Kanye West verschiebt Show in Frankreich nach drohendem Auftrittsverbot: „Meine alleinige Entscheidung“
Französische Behörden planten öffentlich, den Künstler zu sperren – vor dem Hintergrund seiner antisemitischen Äußerungen.
Kanye West hat angekündigt, sein Konzert in Marseille zu verschieben, das am 11. Juni im Stade Vélodrome stattfinden sollte. Der Rapper, der sich inzwischen Ye nennt, sieht sich in Frankreich einem drohenden Auftrittsverbot gegenüber – als Folge der anhaltenden Empörung über seine antisemitischen Entgleisungen der Vergangenheit.
„Nach reiflicher Überlegung habe ich aus eigener Entscheidung beschlossen, meine Show in Marseille, Frankreich, auf unbestimmte Zeit zu verschieben“, schrieb Ye am Dienstagabend auf X.
Französische Behörden haben sich zuletzt immer lauter gegen einen Auftritt Yes in dem traditionsreichen Stadion ausgesprochen. Laut der französischen Zeitung „Le Monde“ prüften Verantwortliche, ob Yes frühere Äußerungen „das Risiko einer Straftat begründen und ob die öffentliche Ordnung gefährdet ist“.
Marseilles Bürgermeister macht Front
Bereits im vergangenen Monat hatte Marseilles Bürgermeister Benoît Payan unmissverständlich klargemacht, dass Ye in der Stadt unerwünscht ist. „Ich weigere mich, Marseille zur Bühne für jene zu machen, die Hass und unverhüllten Nazismus propagieren“, schrieb Payan auf X. „Kanye West ist am Vélodrome nicht willkommen, unserem Tempel des Miteinanders und aller Marseillais.“
Die Kontroverse macht nicht an Frankreichs Grenzen halt. Das Wireless Festival, das diesen Sommer im Londoner Stadtteil Finsbury Park stattfinden sollte, wurde letzte Woche abgesagt, nachdem Großbritannien Ye, dem Headliner des Events, ein Visum verweigert hatte. Die Regierung hatte entschieden, dass ein Auftritt des Künstlers „nicht dem öffentlichen Wohl dienlich“ sei, wie die BBC berichtete.
West hatte im Januar mit einer ganzseitigen Anzeige im „Wall Street Journal“ eine Art Entschuldigungsoffensive gestartet. „Ich schulde erneut eine große Entschuldigung für alles, was ich gesagt habe und das insbesondere die jüdische und die schwarze Community verletzt hat“, hieß es darin. „Das alles ist zu weit gegangen.“ Die Anzeige ebnete den Weg für Wests Album „Bully“, das im März erschien. „In gewisser Weise ist es sein bislang menschlichstes Album, insofern es beweist, dass selbst Sterne, die so hell leuchten wie Ye, mit der Zeit zu verblassen beginnen“, schrieb ROLLING STONE in einer Rezension. Trotz Wests umstrittenem Verhalten debütierte das Album auf Platz zwei der „Billboard“-Charts.