findet er sich inzwischen leider zu alt und nicht hot genug, wie er in seinem Song „Narcissus 2.0“ konstatiert.

Größenwahn und Kleinmut gehen bei Sam Vance-Law Hand in Hand mit Vorschlägen zur Verbesserung der Welt und der Menschheit, mithin schwulem Utopiedenken. „Homotopia“ heißt denn auch das Debütalbum des in Berlin lebenden kanadischen Knabenchorzöglings. Darauf singt er mit prächtig blasiertem Bariton von Selbstliebe und Selbsthass sowie von erfolglos verlaufenden Dreiersexanbahnungsversuchen („I Think We Should ­Take It Fast“) und beklagt die grassierende Verspießerung junger Schwuler, die sich nichts Schöneres vorstellen können als ausgerechnet Hochzeit und Ehe („Let’s Get Married“). Dabei ist Promiskuität doch viel unterhaltsamer!

Biss und Bliss

In dem fabelhaften Video zur ersten Single, „Prettyboy“, tanzt ein ganzes Seniorenheim aus Westberlin, während Vance-Law sich singend dar­über freut, dass er auf junge Knaben und Mädchen gleichermaßen sexuell anziehend wirkt. Konstantin Gropper alias Get Well Soon hat zu seinen Songs schöne ornamentale Orchester-Arrangements geschrieben, stets pastos ausgepinselt, aber niemals unnötig ölschinkenhaft. Auf dem Cover des Albums sieht man ein Gemälde von Norbert Bisky, auf dem ein schöner Jüngling mit verbundenen Augen dem Zerfall seiner Wirklichkeit beiwohnt. Rätselhaftes Charisma, große Kunst, tolle Songs: Dieser Narziss hat Biss und Bliss.

ROLLING STONE präsentiert exklusiv die Videopremiere zu dem neuen Song „Gayby“ von Sam Vance-Law


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Bernd Borchardt