Kasabian – „Wir sind total berauscht!“

Sie lieben große Sprüche und sind nur ein bisschen genervt von den ewigen Oasis-Vergleichen: Als Kasabian beim Hurricane- Festival in Scheeßel auftraten, nannte Sänger Tom Meighan Den falschen Auftrittsort ("Hallo Hamburg!"), riss ein paar Drogenwitze - und begeisterte das Publikum. Eine exklusive Nahaufnahme der unbescheidenen Band mit den mächtigen Zielen.

Sergio Pizzorno tanzt durch die Garderobe und singt „I Want To Break Free“. Der Kasabian-Kopf hält ein Bügelbrett in der Hand, ein Staubsauger war wohl nicht verfügbar, aber auch so erkennt jeder gleich, wo die Reise hingeht: Pizzorno imitiert natürlich die aus dem Video zum Queen-Song bekannte Hausfrauenpersiflage jenes Mannes, der ihm offensichtlich auch in Frisurenfragen als Vorbild dient – seine 70er-Jahre-Freddie-Gedächtnis-Frisur trägt Pizzorno mit Stolz.

Ausbrechen will hier allerdings niemand. Nicht heute. Soeben haben Kasabian ihren Auftritt auf der sogenannten Blue Stage des Hurricane-Festivals hinter sich gebracht – ach was: zelebriert! -, und es gibt wohl keinen Ort auf der Welt, an dem die Briten jetzt lieber wären, um ihren persönlichen Triumph zu feiern als hier in diesem Container.

Während die Crew immer wieder hereinkommt, um die persönliche Habe der Musiker zu verpacken – noch in der Nacht geht’s zum Southside-Festival, wo Kasabian am nächsten Tag auftreten werden -, gibt Tom Meighan den Kasper und reißt Drogenwitze mit einem Roadie, die der Bassist Chris Edwards und der etwas abseits stehende Gitarrist Jay Mehler mit einem Grinsen quittieren. Schlagzeuger Ian Matthews schließlich sitzt mit dem Tour-Trompeter Gary Alesbrook und dem Keyboarder Ben Kealey bei einem Glas Rotwein auf der Couch und kommentiert die bisherige Karriere der Arctic Monkeys, die am nächsten Tag erwartet werden.

Womit gleich klargestellt ist, wie die Rollen in dieser Band verteilt sind: Meighan ist der Vortänzer, Matthews und Edwards sind eine zuverlässige Bank, die anderen spielen keine Rolle. Nur Pizzorno ist anders als sonst: Der Mann, der bei Kasabian seit der Demission von Christopher Karloff sämtliche Songs schreibt, ist für gewöhnlich insbesondere Fremden gegenüber eher verschlossen, das Rampenlicht überlässt er gerne Meighan. Das Bügelbrett passt also nur bedingt zu ihm. Aber heute ist ein besonderer Tag, da ist alles erlaubt: „Hast du gesehen, wie die Leute abgegangen sind?“, fragt er. „Dieser Auftritt war toll, wir sind total berauscht und haben das Gefühl, damit in Deutschland einen Riesensatz gemacht zu haben – endlich!“

Tatsächlich war das Konzert rundum gelungen – zumindest aus der Bühnenperspektive. Später wird bemängelt werden, dass die Band viel zu leise war. Trotzdem: Die Briten wurden triumphal empfangen, spielten gleich zu Beginn „Club Foot“, „Where Did All The Love Go?“ und „Underdog“, Tom Meighan gab den unermüdlichen Einpeitscher. Zwar misslang dem Sänger die korrekte Verortung des Festivals – als Geografielehrer hätte es der mitten in Niedersachsen unablässig „How are you, Hamburg“ rufende Meighan vermutlich nicht so weit gebracht – aber am Ende hinterließen Kasabian mit „Fire“ ein überwiegend glückliches und vor allem erstaunlich großes Publikum in die Nacht. Und ist es nicht das, was die großen Sommerfestivals für Musiker und Publikum so attraktiv macht? Dass man Neues entdecken kann und hier bisweilen Karrieren explodieren?

Das Hurricane-Festival auf dem Eichenring in der Nähe von Scheeßel ist der optimale Ort für Entdeckungen und kapitale Karriereschritte. In diesem Jahr wurde es zum 15. Mal ausgetragen, ein kleines Jubiläum. An drei Tagen spielten Arcade Fire, Portishead, die Foo Fighters (siehe Kasten), aber auch eben erst eingeführte kleinere Bands wie Warpaint, Tame Impala oder der Two Door Cinema Club. Über die Jahre hat sich das Hurricane gemeinsam mit dem zeitgleich abgehaltenen Southside-Festival durch eine innovative Booking-Politik zur zweitgrößten derartigen Veranstaltung der Republik gemausert, das inhaltlich interessanteste Großfestival ist es ohnehin.

Entsprechend akribisch die Vorbereitung der auftretenden Musiker: Kasabian etwa probten mehrere Wochen in einem alten Gutshaus aus dem 16. Jahrhundert im englischen Cumberland, ehe sie sich auf die Reise machten. Die Sommerkonzerte sind die ersten Höhepunkte eines Jahres, das für die Band auch jenseits dieser Proben bislang vor allem harte Arbeit bedeutete. Nachdem sich Kasabian über die Jahre von Album zu Album kontinuierlich weiterentwickelt hatten, brachte das letzte Werk, „West Ryder Pauper Lunatic Asylum“, in England den ganz gro-ßen Durchbruch: Es gab einen Brit Award und zahlreiche weitere Auszeichnungen, das Album verkaufte sich eine Million Mal. Mit einem Wort: Im UK sind Kasabian seit 2009 quasi eine Stadionband. Und auch hierzulande tat sich Erstaunliches. Wer die Karriere der Band nur aus der Distanz verfolgt hatte, war mindestens überrascht, als es bei den Deutschland-Konzerten der letzten Tournee mitunter zuging wie bei den frühen Oasis – freilich mit Unterstützung englischer Easy-Jet-Kohorten.

Zusammengefasst kann man trotzdem ohne Übertreibung sagen, dass auf dem diesen September erscheinenden neuen Album „Velociraptor“ ein gewisser Erwartungsdruck liegt. Um im Vorfeld der Aufnahmen den Kopf freizukriegen, wandte sich Pizzorno einer Soundtrackarbeit für William Monahans „London Boulevard“ mit Colin Farrell und Keira Knightley zu, und Tom Meighan übernahm eine Rolle in der britischen Sitcom „Walk Like A Panther“. „Das war sehr lustig. Allerdings hab ich mir ganz schön in die Hosen gemacht, ich musste ja richtig schauspielern“, erinnert er sich. Ein Satz, der aus dem Mund dieses Mannes Seltenheitswert hat: In ihrem ureigenen Terrain waren Kasabian nie dafür bekannt, eine ängstliche Band zu sein. „Wenn man zu lange über Dinge nachdenkt, wird man nervös,“ sagt Meighan folgerichtig, „wir sind positive Typen.“ Und Pizzorno ergänzt: „,West Ryder‘ war unser, Odgen’s Nut Gone Flake‘, aber nun ist es an der Zeit, wieder nach vorne zu blicken. Für uns hat der Erfolg eines so vielschichtigen Albums bewiesen, dass die Leute gar kein Interesse daran haben, immer wieder die gleiche Melodie zu hören.“

Deswegen ist allerdings nicht gleich die Revolution ausgebrochen. Das in San Francisco aufgenommene neue Album vereint alle bisherigen Einflüsse der Band – also 60s-Beat, Madchester, Big Beat, Britpop, Psychedelic und Rock – zu einer betörenden Melange. Die meis-ten Songs tragen der neuen Rolle von Kasabian Rechnung: „Velociraptor“, der Titelsong wurde beim Hurricane vorgestellt, ist die bislang eingängigste und massenkompatibelste Platte der Band, gespickt mit hypnotischen Hymnen wie „Let’s Roll Like We Used To“ und Instanthits wie „Goodbye Kiss“.

Während der frischgebackene Vater Sergio Pizzorno die Songs in den Wickelpausen schrieb, hörte Meighan daheim Roy Orbison, die Beastie Boys, aber auch Tame Impala und sogar Aloe Blacc, um sich in die richtige Stimmung zu versetzen. Schließlich kamen die beiden in der Tradition von Pete Townshend und Roger Daltrey kooperierenden Musiker wie gewohnt zusammen. Sie diskutierten Pizzornos Melodien und Texte, transformierten die Songs hier und da in eine Meighan zuträglichere Tonlage und brachen schließlich in die USA auf, um das fertig komponierte Material mit dem Rest der Band und dem bereits bewährten Produzenten Dan The Automator aufzunehmen.

In San Francisco betätigte sich Meighan als ausgiebiger Powerwalker, konzentrierte sich ansonsten aber ganz auf die Arbeit – und bekam bisweilen Heimweh. Wie Pizzorno wohnt auch der Sänger nach einem Zwischenspiel in London wieder in Leicester, Heimatverbundenheit wird bei Kasabian großgeschrieben. „Ich brauche das Gefühl, die Familie und die alten Freunde um mich zu haben“, sagt er, „das ist ein wichtiges Ventil.“

Allzu oft wird er die Heimat in den nächsten Monaten nicht zu Gesicht kriegen. „Velorciraptor“ ist fertig, es geht wieder auf die Straße. „Wir können es kaum abwarten, den shit live zu spielen“, sagt Meighan. „Ich glaube an die Kraft des Rock’n’Roll, und das ist eine tolle Platte, die das Leben der Menschen verändern wird. Wir sind verdammt noch mal Kasabian!“ Sie haben es vielleicht schon gemerkt: Tom Meighan ist ein Mann der ganz großen Worte. Ein Liam-Gallagher-Charakter par excellence. Wer an Produktionsdetails und der Bedeutung einzelner Textzeilen interessiert ist, sollte sich an Sergio Pizzorno halten. Will man jedoch gut unterhalten werden, ist Meighan ganz klar erste Wahl. Und dass es bei einem Festival vor allem um gute Unterhaltung geht, sollte auch klar sein. Also, los geht’s:

Haben Sie das mit dem enormen Selbstbewusstsein von Oasis ?

Meighan: Nee, das können wir auch selbst. Keine Ahnung, ich war schon immer so. Schon als Kind. Ich habe niemals Angst.

Gewisse Parallelen zu Oasis liegen trotzdem auf der Hand …

Meighan: Vielleicht. Aber ich will mich nicht mit ihnen vergleichen oder gar messen. Sie waren eine Megaband. Fantastische Songs, unglaublicher Erfolg … Man sollte das getrennt betrachten. Wir tun, was wir tun und sind komplett anders, auch musikalisch.

Die Attitüde ist ähnlich … Meighan: Das stimmt. Und wissen Sie, woran das liegt? Es gibt keine verdammten Rockstars mehr da draußen, alle machen sich nur ins Hemd. Oasis sind Rockstars und wir sind auch welche, das haben wir mit ihnen gemeinsam.

Einige Stunden zuvor: Es ist vier Uhr nachmittags, Kasabian sind vor einer Stunde aus Hamburg gekommen, wo sie übernachtet hatten. Wir sitzen in der Garderobe. Gemessen an einigen seiner bisherigen Äußerungen müsste ein durchschnittlicher Backstagebereich wie der in Scheeßel vermintes Gebiet für den Kasabian-Sänger darstellen: Direkt gegenüber sind die Kaiser Chiefs untergebracht, einige Meter den Flur runter My Chemical Romance. Über beide hat sich Meighan in der Vergangenheit ordentlich ausgelassen. Mit dem Kaiser-Chiefs-Sänger Ricky Wilson kam es 2006 während eines Festivals in Irland beinahe zu einer Schlägerei, die Streithähne mussten von der Security getrennt werden, es folgten die üblichen verbalen Scharmützel. Trotzdem hatte Meighan offenbar noch genug Krawallpotenzial aufgespart, um MyChem, wie man in kajalgeschminkten Fachkreisen sagt, 2007 als „Clowns“ und misanthropische „Bauchrednerpuppen“ zu bezeichnen. So kam es zu einem vom „NME“ mit großer Begeisterung am Leben gehaltenen Disput beider Bands.

Haben Sie schon bemerkt, wer heute die Nachbarn sind? Ein paar alte „Freunde“ von Ihnen …

Meighan: Ach Gott, die Leute sind ja so empfindlich. Früher haben wir all diese Sprüche rausgehauen, um ein bisschen Aufmerksamkeit zu erregen und uns einen kleinen Spaß zu machen. Witzigerweise haben die Medien das tatsächlich ernst genommen, wir konnten es gar nicht fassen. Vor einiger Zeit saß ich dann gemeinsam mit den Jungs von My Chemical Romance im Flugzeug. Ich ging zu ihrem Sänger und entschuldigte mich bei ihm. Woraufhin auch er sich für die Dinge, die er gesagt hatte, entschuldigte. Wir umarmten uns und eben habe ich sie wiedergetroffen – kein böses Blut. Es ging nur darum, die Medien zu manipulieren. Was man halt so macht, wenn man 23 ist und eine Menge kifft: Wir sind die beste Band der Welt und so weiter. (lacht) Alle Bands, die wir bewundern, waren so: Oasis, die Stone Roses, die Sex Pistols. So was ernst zu nehmen und sich darüber aufzuregen, ist absolut lächerlich.

In den Stunden vor dem Auftritt lassen Kasabian alles über sich ergehen. Mit jener stoischen Grundhaltung, die jede tourende Band sich aneignen sollte. Die Musiker kickern gerne, aber eigentlich pflegen sie keine besonderen Rituale. „Wir sind noch nicht so weit oben auf dem bill wie Arcade Fire“, sagt Pizzorno. „Wenn sich das mal ändert, nehmen wir auch eine Tischtennisplatte mit auf Tour.“ Win Butler hatte seinem Ruf als passionierter Ping-Pong-Meister am Vorabend alle Ehre gemacht.

Die Hierarchie des Lineups lässt sich nicht nur am mitgeführten Sportgerät ablesen: Während die Garderoben der nachmittags auftretenden Bands mit Softdrinks und Bier ausgestattet sind, sieht der Kasabian-Tour-Rider immerhin echte Gläser, Wein und verschiedene Schnapssorten vor. Es gibt einen Kühlschrank und frisches Obst. Übrigens werden in den überwiegend zweckmäßig eingerichteten Räumen der Backstage-Container nur selten Rock’n’Roll-Klischees bedient. Der Zeitplan eines gut organisierten Großfestivals ist ein minutiös ausgearbeitetes Detailwerk. Hinter der Bühne herrscht eine wuselige Geschäftigkeit, ständig reisen Musiker an und ab, vor den Auftritten reiht sich für die Gefragteren unter ihnen Interview an Interview, nach dem Konzert nehmen die meis-ten ein paar Drinks und fahren dann zügig weiter.

Später im Bus sitzen fast alle in der kleinen Sitzecke im oberen Stock und sinnieren. Schlaf findet im Nightliner kaum einer der Kasabian-Musiker. „Man ruht sich ein bisschen aus, das war’s“, sagt Pizzorno. Als es dann losgeht, liegt Ian Matthews in seinem Bett, ein paar von den Jungs spielen Videospiele, Pizzorno klimpert auf der Gitarre herum. In einer Ecke entdecken wir Meighan. „Während des Auftritts vorhin haben Sie andauernd von der Reeperbahn und den Beatles erzählt und die Zuschauer mit, Hallo Hamburg‘ begrüßt, war das auch Medienmanipulation?“ Der Sänger lacht: „Nein, das war nur ein Spaß, man muss sich ja bei Laune halten.“

Vielleicht die größte Herausforderung: sich selbst und die Zuschauer bei Laune zu halten. In Scheeßel ist es Kasabian gelungen.

Backstage

Da es am Gelände kein geeignetes Hotel gibt, waren Kasabian wie viele Huricane-Bands in Hamburg untergebracht und erkundeten den Kiez. Mit dem Nightliner (o. l. und o. M.) ging es dann zum Hurricane, wo in der Garderobe frisches Obst gereicht wurde (r.). Die Bananen veranlassten Tom Meighan (l.) zu allerlei Ferkeleien. Nachdem die Band sich gestärkt hatte, wurde sie in einem Van zur Blue Stage gefahren. Die Musiker klatschten sich ab, gingen auf die Bühne und nahmen das Publikum im Sturm. Entsprechend gut war die Stimmung nach dem Konzert (ganz rechts).

FREITAG

Manche der 70.000 Zuschauer befinden sich am Freitagnachmittag noch bei ihren halb aufgebauten Zelten oder neben den schon halb geleerten Getränkekästen, doch Guy Garvey lässt sich von der noch fehlenden Euphorie nicht die Laune verderben. Aus Großbritannien ist er wahrscheinlich Schlimmeres gewöhnt. Nun sind die schwelgerisch mäandernden Songs von Elbow natürlich auch nicht unbedingt festivaltauglich was für die Abend-Attraktion Portishead (Foto) allerdings genauso gilt. Vielen fällt es offensichtlich schwer, sich auf diese Schmerzenslieder einzulassen. Beth Gibbons und Geoff Barrow ficht das nicht an, sie leben in ihrer eigenen Welt eine unfassbare Welt, in der man gern eine Weile zu Gast ist. Aber dann: Arcade Fire. So muss man es machen. Win Butler zieht alle Register, ein richtiger Rockstar auf der Riesenbühne, und wer dabei so sympathisch wirkt, der kann mit ein paar eingestreuten „Aaaaahs“ und „Uhuuuuhs“ eben auch komplexere Stücke verkaufen. Auf Régine Chassagne könnte man live verzichten, aber insgesamt ist es beeindruckend, wie kompakt diese große Band spielt. Am Ende noch „Wake Up“, was wäre passender nach einem langen Tag? BF

SAMSTAG

Ehrfürchtige Gedanken an den Konzertvorabend spült einem morgens erst mal ein Gewaltschauer aus dem Kopf. Das legt die Szenerie für den Rest des Tages fest: Die Musik muss gegen die Melancholie anspielen, die sich auf einer Sandrennbahn unter schweren Wolken breitmacht – und keiner Band gelingt das so brillant wie Warpaint (Foto). Komplett in blauen Adidasjacken, treffen die vier im Nachmittagsgrau die silberne Mitte zwischen The-Cure-Echo-Tristesse und Girlgroup-Schmelz. So viel Herz und Charakter sucht man im Indiepop-Einerlei von Friendly Fires oder Two Door Cinema Club dann vergebens. Auf der Hauptbühne feiern Gogol Bordello die alte Russendisko, My Chemical Romance bekommen immerhin so etwas wie großes Drama hin. Zum place to be wird am Abend das Zelt: Nach der ernsthaft betörenden Lykke Li und I Am Kloot, die ja nie fehlen dürfen, betritt dort gegen ein Uhr nachts Conor Oberst die Bühne, in ein grünes Kapuzenmäntelchen gehüllt. Und legt eine Bright-Eyes-Show hin, die alle Wangen glühen lässt. Extrovertiert und enigmatisch singt er sich durch ein grandios zusammengepicktes Karriere-Gesamtprogramm – der irre Wichtel, der Rattenfänger von Omaha, der sich zwischendurch in eine Tirade gegen iPhone-Mailchecker hineinsteigert und dann, nach dem immer wieder atemberaubend kathartischen „Road To Joy“, als tänzelnder Prophet mit „One For You, One For Me“ die Nacht ausruft. Unvergesslich. JH

SONNTAG

Mittags kommt doch noch der richtig große Regen, der das ganze Wochenende über angekündigt war. Binnen Kurzem verwandelt sich das Gelände endgültig in ein Schlammfeld, zeitweilig steht die sogenannte Blue Stage unter Wasser. Eine Not, aus der Miles Kane eine Tugend macht: Nachdem sein Auftritt aus Sicherheitsgründen abgesagt wird, begibt sich der Teufelskerl kurzerhand ins Publikum und improvisiert am Funkturm ein Akustikset. Wir wollen nun nicht zu rührselig werden, aber dass solche Momente bei einem derartigen Massenevent möglich sind, kann einem vor Freude die Hippietränen in die Augen treiben. Wir gehen zu The Kills und schauen uns die tolle Band Of Horses an, aber irgendwie kommt der Tag nur schleppend in Gang. Der Aufregungsgrad steigt erst nach dem etwas blassen Auftritt der Arctic Monkeys: Dave Grohl kommt auf die Bühne und ein letztes Mal stürzen sich die Menschen von Scheeßel ins Getümmel, geben alles, entlassen die Foo Fighters (Foto) schließlich mit „Everlong“ in die Nacht ein Triumph! TG

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