Auf Wiedersehen, „Jackass.“ Ihr wart immer die Besten darin, körperlichen Schaden komisch zu machen

Zwischen Greatest-Hits-Compilation und frischen Tritten in die Weichteile: „Jackass: Best and Last“ ist ein verdienter Abschiedsrundgang für Johnny Knoxville und seine Crew.

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Imperien sind durch eine einzige Kugel aufgestiegen und gefallen. (Man frage nur Erzherzog Franz Ferdinand.) In diesem Fall wurde der Schuss aus einer .38er Pistole in der kalifornischen Wüste abgefeuert, an einem warmen Januartag 1998. Der Finger am Abzug gehörte Philip John Clapp, besser bekannt unter seinem Künstlernamen: Johnny Knoxville. Er war gleichzeitig das Opfer. P.J., wie ihn seine Freunde nannten, wollte eine schusssichere Weste testen. Er schnallte sich Kevlar um, stopfte sich ein paar Exemplare des „Hustler“ als zusätzlichen „Schutz“ unter das Hemd, richtete die Waffe auf seine Brust und klickte sich nach russischem Roulette-Prinzip durch die leeren Kammern des Revolvers, bis er die scharfe Patrone traf. Seine Freunde filmten das Ganze mit ihrer Videokamera. Entstanden war das für das Skatemagazin „Big Brother“, doch das Band verhalf Knoxville schließlich zu einem TV-Deal. Der Rest ist Geschichte. Das „Jackass“-Zeitalter hatte offiziell begonnen.

Diese berüchtigte Aufnahme eröffnet „Jackass: Best and Last“, den finalen Auftritt von Knoxville und seinen ramponiert-zerschundenen, Spielzeugautos-in-den-Hintern-steckenden Freunden – nach dem obligatorischen Hinweis, diese bescheuerten Stunts zu Hause bloß nicht nachzumachen, versteht sich. Der schockierendste Moment des Films ist das allerdings nicht. Der folgt unmittelbar danach: ein Schnitt vom jungenhaften 26-jährigen Knoxville im Videomaterial zu einem 54-jährigen Knoxville, der direkt in die Kamera starrt. In „Jackass Forever“ von 2022 schlurfte er schon deutlich Richtung mittleres Alter. Aber der Sprung vom kichernden Jungen, der sich gerade selbst angeschossen hat, zu dem Mann mit dem vollständig ergrauten Haar und den tiefen Falten im Gesicht – das macht die Jahrzehnte harten Lebens und stierbedingter Verletzungen greifbar, die diese beiden Knoxvilles voneinander trennen. Der Typ hat wütende Bullen herausgefordert, sich an selbstgebauten Raketen festgeschnallt, sich aus Kanonen schießen lassen und Variationen dieses preisgekrönten Films mehr Male gedreht, als man zählen kann. Nur eine Sache kann unser Mann in den roten Converse All-Stars nicht austricksen: die Zeit.

Also verabschieden wir uns in aller Herzlichkeit von Knoxville, von Steve-O, von Wee Man, von Sean „Poopies“ McInerney, von Chris Pontius und von Chris Pontius‘ Penis. Der Abschied schmerzt – aber sanft in die Nacht gehen diese Typen noch lange nicht. Sie schmeißen sich eine ordentliche Abschiedsparty, komplett mit Fallen-gespickten Escape Rooms, nackten Olympia-Wettkämpfen und Elektroschockhalsband am Gemächt. Die gesamte „Jackass“-Bande spürt mittlerweile ihr Alter, weshalb die neuen Nummern statt Boxkämpfen in Kaufhäusern und per Sportwagen herausgezogenen Zähnen nun Prostatauntersuchungen und das Zeug beinhalten, das man vor einer Darmspiegelung trinken muss. Es ist eben verdammt schwerer, sich mit Mitte fünfzig von einem Kater oder einem Sturz auf glühende Kohlen zu erholen als mit Anfang zwanzig.

Abschied nach fast 30 Jahren

„Jackass: Best and Last“ ist ein Triumphzug durch fast 30 Jahre absurden, bescheuerten, lebensgefährlichen Wahnsinns im Namen der Unterhaltung – eine Greatest-Hits-und-Outtakes-Compilation, die durch ein halbes Dutzend frischer Höllenszenarien ergänzt wird, durch die Knoxville und Regisseur Jeff Tremaine ihre mal mehr, mal weniger willigen Teilnehmer schicken. Das Format funktioniert besser, als man vermuten würde, zumal die Filme immer schon im Grunde abendfüllende Sammlungen der Stunts und Mutproben waren, die sich die Crew ausgedacht hatte. Das Alte vermischt und blutet sich buchstäblich ins Neue, ein roter Faden aus gonzoesker Furchtlosigkeit verbindet eine Ära mit der nächsten, und der Poo-Cocktail-Gag (mit Betonung auf „würgen“) ist witzig, egal wie oft man ihn sieht. Der Wechsel vom Fernsehen auf die große Leinwand war dabei entscheidend: Diese Selbstverstümmelungs-Sketche mit Publikum zu erleben war ein gewaltiges Upgrade. Im Wohnzimmer mit Freunden darüber zu lachen, wie Knoxville von einem Babykrokodil in die Brustwarze gebissen wird, war schon eine Gaudi. Denselben Clip mit hundert anderen Menschen im Kino zu sehen? Eine ganz andere, weit überlegene Erfahrung.

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Genau das wird uns am meisten fehlen, wenn diese Filme vorbei sind – und Knoxville weiß das. Also: noch einmal gemeinsam schallend lachen, wie Steve-O in einer Dixi-Toilette in den Orbit katapultiert wird! Bitte sehr. Und die neuen Nummern? Das Haar mag grauer sein, die Bäuche etwas ausgeprägter, die Gelenke etwas knirschiger – aber das „Jackass“-Versprechen, das fehlende Bindeglied zwischen den Three Stooges und einem Snuff-Film zu liefern, bleibt bestehen. Zuzuschauen, wie Poopies ein Elektroschockhalsband um seinen Schwanz schnallt und versucht, über einen Balken zu balancieren, während er Stromstöße kassiert – man stelle sich die „Ow! My Balls!“-Sequenz aus „Idiocracy“ mehrfach hintereinander vor –, funktioniert noch immer, auch wenn man weiß, dass der arme Kerl langsam ernsthaft über seine Altersvorsorge nachdenken sollte. Im Geiste des Nichts-mehr-zu-verlieren schmeißt die Gang außerdem einige nie gesendete Sequenzen in den Mix, darunter eine, in der Knoxville einen entflohenen Strafgefangenen in einem Baumarkt mimt. Dieser Stunt soll MTV angeblich für zehn Jahre das Filmen in West Hollywood verboten haben.

„Tragödie ist, wenn ich mir in den Finger schneide“, hat Mel Brooks einmal festgestellt. „Komödie ist, wenn du in einen offenen Abwasserkanal fällst und stirbst.“ Tragödie ist kein Fremdwort im „Jackass“-Kosmos; ältere Sequenzen mit dem verstorbenen Ryan Dunn hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack, und die ständige Präsenz von Bam Margera im Archivmaterial unterstreicht nur umso deutlicher, dass er im neuen Stoff fehlt. Aber das gesamte Unternehmen basierte von Anfang an auf der Prämisse, dass diese liebenswerten Trottel für uns in den offenen Abwasserkanal springen – im Namen der Komödie. Sie gehen hier mit einem Knall ab, und ob das „Best“ im Titel gerechtfertigt ist, sei dahingestellt – dass es das „Last“ ist, daran dürfte kaum ein Zweifel bestehen. Das Kino begann mit einem Zug, der in einen Bahnhof einfährt. Es endet nun mit einem Paar herabhängender Prothesen-Hoden, die gegen eine Stripstange klatschen. Danke für euren Dienst, Knoxville & Co. Eure Wache ist beendet.

David Fear schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil

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