James Franco, Harmony Korine und ihre Kunst: „Rebel“


von

Bei der diesjährigen Oscar-Verleihung machte Schauspieler James Franco („127 Hours“, „Milk“) als Moderator an der Seite von Anne Hathaway nicht unbedingt die beste Figur. Nun wagt er sich erneut auf ungewohntes Terrain: Für die 54. Biennale in Venedig, die am 3. Juni eröffnet, gestaltet er als offiziell ernannter Künstler den Pavillon der USA.

„Rebel“ heißt die Installation, die Franco zusammen mit Künstlern wie Ed Ruscha, Douglas Gordon, Aaron Young und Paul McCarthy anfertigte. Jeffrey Deitch, Chef des Museum of Contemporary Art in Los Angeles, hatte Francos Kooperation mit den Kunststars organisiert. „Mir geht es bei dem Projekt darum, den Ursprung eines amerikanischen Rebellentums zu zeigen – nur eben mit einem frischen Look“, erklärt Franco seine Arbeit, „diese ganze Mythologie – James-Dean-Filme, Dennis Hopper, Kids aus den Vorstädten …“ Herzstück von „Rebel“ ist ein Film, den er mit Regisseur, Drehbuchautor („Kids“), Performer und – nun ja – Rebell Harmony Korine drehte. Korine inszenierte eine neue Version der entscheidenden, mystischen Kampfszene aus Nicholas Rays Klassiker „Rebel Without A Cause“, mit Franco als James-Dean-Lookalike und einer Mädchen-Gang aus Los Angeles. Der Clou: Die Kontrahenten geben sich durch ihre T-Shirts als Anhänger der verfeindeten Rapper Tupac Shakur und Notorious B.I.G. zu erkennen, alle Beteiligten sind auf BMX-Rädern unterwegs, und die Mädchen ziehen sich irgendwann aus – nur ihre Gesichter bleiben vermummt. 

„Ich hatte eine Menge Kontakte nach South Central, Compton und einen guten Draht zu ein paar Gefängnissen. Ich fragte sie nach Girl-Gangs, die zur Verfügung stehen …“, erklärt Korine sein gewohnt eigenwilliges Casting für den Film. Franco, der zurzeit gerne mal den jungen Wilden mimt, fühlte sich sichtlich wohl in der Gesellschaft der Gangstergirls. Und natürlich ist „Rebel“ sehr weit weg von der heroischen Hochglanzästhetik, mit der er sonst in seinen Filmen inszeniert wird. Er sieht blass und müde aus, seine Posen wirken kantig und hart, das Licht ist ungünstig, und die Mädchen haben keineswegs Modelmaße. Genau deshalb hat „Rebel“ diese merkwürdige, unangenehme, energetische Aura. Die kann Harmony Korine wie kein zweiter herbeizaubern. „Es ist wichtig, dass man bei so einem Projekt Fehlerquellen einbaut“, sagt der Regisseur. „Nur dann passiert etwas. Es ist wie eine chemische Reaktion, die neue Dinge freisetzt.“

Franco schwärmt von Korines Choreografien. „Er hat sie krassen, mit dem iPhone gefilmten Kampfsze­nen nachempfunden, die er im Internet gefunden hat.“ Mit Kämpfen kennt Korine sich gut aus. 2000 drehte er den Film „Fight, Harm“, für den er auf den Straßen New Yorks Passanten aufforderte, sich mit ihm zu prügeln. Er endete im Krankenhaus mit Knochenbrüchen, danach „im Gefängnis und dann mit einer hohen Gerichtskostenrechnung“. 

Mit „Rebel“ dürfte es am Ende etwas weniger Probleme geben. Vor allem einen hat Korine mit seiner Mitarbeit ganz sicher glücklich gemacht: seinen Hauptdarsteller. „Ob ich bei der Moderation der Oscar-Verleihung versagt habe, ist mir scheißegal“, so Franco. „ Aber diese Sache mit Harmony, auf die bin ich wirklich stolz.“