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Feindbild Reloaded: Die schlimmste Musik der Welt


von

Eric Pfeils Pop-Tagebuch, neue Folge 10

Tage des Müßiggangs. Tage der Ödnis. Da kommt man als mit Musikangelegenheiten befasster Mensch schon mal auf Gedanken, die vielleicht lieber ungedacht geblieben wären. Warum etwa sollte man nicht endlich die Funpunk-Band „Ungeduscht zum Arzt“ gründen? Warum bietet man sich nicht einem Verlag als Ghostwriter der Philipp-Poisel-Autobiografie „Der Scheich vom Seerosenteich“ an? Doch wie beruhigend: Immer, wenn die Gedanken sich ins allzu Blöde verflüchtigen, kommt man völlig unerwartet zu einer Erkenntnis, die alles bislang Erlebte fahl erscheinen lässt.

Seit gestern weiß ich, wer die schlimms­te Musik der Welt macht. Es ist mitnichten James Blunt! Auch Meat Loaf, Joe Cocker, Coldplay, Psy und Bands mit Namen wie Großstadtgeflüster seien hiermit rehabilitiert. Die definitiv schlimmste Musik der Welt macht der ehemalige Genesis-Gitarrist Steve Hackett. Diese unumstößliche Wahrheit wurde mir beim Betrachten einer seltsamen Musiksendung auf einem Lokal-Fernsehsender unmissverständlich klargestanzt. Gezeigt wurde ein Konzertmitschnitt Hacketts aus Hamburg. Ich dachte, so etwas gäbe es gar nicht mehr: Auf der Bühne standen vier Menschen mit ausnehmend teurem musikalischen Gerät und spielten unglaublich aufgedunsenes Zeug, das nur aus Teilen, Betonungen, Effekten, Ohrenwischerei und Virtuositätsvorführungen bestand. Natürlich hatte der Bassist einen Fünf-Saiter, natürlich hingen um den Schlagzeuger mehr Toms herum als Dave Grohl Zähne im Mund hat und natürlich spielte der Keyboarder zu Konzertbeginn minutenlang im monochromen Bühnenlicht pseudo-klassischen Synthieflächen-Käse. Kurzum: Was hier geboten wurde, klang wie jene Sorte Musik, die gerüchteweise von bis unter die Haarmatten frustrierten Gitarrenladen-Mitarbeitern in ihrer Freizeit vollstreckt wird. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass Steve Hackett eigentlich gar keine Musik macht. Ich könnte das sogar beweisen, mir fehlt aber gerade die Zeit.

Hackett ist übrigens ein sehr sympathischer Zeitgenosse, mit dem man unbesorgt in einem Aufzug steckenbleiben könnte. Das zumindest ließen die eingestreuten Interview-Passagen vermuten. Einmal trat er dem Interviewer mitten im Gespräch auf den Fuß. Doch während ein, sagen wir, Liam Gallagher dies wohl kaum entschuldigungsbedürftig gefunden hätte, wusste Hackett rasch ein „Sorry“ in seinen Redefluss einzuweben. Überhaupt bemerkenswert: Wann sieht man schon mal Interviews im Fernsehen, bei denen der Interviewte dem Fragensteller auf den Fuß tritt: Sammler von obskuren Raritäten dürften hier mit der Zunge schnalzen. Auch sonst habe ich dem Mann persönlich nichts vorzuwerfen. Hinzu kommt: Es ist ja auch schön, festzustellen, dass es Dinge gibt, die sich allem modischen Tand zum Trotz scheinbar niemals verändern. Selbst dann, wenn es sich um Dinge eher unerfreulicher Natur handelt. Dinge wie Musiker-Musik. So lassen sich jahrelang mit Liebe und Widmung gepflegte Feindbilder aufrechterhalten. Und Feindbilder braucht der Mensch, sonst gebricht es ihm bald an Orientierung und er fährt geistig-moralisch Rolltreppe abwärts.

Muss ich jetzt mit einem Shitstorm rechnen? Gibt es noch Shitstorms oder sind digitale Müllausschüttungen inzwischen wieder aus der Mode gekommen? „Du sollst schon merken, was ein zünftiger Shitstorm noch auszulösen in der Lage ist!“, höre ich den Vorsitzenden des Steve-Hackett-Fanclubs raunen. Darum rasch ein Themenwechsel: Bands, die in ihre Songs immer wieder das in Hunnenchor-Manier gebrüllte Wort „Hey!“ einbauen, finde ich, glaube ich, doof. Vermutlich haben Arcade Fire damit angefangen. Inzwischen ist das „Hey!“-Rufen aber fast so verbreitet wie der Autotune-Effekt. Also, Of Monsters & Men, Lumineers und wie ihr alle heißt: Nehmt euch ein Beispiel an Steve Hackett! Der brüllt nicht dauernd „Hey!“. Der hat nicht mal ein Mikrofon.

Nachts dann ein Albtraum: Ich bleibe tatsächlich mit Steve Hackett im Aufzug stecken. Blöderweise hat der freundliche Musiker seine Gitarre und ein überdimensioniertes Effektboard dabei. Noch bevor irgendeine Band „Hey!“ rufen kann, beginnt er zu dudeln…


68er-Ikone Uschi Obermaier erinnert sich an Jimi Hendrix

Von Uschi Obermaier Mit der Zeit vergisst man ja viel von dem, was passiert ist. Aber die Begegnung mit Jimi Hendrix ist immer noch sehr präsent und lebendig. Er ist geblieben, weil er so ein außergewöhnlicher und sanfter Mensch war. Ich habe ihn im Januar 1969 kennengelernt. Bei uns in der Kommune 1 war ja alles sehr freizügig und die Eifersucht war offiziell abgeschafft worden. Aber ich bin eifersüchtig wie die Hölle, wenn ich jemanden liebe. Und als der Rainer (Langhans) wieder mit einem Mädel rumgemacht hat, habe ich gedacht, na, das kann ich auch.Als ich dann erfahren habe, dass…
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