Friendly Fires: Der Glam aus der Garage


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Ed Macfarlane ist noch ein wenig mulmig: Gerade hat er sein erstes Erdbeben erlebt. In Los Angeles passiert das schon mal. Doch das Beben, das der Sänger auf dem Flughafen erlebt, misst 5.4 auf der Richterskala, es ist das stärkste seit fast einer Dekade. Häuser wackeln, Supermarktregale stürzen um, Leute gehen eher nach Hause, in einem Moment der Besinnung auf das Wesentliche. Das einzige, was zusammenbricht, ist allerdings das Internet, kurz nach dem Beben, weil alle online gehen.

Macfarlane ist nicht unbedingt ein Freund von unerwarteten Dingen. Der Sänger der englischen Band Friendly Fires mag es aufgeräumt, kontrolliert. Er und seine Band arbeiten schon seit gut zehn Jahren am Ruhm, von Hype und vorschnellen Erfolgen keine Spur. Das Schreiben von klaren, kurzen Popsongs sei eine lohnende Herausforderung, sagt Macfarlane, der früher Hardcore und Grunge gespielt hat. Auf dem nun erscheinenden Debütalbum vermischen Friendly Fires Elemente aus Deep House mit 80s-Disco und Shoegaze-Gitarren. Der Glamour kommt in England gut an, weil er die neueste Gegenbewegung zu hemdsärmeligen Gitarren und Rockschnauze ist. „Am Anfang haben wir oft in Clubs gespielt, wo hinterher ein DJ aufgelegt hat und wir die ganze Nacht tanzen konnten. Das hat abgefärbt; wir haben immer mehr Beats in unsere Songs integriert und Synthies dazu genommen. Es hat einfach mehr Spaß gemacht.“

Binnen drei Jahren entstand so das nun fertige Album, in der Garage von Macfarlanes Haus in St. Alban im Norden Londons. Eine Kleinstadt. „Wenn wir am Anfang live gespielt haben, dann in dem Pub um die Ecke, vor zehn Leuten, die sowieso alle unsere Freunde waren“, sagt Macfarlane, „in London reden die Leute schon über dich, bevor dein erstes Lied fertig ist. Der Druck ist enorm, du bist ständig in der Diskussion. Für uns war es gut, in Ruhe unser Repertoire entwickeln zu können.“ Nach dem ersten Scheitern, wohlgemerkt – als Friendly Fires ihren aktuellen Stil entworfen und auf myspace ausgestellt hatten, meldeten gleich jede Menge Labels Interesse an. Ein eilig anberaumtes Showcase scheiterte jedoch, und dann hatte das (live um einen Bassisten erweiterte) Trio die Zeit, die es brauchte.
„Es ist gut und gesund, dass die britische Presse sich mit Bands wie uns, den Foals oder Metronomy beschäftigt, aber eine neue Bewegung kann ich nicht sehen“, meint Macfarlane, „vielleicht liegt das an meiner Wahrnehmung – wir kennen all diese Leute nicht und fühlen uns immer eine bisschen außen vor.“ Immerhin kennt Macfarlane die Männer von Bloc Party, in deren Vorprogramm seine Band am Abend auftreten wird. „Ich finde es großartig, vor Leuten zu spielen, die dich nicht kennen, das gibt mir einen Kick. Sie beurteilen dich, du musst sie überzeugen.“ Die gleiche Lust an der Herausforderung war es, die Friendly Fires für ihr Album fast vollständig auf Hilfe von außen hat verzichteten lassen. „Wir wussten sehr genau, was wir wollten“, sagt Macfarlane, kommt angesichts der gut laufenden Karriere aber ins Grübeln „mag sein, dass wir in Zukunft jemanden brauchen, der uns in eine neue Richtung führt. In die Garage können wir jedenfalls nicht zurück.“