IFA 2026: So verändern Wearables und KI unser Leben

Berlins Technik-Messe zeigt es: Intelligente Wearables messen Ihre Gesundheit, KI-Audio passt sich an Ihr Ohr an. Lesen Sie, welche Game-Changing-Gadgets 2026 kommen.

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Einst hieß die 1924 gegründete Berliner Technikschau „Große Deutsche Funk-Ausstellung“, später „Internationale Funk-Ausstellung“, kurz IFA. Mittlerweile steht dieses Kürzel für „Innovation For All“. Bereits die Namensgebung zeigt eine Leitmesse im stetigen Wandel.

Mit einem offiziellen Kick-off im Berliner „Futurium“ am Hauptbahnhof hat die IFA nun ihre 2026er-Ausgabe eingeläutet, die vom 4. bis 8. September auf dem Messgelände am Funkturm und in Showrooms wie etwa den „Kant Garagen“ in der City stattfindet.

War man einst stolz auf analoge Einzelgeräte wie das Transistorradio oder den Farbfernseher, stehen heute gerade für Musikfans intelligente Audio-Technologien, vernetzte Geräte sowie der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz im Zentrum. Schließlich geht man mit der Marketing-Dachzeile „The Future Is Now“ ins diesjährige Tech-Rennen.

Von der Geräteschau zum Erlebniskonzept

IFA-Geschäftsführer und Metal-Fan Leif Lindner ließ es sich nicht nehmen, in seiner berühmten Kutte zu erscheinen. Er konstatierte in gewohnter schwungvoller Art, dass die Hersteller ihren Fokus zunehmend auf konkrete Anwendungsszenarien legen.

Enrico Hoffmann von der Dachmarke B/S/H (u. a. Siemens) brachte es für die Welt der Küchen auf den Punkt: „Wir verkaufen heute keine Backöfen mehr, sondern kulinarische Highlights.“

HealthTech: Wearables im Mainstream

Wo längst auch Mick Jagger Interviews über „Longevity“ (Langlebigkeit) geben muss, wie jüngst im britischen GQ-Magazin, ist die Gesundheits-Optimierung durch Wearables zum Mainstream geworden.

Man kann darüber streiten, ob Schritte-Zählen, Herzfrequenz-Messung oder Schlaf-Optimierung bereits ins POP-Segment fallen. Auf der IFA 2026 jedenfalls ein zentrales Thema. „HealthTech ist kein Nischenmarkt mehr“, sagt Gerrit Janßen vom Elektronikkonzern Philips. Man stehe vor nächsten Entwicklungsschritten, Gesundheitsdaten nicht nur zu erfassen, sondern daraus konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Wie weit Wearables wirklich in der berühmten Mitte der Gesellschaft angekommen sind, zeigte sich beim Publikums-Check: zwischen Fan-Verhalten und „Brauch ich nicht!“ Jedenfalls gingen auf die Frage, wer bereits entsprechende Geräte nutzen würde, schnelle Hände in die Höhe. Von längst nicht allen.

Künstliche Intelligenz im Klangraum

Kaum ein Thema beschäftigt die Branche derzeit so sehr wie künstliche Intelligenz. Während KI gerne wie ein Marketingbegriff für alles Mögliche herhalten muss, sollen nun praktische Funktionen in den Vordergrund rücken.

Im Musikbereich gibt es intelligente Systeme, die Klangprofile automatisch an Räume oder Hörgewohnheiten anpassen oder Geräte im Hintergrund „optimieren“ (ein immer wieder gehörtes Buzzword), ohne dass der Nutzer eingreifen muss.

Auch bei Lautsprechern und Co. spielt KI künftig eine Rolle – etwa bei adaptiver Geräuschunterdrückung und personalisierten Klangprofilen oder bei der automatischen Anpassung an unterschiedliche Hörsituationen. Der berühmte Kopfhörer in der U-Bahn wird zum High-Tech-Gadget.

Dabei zeichnet sich ein klarer Trend ab: Einzelne Geräte treten zunehmend in den Hintergrund, während vernetzte „Ökosysteme“ an Bedeutung gewinnen. Musik soll sich unabhängig vom Endgerät möglichst komfortabel und ohne technische Hürden erleben lassen – zu Hause ebenso wie unterwegs.

Content-Produktion und das Ende klarer Grenzen

Auch die Produktion von Musik und audiovisuellen Inhalten kommt vor. Im sogenannten „IFA Creator Hub“ werden Geräte für Content-Produktionen der Podcast- und Influencer-Kollegen präsentiert.

Schlaue Streaming- sowie Foto- und Videotechnik ist für die Indie-Szene und unabhängige Produzenten relevant, wenn KI-gestützte Aufnahme- und Produktionswerkzeuge die Art verändern, wie Inhalte entstehen. Der Old-School-Begriff „DIY“ fällt zwar nicht.

Doch es zeigt sich, dass die Grenzen zwischen professioneller Studiotechnik und Consumer-Elektronik fließen. „Low Tech“ darf künftig neu gedacht werden.

Der Kick-off im „Futurium“ machte deutlich, dass sich die IFA weiter von der klassischen Produktausstellung entfernt.

Für die Audio-Branche bedeutet das: Nicht einzelne technische Spezifikationen entscheiden künftig über den Erfolg, sondern die Frage, wie gut sich Hardware, Software und digitale Dienste zu einem „stimmigen Nutzungserlebnis“ verbinden lassen.

Welche Innovationen sich tatsächlich im Alltag etablieren, wird sich erst nach der Messe zeigen. Der Auftakt, der gegen Abend standesgemäß mit einem DJ-Set gekrönt wurde, hat am Beispiel der Audio-Szene gezeigt:

Man kommt weiterhin mit coolen Geräten um die Ecke, richtet sich aber zunehmend auf vernetzte und personalisierte Hörerlebnisse aus.

Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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