Happy Birthday, Courtney Love!

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Happy Birthday, Courtney Love!

Die Hole-Sängerin und Cobain-Witwe wird 51.

Im Rolling-Stone-Interview sprach Cobains Witwe Courtney Love erstmals über den Tod ihres Ehemanns (Ausgabe 1/1995):

Es gab eine grundsätzliche Regel für dieses Interview. „Wenn ich anfange zu weinen“, sagte Courtney einige Wochen vorher am Telefon, „dann stehe ich auf und geh aus dem Zimmer. Du darfst mir das dann nicht übelnehmen.“

Sie weint tatsächlich – irgendwann während der dritten Stunde unserer ersten Interview-Session in einer Hotelsuite in Buffalo. Schockierender wäre vielleicht gewesen, wenn sie nicht geweint hätte. Immerhin spricht sie zum ersten Mal – und bis ins letzte finstere Detail über den Tod von Kurt Cobain, über das wuchernde Seelen-Chaos, das in seinem Selbstmord gipfelte, über ihren eigenen, quälenden Kampf gegen Verzweiflung und Hysterie, über den langen Schatten, den Cobain noch immer auf ihr Leben und ihre Musik wirft.

Aber aus dem Zimmer geht Courtney Love nicht. Sie redet einfach weiter, durch die Tränen hindurch. „In diesem Mantel hier hat er sich umgebracht“, sagt sie, würgt an ihrem Schluchzen und deutet auf eine schwere, braune Jacke neben ihr auf dem Sofa, die sie seit einigen Tagen gegen die Herbstkälte trägt.

Ich hab das Blut abgewaschen. Es ist nicht mal eine sentimentale Angelegenheit. Ich hab einfach einen meiner eigenen Mäntel mitgewaschen.

Als ich vorschlage, daß wir vielleicht besser eine Pause machen sollten, setzt sie sich abrupt wieder auf und wischt mit einem Kleenex wütend die Tränen weg. „Ich will keine Pause. Es war klar, daß das passieren würde. Lieber so als gar nicht Ich will mich nicht davor drücken. Ich muß da durch.“

Geplant war, daß Courtney Love – derzeit zum ersten Mal seit zwei Jahren auf Tour mit ihrer Band Hole – über Cobains Tod sprechen sollte, und zwar eben dieses eine Mal und dann nie wieder. Aber ganz so isoliert und einmalig kann das Interview (drei lange Sessions in Buffalo und Montreal) gar nicht sein; letztlich ist es nur Teil eines langen, reinigenden Gangs durchs Feuer. Trauerarbeit.

Courtney Love polarisiert

Bei jeder Note, jeder Silbe, die Love in diesen Tagen auf der Bühne singt, klingen in ihrem messerscharfen Gesang die Ereignisse der letzten Monate schrill mit – die tödliche Überdosis ihrer Band-Bassistin Kristen Pfaff, zwei Monate nach Cobains Selbstmord, eingeschlossen.

Nach wie vor – auch jetzt, wo sie Witwe ist – scheiden sich die Geister an Courtney Love wie an kaum einer anderen Gestalt des Rock&Roll. Seit sie Cobain 1990 begegnete (die Hochzeit war dann 1992), hat man sie als eine drogengetriebene Opportunistin an den Pranger gestellt, die sich ihren Ruhm erheiratet hat – und die es, wenn sie über ihr Leben und ihre Musik redet, mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. In Wirklichkeit ist sie um einiges komplexer: ein Punk-Fan mit erstaunlichem Pop-Schliff; ein Medien-Schlitzohr, das auf Opfer macht, um sich Tage darauf die Artikel bringen zu lassen; eine äußerst informierte und meinungsfreudige Frau; eine überzeugte Feministin, die im Konzert aber schon mal bissig „He Hit Me (And It Felt Like a Kiss)“ von den Crystals covert; eine Mutter, die sich ehrlich um die Zukunft ihrer zweijährigen Tochter Frances Bean Cobain sorgt.

„Ich habe ein Ziel, das mich am Leben hält“, sagt Love entschieden. „Und da kommen mir keine privaten Angelegenheiten dazwischen.Wenn mich wer als verrückt hinstellen will – nur zu. Aber wer mich aufhalten will, wird sich die Zähne ausbeißen. Ich arbeite mir den Arsch ab. Ich gebe mein Bestes. Und ich werde weiterhin mein Bestes geben.“

Schwierige Kindheit

Courtney Love ist Jahrgang 1965, Tochter von Hank Harrison (der zum Team der frühen Grateful Dead gehörte) und Linda Carroll, einer Psychotherapeutin, die letztes Jahr selbst Schlagzeilen machte, als sich eine polizeilich gesuchte Klientin von ihr (Katherine Anne Power, eine Radikale aus den Sechzigern) den Behörden stellte. Courtney war fünf, als ihre Eltern sich scheiden ließen. Sie erlebte eine Zeit mit verschiedenen Stiefvätern (und vier Geburtsurkunden, wie sie sagt), verbrachte als junges Mädchen einige Zeit in Neuseeland, auf einer Farm ihrer Mutter, wurde wegen Ladendiebstahls vorübergehend in ein Erziehungsheim gesteckt, verdiente sich ihre Miete als Striptease-Tänzerin und trieb sich in der Punk-Szene von Liverpool rum.

Sie ist beileibe keine Möchtegern-Musikerin. Als sie 1990 mit Gitarrist Eric Erlandson Hole gründete, hatte sie schon diverse Erfahrungen gesammelt, u.a. bei der Frauentruppe Sugar Baby Doll (mit Kat Bjelland von Babes In Toyland und Jennifer Finch von L7) und auch kurz bei Faith No More. Hole wurden schnell zu einer festen Größe im amerikanischen Underground, vor allem durch zwei Independent-Singles („Dicknail“ und „Retard Girl“) und das 91er Debüt-Album „Pretty On The Inside“.

Turbulente Jahre mit Ehemann Kurt Cobain

Nach der Hochzeit mit Cobain allerdings legte Love ihre Band vorübergehend auf Eis. Es folgten zwei turbulente Ehejahre, die mit seinem Tod endeten.

Selbst wenn nun fast neun Monate vergangen sind, die Freundschaft zu Michael Stipe Wunden heilen half, die Konzerte wieder laufen und Frances Bean etwas Sonne in den Tour-Bus bringt – Loves Leben bleibt düster. Ihr Verhältnis zu den beiden verbliebenen Nirvana-Mitgliedern Krist Novoselic und Dave Grohl ist schwierig, wie sie selbst zugibt. „Da gibt es einige Dinge, die man klären müßte“, sagt sie. „Der Draht darf nicht abreißen. Das ist für Frances wichtig, und für mich auch.“ Und das Gefühl der Einsamkeit wächst eher, als daß es nachlassen würde.

Es gab Zeiten, da redete ich viel mit Kurt – wo immer er auch war.

„Aber inzwischen ist er wirklich weg. Ich dachte immer, um ihn zu trauern wäre egoistisch, weil er sich dann schuldig fühlen würde. Daß es das beste wäre, für ihn zu beten und ihm Freude zu zeigen, damit er sie spürt. Aber inzwischen hab ich das Gefühl, er hat sich aufgelöst, er ist weg. Nichts mehr ist übrig, rein gar nichts. Nicht mal was, worüber man reden könnte.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite das vollständige Interview mit Courtney Love.

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