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Ist es Zeit, Nena an ihre eigene Friedens-Hymne zu erinnern?


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Hätten die USA und die Sowjetunion in den Achtzigern einen Atomkrieg begonnen, Deutschland wäre wohl als Erstes pulverisiert worden. Das 1983 veröffentlichte Friedenslied spielte mit der Paranoia der Militärmächte: Luftballons werden für unbekannte Flugobjekte gehalten und lösen den Nuklearangriff aus.

Der NDW-Song mit Tagebuchpoesie machte 1983 Nena, die erst ein Jahr vorher von Mitgliedern der Gruppe Spliff entdeckt worden war, zur größten deutschen Sängerin – und das weltweit: Auch in England kam der Song auf den Spitzenplatz der Charts. Die englischsprachige Version kletterte 1984 in den USA immerhin auf Rang zwei, so hoch wie danach keine deutsche Produktion mehr.

Nena ist nun „Kult“

Es muss wohl an der unbekümmerten Art der 23-Jährigen gelegen haben, an der Hoffnung, dem Friedenstaubenblick, aber auch an der Sicherheit in ihrer Stimme, dass die Musikkäufer in den Ländern der Alliierten davon überzeugt waren, dass die Germans auf keinen Fall mehr in den Krieg ziehen wollten und ein Recht auf eine eigene Haltung hatten.

Nena auf der Bühne 1983

Ihren Erfolg mit „99 Luftballons“ konnte Nena jedoch nicht mehr wiederholen. Das Comeback 2002 fand unter dem Motto „20 Jahre Nena feat. Nena“ statt und rückte mehr ihre Rolle als ehemalige Galionsfigur der Neuen Deutschen Welle und Achtziger-Musik in den Vordergrund. Ihre aktuellen Stücke sind nur noch Schlager. Nena ist jetzt halt „Kult“.

Unbestritten ist ihre Rolle als Frau in der deutschen Popmusik: Sie war, obwohl sie ihre Songs nicht selber schrieb, Wortführerin der nach ihr benannten Band. Die gebürtige Hagenerin wurde zum Vorbild für viele Mädchen, die dem westdeutschen Mief der Kohl-Jahre entkommen und tun wollten, was immer ihnen gefiel. Körper-Styling als Ausdruck der Emanzipation: Nachdem die westlichen Bündnispartner Nena im Fernsehen gesehen hatten, dachten sie, alle deutschen Frauen trügen Achselhaare.

IM

Nena und die Corona-Verwirrung: Das sagt Xavier Naidoo

Und dann war da noch ein Herzchen-Emoji, über das nun die Republik diskutiert! Nena als Fan von Xavier Naidoo - das ist im Grunde nicht neu. Beide kennen sich gut, traten schon bei „Sing meinen Song“ (Vox) gemeinsam auf. Aber wie steht Nena zur neuen Tätigkeit ihres Kollegen als Sprachrohr unsinniger (und in der Corona-Pandemie noch dazu gefährlichen) Verschwörungstheorien? Nena und ihr merkwürdiger „Licht“-Post „Ich habe meinen tiefen Glauben an Gott“, beginnt ihr Post, der als (missglückte?) Werbung für ein neues Album herhalten soll. „Daher kommt mein Vertrauen ins Leben. Und ich habe meinen gesunden Menschenverstand, der die Informationen und…
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