Rock’n’Roll-Pionier: Fats Domino ist tot

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Rock’n’Roll-Pionier: Fats Domino ist tot

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Antoine „Fats“ Domino ist tot. Der Songwriter, Sänger und Pianist verstarb im Alter von 89 Jahren in New Orleans. Das vermeldete seine Tochter.

Er beeinflusste Elvis Presley ebenso wie die Beatles. Zu seinen größten Hits gehörten „Ain’t That A Shame“, „I’m Walkin’“ und „Blueberry Hill“. 1986 wurde Domino in die Rock and Roll Hall Of Fame aufgenommen. 1998 erhielt er die National Medal of Arts – es ist die bedeutendste Kultur-Auszeichnung, die die amerikanische Politik verleihen kann.

Für ROLLING STONE schrieb Musikerkollege Dr. John auf, warum Fats Domino zu den 100 wichtigsten Musikern gehörte.

Warum Fats Domino einer der größten Musiker aller Zeiten ist

Von Dr. John

Nach Lennon und McCartney waren Fats Domino und sein Partner Dave Bartholomew wohl das beste Songwriterteam der Rockgeschichte. Sie hatten immer eine einfache Melodie, ein paar gewitzte Changes und einen coolen Groove. Und immer ganz simple Lyrics, das ist am wichtigsten. Keine abgründigen Plots, nicht bei Fats Domino: „Yes, it’s me, and I’m in love again/ Had no lovin’ since you know when/ You know I love you, yes I do/ And I’m savin’ all my lovin’ just for you.“ Einfacher und direkter geht’s nicht.

Selbst wenn Fats Domino Songs von anderen sang, war das am Ende immer: Fats. Was vielen entgeht, und was er bei seinen bekanntesten Platten – etwa „Blueberry Hill“ – oft gemacht hat: Er konnte Rolls mit beiden Händen spielen. Es gab ein paar Leute, Allen Toussaint zum Beispiel, die konnten Fats aufs Haar kopieren – aber nicht diese Rolls. Wie auch bei Thelonious Monk: Da hört man auch immer, ob es Monk selbst ist oder jemand, der versucht, so zu spielen wie Monk. Ich bin sicher: Als sie 1956 „Blueberry Hill“ aufnahmen, kannte keiner der Musiker die Harmonien zur Bridge des Songs. „The wind in the willow played love’s sweet melody/ But all of the vows you made were never to be.“ Auch Fats wusste die Akkorde nicht, und die Jungs in der Band dachten sich ein wunderbares Riff aus. Er spielte die falschen Akkorde, aber sie passten perfekt, und sie groovten. Das tat er ohnehin immer, mit noch so großen Songs anderer Leute: Er änderte einfach die Akkorde, wie’s ihm gefiel. Manchmal waren es nicht mal dieselben, die die Band spielte.

Auf manchen seiner frühen Aufnahmen ist der Bass kaum zu hören. Später doppelten sie die Basslinie mit der Gitarre, das ergab einen sehr typischen Sound. Und wurde später für Phil Spector zum Standard.

Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich für eine Session engagiert war und gebeten wurde, „wie Fats“ zu spielen. Unzählige Bands quer durch die Südstaaten mussten Songs von Fats Domino bringen. Jede. Überall. Dadurch verbreitete sich sein Einfluss natürlich auch. Fats ist old school to the max – er liebte es, vor Publikum zu spielen, die Leute zu gewinnen, er spielte lange Konzerte und schob das Klavier mit dem Bauch über die Bühne. Er wohnt immer noch im selben Haus, in dem er aufwuchs, natürlich inzwischen seinem Geschmack nach eingerichtet und umgebaut. Seiner Familie hat er nebenan ein wunderschönes Haus hingestellt. Diese Unschuld ist auch in seiner Musik.

Als die ganzen Payola-Skandale passierten und es für den Rock’n’Roll gar nicht gut aussah, gab Fats ein Interview. Er sagte: „Ich weiß gar nicht, woher plötzlich das Gerede kommt, wir hätten einen schlechten Einfluss auf die Teenager. Ich spiele doch nur die gleiche Musik, die ich immer schon gespielt habe.“ So war Fats. Er betrachtete das, was er tat, nicht als was Besonderes. He just did what Fats did.

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