Guns N‘ Roses: Flaschenhagel in Dublin


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Er hätte es gar nicht mal schwer gehabt: Als Axl Rose und die Musiker, die er unter dem Firmennamen Guns N‘ Roses angestellt hat, mit seinem Tourtross am vergangenen Wochenende zuerst auf dem Reading Festival England erreichte, schlug ihm nämlich weder Hass noch Skepsis entgegen: Im Gegenteil – die Fans, alte wie junge, freuten sich, selbst wenn die die ursprüngliche Besetzung dieser Band wohl niemals wieder gemeinsam auf einer Bühne stehen wird. Wanderte man kurz vor dem Headliner-Gig am Freitag durch die Mengen in Reading konnte man die Begeisterung geradezu spüren. Man wollte ihm noch eine Chance geben.

Und dann das: Ohne Angabe von Gründen passierte eine volle Stunde lang gar nichts auf der Bühne. Gerüchten zufolgen soll Rose schlichtweg backstage verpennt haben und sein Tourcrew hatte sich nicht getraut, ihn zu wecken, weil es dort eine klare Order gäbe, dies nicht zu tun. Als er dann endlich mit Feuerwerk und reichlich Scheinwerfergeflacker auf die Bühne kam, spielte er zunächst überwiegend die neueren Songs, bevor er sich mal zu einem Klassiker bequemte.

Wie es ein Fan bei einer Videoumfrage des NME nach dem Gig (hier anschauen) so treffend formulierte: „If you’re late, play the good stuff!“. Als ihm die Veranstalter aufgrund drohender Strafen den Saft abdrehten, bockte Axl Rose wie ein verzogenes Kind, versuchte „Paradise City“ akustisch anzuspielen und verfiel schließlich in einen Sitzstreik. Auf dem Leeds einen Tag später wiederholte sich das Spektakel beinahe: Hier war er „nur“ eine halbe Stunde zu spät und wetterte laut gegen die Reading / Leeds-Veranstalter, ohne einzusehen, dass man eben nicht völlig selbstverständlich fünfstellige Strafen drauflegt, nur weil der Headliner sich nicht um Zeitpläne und Sperrstunden schert.

Diese aufgeladene und von den Medien genüsslich weiter aufgekochte Stimmung führte dann wohl auch zu den Geschehnissen in Dublin am gestrigen Abend. Schon nach 20 Minuten Show flogen „Buh“-, „Fuck you!“- und „Prick!“-Rufe ebenso durch den Raum wie einzelne Flaschen. Der Grund für die Verärgerung der Fans: Mr. Rose war schon wieder eine geschlagene Stunde zu spät.

Mitten in „Welcome To The Jungle“ brach Rose das Set ab und sagte: „Wenn noch eine Flasche fliegt, sind wir weg. Wir sind hier, weil wir Spaß haben wollten. Wollt ihr das nicht, lasst es uns wissen und wir gehen unserer Wege.“ Nach einer weiteren Flasche verließ Axl Rose schließlich die Bühne bzw. überließ selbige den verzweifelten Veranstaltern, die erst von „technischen Problemen“ sprachen und dann zugaben, sie seien dabei, „Mr. Rose“ zu überzeugen, doch bitte wieder auf die Bühne zu kommen. Was dieser nach 35 Minuten tatsächlich tat – um die Show vor einer halbleeren Halle zu Ende zu spielen, da die meisten die O2-Arena schon wütend verlassen hatten.

Hier die Aufnahmen des Vorfalls in der O2-Arena in Dublin: