Reeper Bahn Festival: pop’n’politics: präsentiert vom Rolling Stone
mehr erfahren



Spezial-Abo

Freiwillige Filmkontrolle


Interview: Will Sheff von Okkervil River. „I Am Very Far“ im Stream


von

Am Freitag erscheint „I Am Very Far“ – das neue Album von Okkervil River. Leider erst einmal auf zwei Konzerten werden Okkervil River das neue Material dann live vorstellen – am 18. Mai in Berlin (Kesselhaus) und am 21.05. in Hamburg (Uebel & Gefährlich). Wir präsentieren beide Daten. Das Album gibt es bereits ab heute auf der Website von NPR komplett im Netz zu hören.

>>>>Hier geht’s zum Stream von „I Am Very Far“

Wir trafen Bandchef Will Sheff und sprachen mit ihm über „I Am Very Far“, sein Homecoming nach New Hampshire und sein erstes Lieblingslied: „99 Luftballons“ von Nena.

Will, die Songs auf „Black Sheep Boy“ aus dem Jahr 2006, das viele Fans für dein bisher bestes Album halten, waren sehr düster und reduziert. Hört man das neue Okkervil-River-Album „I Am Very Far“ könnte man glauben, du hattest bei den Aufnahmen richtig gute Laune.
Uff, wirklich? Für mich sind einige neue Songs viel düsterer als die Nummern auf „Black Sheep Boy“, zumindest auf eine andere Art. Hinter dem Ausdruck der Songs steckt meist keine bewusste Haltung. Als wir „Black Sheep Boy“ aufnahmen, haben die Band und ich viel gelacht und die gemeinsame Zeit sehr genossen. Die Leute denken, ich wäre so ein dauerbekümmerter Weltuntergangspoet, aber das bin ich nicht. Eigentlich bin ich ein ziemlich fröhlicher Mensch, der als Songwriter aber manchmal Dinge auch zuspitzen muss: Schmerz, Trauer. Ich persönlich bin jedenfalls nicht wie Peter Murphy (Anm.: Sänger von Bauhaus). Ich will einfach nur bedeutungsvolle, Bullshit-freie Songs schreiben. Deshalb versuche ich damit umzugehen, dass auch die Menschen in meinem Umfeld alt und krank werden oder sterben. Gerade weil ein Song wie „Your Past Live As A Blast“ von den beschissensten Dingen im Leben handelt, mag ich ihn. Das ist für mich kein Widerspruch.

Du hast dich bei „I Am Very Far“ für richtig große Arrangements entschieden. Waren diese als Kontrast zu den deinen Texten angelegt?
Ich habe für das neue Album einfach einen anderen Zugang gewählt. „Black Sheep Boy“ ist sehr reduziert geworden, „I Am Very Far“ dagegen mitreißend, überwältigend. Man sollte beim Hören von der gigantischen, fast schon bedrohlichen Struktur der Songs am besten erschlagen werden. Deshalb hatten wir bei den Aufnahmen eine große Besetzung mit vielen Gitarren, zwei Schlagzeugern, zwei Pianos. Sie alle sollten an einigen Stellen exakt das gleiche spielen. Doppelt, dreifach. Das Album sollte so etwas Monolithisches haben, das erschien mir irgendwie passend.

Du bist im Vorfeld der Aufnahmen in deine Heimatstadt nach New Hampshire zurückgekehrt, um die Texte für das Album zu schreiben. War dieses Setting eine Inspiration für dich?
Ich hätte als Jugendlicher sicherlich nicht dort leben wollen, wenn ich nicht gemusst hätte. Sollte ich irgendwann mal verheiratet sein und eine Familie haben, kann ich mir allerdings schon sehr gut vorstellen, dorthin zurückzukehren. Als Kind habe ich mich in den Wäldern sehr geborgen gefühlt, es geht mir noch heute so. Mit den Demo-Aufnahmen bin ich in den Wald gestiefelt und habe mir dort überlegt: Spiegeln die Songs in dieser Form das wider, was ich ausdrücken will? Besonders der letzte Song des Albums, „The Ride“, beschreibt diese Sinnsuche draußen in den Wäldern.

Hattest du dort auch Kontakt mit Menschen, die du seit deiner Jugend nicht mehr gesehen hast?
Ja, das waren allerdings zum Teil sehr unangenehme Begegnungen. Einige hingen an jedem Wort, das ich als vermeintlicher Celebrity gesagt habe. Andere haben sich mit mir angelegt. Sie dachten wohl, ich würde mich ihnen überlegen fühlen. Beides ist doch letztlich eine Projektion davon, wie  Menschen in einer medialisierten Gesellschaft mit Personen des öffentlichen Lebens umgehen.

Will, was ist deine erste Kindheitserinnerung an Popmusik?
Meine Eltern waren große Musikfans, insbesondere meine Mutter hat viel Musik gehört. Ich kann mich noch ziemlich genau erinnern, dass ich zu Hause zu „99 Luftballons“ völlig überdreht herumgehüpft bin. Länger hat es dann gedauert, dass bis ich Pop-Songs auch einmal nicht gemocht habe. Damals dachte ich: Wenn die Songs im Radio gespielt werden müssen sie ja gut sein. Songs von Barbara Streisand hassen zu dürfen, ist deshalb die zweite große Erkenntnis meiner musikalischen Sozialisation gewesen.

Welche Bands kannst du aktuell empfehlen?
Auch wenn Destroyer mittlerweile kein Geheimtipp mehr sind, liebe ich sie. Das Album „Kaputt“ ist wirklich phänomenal. Cass McCombs finde ich auch großartig. Dabei höre eigentlich gar keine aktuelle Musik, weil ich mich im Songwriting nicht unterbewusst beeinflussen lassen möchte.

Letzte Frage: Beatles oder Stones?
The Stones. John Lennon ist mit Sicherheit einer der besten Sänger und Songschreiber aller Zeiten. Die Stones dagegen haben für mich alles verkörpert, was Rock’n’ Roll jemals sein wollte.


Paul Stanley im Interview: „Musik hat keine Hautfarbe“

Als Sänger und Gitarrist seiner Band Kiss hat er sich dem Hardrock verschrieben, aber Paul Stanleys Herz pochte schon immer für den Soul. Mit neuer Backing-Band veröffentlicht er nun mit Paul Stanleys Soul Station sein erstes Soul-Album „Now and Then“. So fällt die Maske – und zum Vorschein kommt eine ganz neue Seite des Rock-Stars. In einem Mix aus neuen eigenen Songs wie „I, Oh I“ oder „O-O-H Child“  und Soul-Klassikern bahnt er sich den Weg in das Genre. Wir haben uns via Zoom mit Paul Stanley unterhalten und nachgefragt, was er zu rassistischen Stereotypen wie „Schwarze singen Soul und Weiße…
Weiterlesen
Zur Startseite