Happy Birthday, Russell Crowe! Dies sind seine zehn besten Schauspiel-Leistungen


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Australischen Schauspielern wird meist eine gewisse Urwüchsigkeit, Kauzigkeit und schlechtes Benehmen nachgesagt. Auch Russell Crowe, der mit seinen Eltern im Alter von vier Jahren vom neuseeländischen Wellington nach Sydney zog, wurde zu Beginn seiner Karriere in den frühen Neunzigern vor allem wegen seiner Physis gebucht, als Zampano mit lockerer Faust. Aufsehen erregte Crowe in dem Low-Budget-Film „Romper Stomper“, in dem der damals 28-Jährige einen Neonazi in Melbourne spielte. Crowe war da schon der bullige Typ mit den babyblauen Augen. Seine erste große Rolle bekam er jedoch erst 1997 in der Ellroy-Verfilmung „L.A. Confidential“. Regisseur Curtis Hanson setzte den unbekannten Mimen gegen das Studio durch – und wurde belohnt. Als aufrechter Cop, aber mit Hang zu häuslicher Gewalt, erweiterte der Schauspieler den im Film-Noir-Stil gedrehten Thriller um eine Schattierung. Überhaupt füllte Crowe in den Neunzigern eine Leerstelle in Hollywood: Wie konnte jemand, der so kampfbereit aussah wie ein 80er-Jahre-Actiondarsteller, eine derartige Tiefe in seine Rollen legen?

Crowe konnte weit mehr als Muskeln. Nach „L.A. Confidential“ begann er, seine Darstellungen anders zu interpretieren. Wirkte nun wie ein Baumstamm, den man mitten ins Bild stellt, und an dem sich die anderen kratzen, den aber keiner ins Wanken bringen kann. Und der in seinem Inneren den ganzen Weltschmerz trägt. Oft wird jedoch übersehen, wie selten Crowe in seinen besten Action-Darstellungen schreit oder andere andere drangsaliert. Selbst seiner Oscar-prämierten Rolle in Ridley Scotts Sandalen-Film „Gladiator“ liegt Traurigkeit und Behutsamkeit zugrunde; meisterhaft ist die Szene, als sein Schwertkämpfer Maximus geradezu meditativ den Mörder seiner Familie ersticht. Römerkönig Commodus, dem die Panik ins Gesicht geschrieben steht, blickt dabei in die unergründlichen Augen Crowes.

Hatte Crowe im Jahr 2000 für Michael Manns „Insider“, in dem er als übergewichtiger Doktor gegen die Tabak-Lobby kämpft, seine erste Oscar-Nominierung erhalten, war er nach „Gladiator“ ein Jahr später endgültig in der A-Liga angekommen. Und er lehnte auch die richtigen Rollen ab – zum Beispiel die des Morpheus in der philosophisch überfrachteten Sci-Fi-Trilogie „Matrix“: „Ich hatte das einfach nicht verstanden. Bin nicht weiter als bis zur Seite 42 gekommen. Diese Welt interessiert mich einfach nicht.“ Seine dritte Nominierung, eine mit Ansage, erhielt Crowe dafür im – rührseligen – Biopic „A Beautiful Mind“, als er ein schizophrenes Mathe-Genie verkörperte.

Kritiker mäkeln, die frühen Nullerjahre seien der Zenit seiner Schauspielkarriere gewesen. Crowe landete später wegen Sauftouren in den Schlagzeilen, und seine Bluesband namens 30 Odd Foot of Grunts wollte auch niemand hören, und wenn, dann nur weil es die „Band eines Hollywood-Stars“ war.

Seine zwei besten Rollen sollten jedoch erst folgen: In Peter Weirs großem Seefahrerdrama „Master and Commander: The Far Side Of The World“ (2005) verkörperte Crowe mit der Übersicht eines Schachspielers den Kapitän „Lucky Jack“, der eine ganze Schiffsbesatzung im Krieg kontrollieren muss; in James Mangolds unter Wert verkauftem Western „3:10 To Yuma“ (2007) brillierte er als Krimineller, der selbst im Schusswechsel noch Familienwerte über alles stellt.

Jetzt wird Russell Crowe 50 – für einen Mann ist das in Hollywood noch kein Alter, da sind noch einige Überraschungsrollen drin. Wenn er denn will. Will er? Er knüpft seine Präsenz an Bedingungen: „Ich würde nach Los Angeles ziehen, wenn Australien und Neuseeland von einer Welle überschwemmt wären, England unter eine Beulenpest litte und ganz Afrika wegen eines Marsangriffs von der Landkarte verschwinden würde.“