Fritz Kalkbrenner: Die Seele des Techno. Der neue Clip zu „Facing The Sun“.


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Berlin, Watergate, ein Mittwoch. Nachts um halb eins strömen die ersten Gäste in den Club, während Fritz Kalkbrenner in einer Ecke gelassen über „Here Today Gone Tomorrow“ spricht. Moment mal, Kalkbrenner, da war doch was … Genau: Fritz ist der jüngere Bruder des DJs Paul Kalkbrenner, der vor zwei Jahren die Hauptrolle in „Berlin Calling“ spielte, die Musik zum Film produzierte, so über die Elektro-Szene hinaus bekannt wurde und inzwischen große Hallen füllt. Fritz nahm man damals vielleicht als Soul-Stimme vom Soundtrack-Hit „Sky And Sand“ wahr.

Zum ersten Mal hatte Kalkbrenner jr. bereits 2004 vorm Mikrofon gestanden − während einer Zusammenarbeit mit DJ Zky („What I Can Say“). Sein erstes eigenes Album erscheint erst jetzt. Nächstes Jahr wird er 30, also eher ein Spätzünder. Was durchaus von Vorteil sein kann, wie er sagt: „Mit 20 hätte ich wahrscheinlich noch die Bodenhaftung verloren und wäre total durchgedreht.“ Heute geht er es relaxt an: Album, Tour, dann mal weitersehen. Er nimmt, was er bekommt.

Aufgewachsen ist Kalkbrenner in Lichtenberg. Ostberlin, Plattenbau, Techno als Lebensgefühl. Wie sein Bruder flog er von der Schule, folgte ihm aber nicht sofort als Produzent und DJ nach, sondern arbeitete zunächst als Kultur-Journalist – „MTV“, „RBB“, „MDR“. Beats bastelte er nebenbei.

Inzwischen lebt er ausschließlich von seiner Musik. Gesang spielt dabei nur eine Nebenrolle: „Das könnte man sonst nicht im Club spielen. Ein paar instrumentale Sachen auf dem Album sind auch ein klares Bekenntnis zur Szene.“ Ein Produzent, der singt – nicht umgekehrt. Wie vor ihm Moodyman und Thomas Brinkmann pflegt auch Fritz Kalkbrenner eine Vorliebe für warme, weiche Klänge. Techno als Ausdruck der Gegenwart, Soul als Unterbau – für Fritz keine Gegensätze: „Marvin Gaye, Wu-Tang, Techno – da gibt es für mich keinen Bruch. Das sind alles urbane Ausdrücke.“ Zudem hört Kalkbrenner Neo-Folk von Joanna Newsom bis Fleet Foxes.

Um vier Uhr tritt Kalkbrenner auf. Anderthalb Stunden hält er die Tanzwütigen mit seinen Stücken auf Trab. Zwischen House und Techno mogelt er wie selbstverständlich Gesang und Gitarren – nicht selten durchaus hitverdächtig.

Lars Friedrich

Berlin ruft natürlich auch aus dem Videolip von Casey Bertie – auf dem Foto oben sieht man Fritz Kalkbrenner auf der Brücke am S-Bahnhof an der Warschauer Straße. Ein Ort, den wohl jeder Berlin-Besucher schon einmal passiert hat.