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Happy Birthday, Johnny Marr!

aus ROLLING STONE 2/2013, Text von Eric Pfeil:

Johnny Marr – Ein Held der Gitarre

Wie lang ist der Schatten der Smiths? Johnny Marr riskiert einen Neuanfang, erklärt New Wave und erwähnt Morrissey kein einziges Mal.

Wenn er nie die amerikanische HipHop-Band Naughty by Nature getroffen hätte, gäbe es heute womöglich keine Solo-Songs von Johnny Marr. Zumindest keine so guten. Dabei ist der ehemalige Smiths-Gitarrist in den letzten zehn Jahren weiß Gott auf genug andere inspirierende Zeitgenossen gestoßen und hat manch wundersamen Pfad beschritten: Im Jahr 2006 stieg er überraschend als festes Mitglied bei der amerikanischen Indie-Wunderband Modest Mouse ein, später dann bei den eher bodenständigen Brit-Buben The Cribs. Nebenbei arbeitete der einzige echte Guitar Hero des Achtziger-Indie-Pop mit so unterschiedlichen Künstlern wie den Casting-Nervensägen Girls Aloud und dem genialischen Songwriter Robyn Hitchcock zusammen. Doch auch darüber hinaus gab es genug zu tun: Marr komponierte einen Teil der Filmmusik für „Inception“ und warf mit der Firma Ray-Ban eine limitierte Marr-Sonnenbrille auf den Markt. Im vergangenen Jahr brachte der Instrumentehersteller Fender gar Johnny Marrs ursprünglich aus Einzelteilen zusammengebaute Jaguar-Gitarre als offizielle Special Edition heraus. Aber wenn es eine Erfahrung gab, die sein Leben in den letzten Jahren wirklich grundsätzlich verändert hat, dann war es die Begegnung mit Naughty By Nature.

„Wir hingen vor etwa acht Jahren gemeinsam rum. Was mir an ihnen gefiel, war, wie sie sich um ihre Gesundheit kümmerten. Ihre Haltung war: Du bist nur stark, wenn du gesund bist. Das behagte mir damals mehr als dieser ganze Rock’n’Roll-Kram.“ Seither geht Marr, zu Smiths-Zeiten ein begeisterter Konsument von Gras, Speed und beträchtlicher Mengen Rémy Martin, täglich joggen. Gut zehn Kilometer reißt der bekennende Veganer jeden Tag runter. Die Folge: Marr, der im Oktober 50 wird, hat den Körper eines 17-jährigen Zigarettenknaben. Viel entscheidender aber ist: Beim Laufen kommen ihm die guten Ideen für Songs. „Am besten ist es, wenn ich auf Tour bin und einen Jetlag habe. Es ist die perfekte Art, einen fremden Ort kennenzulernen. Ich habe mich schon immer für Psychogeografie interessiert: der Einfluss, den eine Umgebung auf die Wahrnehmung des Individuums hat. Deshalb gibt es in den neuen Songs auch so viele Architektur-Referenzen.“ Wären ihm die meisten Songideen nicht beim Laufen gekommen, die Stücke hätten wohl kaum diesen drängenden Sound.



Er hat dem Leid die schönste aller Stimmen gegeben: Robert Wyatt wird 75

Er war ein Derwisch, der mit nacktem Oberkörper auf sein Schlagzeug eindrosch und ihm dabei manchmal gar – wie der große Elvin Jones – eine Melodie abrang. Er war ein Tunichtgut und ein Schwerenöter, ein Dadaist und Spaßmacher, ein Anarchist und ein Jazzer, einer, den Grenzen nur interessierten, weil es sie zu überwinden galt. Dann fiel er im Alter von 28 volltrunken aus dem Fenster und musste sich von da an im Rollstuhl fortbewegen. In seiner Musik überwand er aber selbst diese Einschränkung, ließ seine traurige, schöne Stimme klingen wie die Trompete von Miles Davis und verwandelte den Schmerz in…
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