Guns N’ Roses: Telefonrandale mit Tom Cruise um Songrechte für „Tage des Donners“


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Das Verhandeln und Klären von Songrechten für den Gebrauch in kleinen und großen Filmen, auch „Sync Rights“ genannt, ist zum großen Geschäft geworden. Oftmals gelingt es sogar den Backkatalog einer Band oder einer Künstlerin (siehe auch Kate Bush) fulminant wieder zu beleben.

Vor diesem merkantilen Hintergrund wirkt die Anekdote Anfang der 1990er, die der ehemalige Manager von Guns N‘ Roses, Alan Niven, in einem Interview zum Besten gab, wie ein klassischer Rock’n’Roll-Stand. Um nicht zu sagen: „Fuck you!“. Um dann eine Rolle rückwärts hinzulegen.

Jedenfalls berichtet Niven auf dem Rock-Portal „Louder Sound“, dass es Guns N‘ Roses zunächst kategorisch ablehnten, einen Song für Tom Cruise und seinen Blockbuster „Days of Thunder“ zu schreiben, deutsch „Tage des Donners“. Schroffe Begründung: Der Film von Cruise wäre grottig – und mit seinen Scientology-Anwandlungen wäre dieser Typ „eh verrückt“.

Tom Cruise im Mai

Niven Im Wortlaut: „Unser Hauslabel Geffen wollte einen Track von „Appetite“ (for Destruction) für den Soundtrack von ‚Days Of Thunder‘ freigeben haben. Ich telefonierte also im Vorfeld herum und fand heraus, dass dieser Film eher nicht soo toll war. Zudem bin ich kein Fan von Scientology. Wir brauchten zu diesem Zeitpunkt auch keinen Medienalarm. Also sagte ich ‚NEIN’“.

Tom Cruise war sofort auf der Zinne: „Wie erwartet, ist er komplett ausgerastet. Wir schrien uns gegenseitig am Telefon an. Als sich die Wogen etwas geglättet hatten, dachte ich nur: ‚Er hat die Verhältnisse zum Tanzen gebracht, also hat er zumindest ein Nachhaken verdient.’“

Der Manager meldet sich bei Axl Rose und berichtete von dem Beef mit dem Weltstar: „Ich schlug im Verlauf unseres Gesprächs vor, dass wir etwas anderes für ihn aufnehmen sollten. Axl schlug ‚Door‘ vor („Knockin on Heaven’s Door“). Sie hatten es einst live gespielt zum Gedenken an Todd Crew, der als Bassist für Duff eingesprungen und an einer Überdosis Heroin gestorben war. Ich hielt das für eine ausgezeichnete Idee: Jeder singt Dylan besser als Dylan – vor allem Axl.“

Guns N‘ Roses haben im Laufe der späteren Neunziger- und Nullerjahre Tracks für mehrere Kinohits aufgenommen oder weiter lizensiert, darunter für „Terminator 2“, „Interview With A Vampire“ oder auch für „End of Days“.

Die „Vampir“-Sessions markierten die letzte GN’R-Aufnahme von dem Ausstieg von Gitarrist Slash. „End of Days“ bedeutete wiederum die Veröffentlichung von „Oh My God“, der ersten GN’R-Einspielung nach der „Ära Slash“.

Das Ende vom Lied ist längst Geschichte: Trotz der Scientology-Vorbehalte war die Freigabe von „Knockin‘ on Heaven’s Door“ in der GN’R-Version der Beginn einer Reihe von lockeren Koops mit dem Cruise-Team.

Michael Kovac Getty Images for Advanced Imagin