Finsternis mit ein paar Spritzern Hoffnung: „One More Time With Feeling“ von Nick Cave


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Selbst im notorisch dunklen Werk von Nick Cave nimmt „Skeleton Tree“ einen Sonderplatz ein: Das Album ist überschattet vom Tod Arthur Caves. Der 15-jährige Sohn des Sängers war im LSD-Rausch in Brighton von einer Klippe gestürzt. In erlesenen, aber manchmal auch fast komplett schwarzen Bildern dokumentiert Andrew Dominik die Endphase der Studioarbeiten im Februar 2016.

Der tödliche Unfall liegt da ein halbes Jahr zurück, aber Cave wirkt noch immer verloren: „Jeder wünscht sich, dass in seinem Leben etwas Interessantes geschieht, etwas, worüber man schreiben kann“, sagt er. „Aber das, was geschehen ist, war für den kreativen Prozess extrem zerstörerisch.“

Die mit großem Aufwand gefilmten Auftritte der Bad Seeds in den Londoner Air Studios beweisen, dass in der Trauer auch Kraft liegen kann: Dramatisch gestikuliert der Sänger am Piano, sein Blick wandert zum Himmel, Lichter flackern und blitzen. In den Ecken stehen die anderen Musiker, meditativ in ihr Spiel versunken. Totale Finsternis mit ein paar Spritzern Hoffnung, aber überwältigend intensiv.

Kontrastiert werden diese Bilder von der fast schneeweißen Wohnung, in der Cave und seine Frau, Susie Bick, im idyllischen Brighton leben, oder den charmanten Eitelkeiten des Sängers vorm Spiegel. Ergreifend wird es im Abspann, wenn die Zwillingsbrüder Arthur und Earl Cave gemeinsam singen, von ihrem Vater am Piano begleitet. „Everything is not okay“, hat Cave kurz vorher gesagt. „But it’s okay. We continue.“ Eine traurige, aber ungeheuer bewegende Dokumentation.

Rough Trade