Hubertus Meyer-Burckhardt: Ein alter Mod lässt dich nicht im Stich

Mein Vater mochte Klassik; ich mochte meinen Vater nicht. Ich gehörte zu der Söhne-Generation, die mit ihren Vätern abrechnete. Was habt ihr gemacht, um Hitler zu verhindern? Was habt ihr unternommen um den Antisemitismus zu bekämpfen? Keine Antwort, zumindest keine befriedigende. Ich war also links. Und ich mochte die Musik, die mit allen Traditionen brach. „Negermusik“ (O-Ton der Väter-Generation) Wilson Pickett, Muddy Waters, Sam & Dave und den legendären Arthur Conley. Der wurde ja sensationell von Rod Stewart interpretiert („Sweet Soul Music“).

Auf Rod Stewart stieß ich Anfang der Siebziger. Mit meiner Mutter wohnte ich in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Kassel. Sie musste arbeiten, was den Vorteil hatte, dass ich zu Hause meine Musik so laut hören konnte, wie ich wollte. Bis die Nachbarn an die Wand klopften. Und ich hörte die ersten Alben von Rod Stewart- („An Old Raincoat Won’t Ever Let You Down“, „Gasoline Alley“) und The Faces. „Stay With Me“ – noch heute der Song, der mich aus jedem Tief rausholt. Mit Olli Dittrich teile ich die Schwäche für Neil Diamond: „I Am I Said“ ist unerreicht. Bei den ersten erotischen Begegnungen spielten die Bee Gees eine gewisse Rolle: „Massachusetts“ sowie „I’ve Gotta Getta Message To You“. Hymnen.

Als ich mich in den vergangenen Jahren mit meinem ersten Roman befasst habe, wuchs bei mir der Wunsch, einer fast vergessenen Band ein Denkmal zu setzen: dem Sir Douglas Quintet. Neben „Mendocino“ haben sie eine andere sehr starke Nummer rausgebracht mit dem Titel „Nuevo Laredo“. Ich bin froh, dass sie sich danach aufgelöst haben, denn sonst hätten sie ihren dritten Hit ebenfalls nach einem US-Kaff benannt. Neuere Sachen? Die Killers, Panic At The Disco. Aber, ich gebe zu: im Auto „Hard Lesson To Learn“, ein altes, selten gespieltes Stück von Rod Stewart … da gibt’s nicht Besseres. Traurig? Ja, manchmal. Wenn ich Eric Claptons „My Father’s Eyes“ höre, weiß ich, dass das mit Vätern und Söhnen so seine tragische Bewandtnis haben kann.Ich würde ihm heute dieselben Fragen stellen. Unnachgiebiger. Aber liebevoller.

Hubertus Meyer-Burckhardt ist TV-Produzent, Publizist und mit Barbara Schöneberger Gastgeber der „NDR-Talkshow“. Sein erster Roman „Die Kündigung“ ist im Ullstein-Verlag erschienen. Nun gibt es ihn auch als Hörbuch, auf vier CDEs, gelesen vom Autor. (Edel, 19,99 Euro).

Wir verlosen das Hörbuch. Einfach mailen und Name, Adresse und Telefonnummer angeben. Viel Erfolg!


Schon
Tickets?

Serien wie „Breaking Bad“: Diese Alternativen holen Drogenbarone zurück auf Ihre Mattscheibe

Als der Chemielehrer Walter White zu Beginn der Serie erfährt, dass er todkrank ist, baut er ein Drogenimperium auf. Anders sind die Rechnungen nicht zu tragen, anders ist seine Familie finanziell nicht abzusichern. Als Fans des Serienepos „Breaking Bad“ schluchzend die letzte Folge zu Ende schauten, klang das auch erst einmal nach einem Todesurteil. Statt die neu freigewordene Zeit anders zu nutzen, stellen wir Ihnen hier Serien vor, die das Loch nach „Breaking Bad“ füllen können. Better Call Saul Albuquerque, sechs Jahre vor Walter White. Jimmy McGill kann sich finanziell kaum über Wasser halten. Mit Pflichtverteidigungen verdient er sich sein…
Weiterlesen
Zur Startseite