FKA Twigs geht immer weiter an ihre Grenzen

Mit „EUSEXUA Afterglow“ schlägt die Sängerin ein neues Kapitel auf.

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Ursprünglich als erweiterte Ausgabe ihres hervorragenden Albums „EUSEXUA“ konzipiert, ist das neue Album „EUSEXUA Afterglow“ der britischen Pop-Innovatorin ein eigenständiges Werk.

Ähnlich wie die demokratischen Ideale der USA hat sich auch die kreative Avantgarde der Popmusik in letzter Zeit vor allem außerhalb der USA entwickelt. Rosalias „Lux“, um das anschaulichste Beispiel aus dem Jahr 2025 zu nennen, bringt die Musiksprache voran, indem es auf die Virtuosität und Spiritualität der alten Welt zurückblickt.

FKA Twigs‘ „EUSEXUA“ hingegen zeigt, wie sie sich in mutige neue Welten vorwagt: KI, virtuelle Räume, digitalisierte Ekstase und Körpermodifikationen – alles Dinge, die den Menschen zum Meta-Menschen machen, im Guten wie im Schlechten.

Weiterführung eines kybernetischen Projekts

„EUSEXUA Afterglow“ ist eine Fortsetzung des persönlichen kybernetischen Projekts, das Twigs seit ihrem großartigen Song „Two Weeks” aus dem Jahr 2014 verfolgt. Ursprünglich als Bonusmaterial für die Deluxe-Edition von „EUSEXUA“ konzipiert, wird „Afterglow“ nun als eigenständige LP veröffentlicht, was durchaus gerechtfertigt ist, denn die 11 Tracks sind allesamt neue Aufnahmen und keine Remix-Pakete wie Charli XCXs „Brat and It’s Completely Different but Also Still Brat und Pink Pantheress’ Fancy Some More?“

Wenn man in Twigs neuestem Werk Anklänge an diese Musikeriinnen hört, kann man auch in deren Werken Anklänge an sie hören – im Kontext einer schillernden britischen Pop-Generation, die in der Blütezeit der Rave-Kultur und, nun ja, im Nachglühen geboren wurde.

25 Jahre Telekom Electronic Beats: Eine Nacht im ehemaligen Kaufhaus CANK in Berlin-Neukölln.
FKA twigs beim TEB-Jubiläum im Berliner CANK

Gäste, Ekstase und entrückte Pop-Momente

Pink Pantheress taucht auf „EUSEXUA Afterglow “auf, genauer gesagt in „Wild and Alone“, einem sanft vor sich hin plätschernden Knaller, der Ruhm als ewiges Hindernis für Beziehungen darstellt, ohne sich darüber allzu sehr aufzuregen.

An anderer Stelle dieses notgeilen, partytauglichen Sets scheinen Beziehungen nebensächlich zu sein. „Lost all my friends in the club/ then i lost my mind in the car/ i don’t even remember who you are”, schnurrt Twigs benommen in „Lost All My Friends”, einer Art Fortsetzung von Pink Pantheress’ „Illegal“, unterlegt mit verschmierten Downtempo-Beats, die mal scharf, mal unscharf sind.

„Slushy“ fühlt sich an wie der Nachkomme von Kate Bushs „Deeper Understanding“ nach über 30 Jahren Computerliebe, ein Wirbel aus Harfen- und Hi-Hat-Spektren unter ASMR-Positivitätsmantras.

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Wo FKA Twigs am weitesten geht

Zugegeben, hier gibt es nichts, was so klebrig ist wie „Sticky“ auf „EUSEXUA“, geschweige denn „Childlike Things“, „Room of Fools“ oder „Drums of Death“.

„Afterglow“ ist am stärksten, wenn die Beats am krassesten sind, also etwa in der Mitte, wenn es mit dem Tag-Team aus „Predictable Girl“ und „Sushi“ seinen Höhepunkt erreicht, einem Rausch aus Junglist-Bass-Growls und Breakbeat-Abstraktionen.

Es ist berauschendes After-Afterparty-Material – Tanzmusik für Leute, die vielleicht zu weit weg sind, um aufrecht zu bleiben, geschweige denn zu tanzen. Aber Twigs geht es zuverlässig darum, die eigenen Grenzen zu überschreiten, sodass man sich vielleicht doch der Situation gewachsen fühlt.

Mark the Cobrasnake