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Best Of 2019

Kiss: So unterhaltsam und überraschend ist die „End Of The Road“-Tour

Gleich beim ersten Song steigen die Schminkemonster wie Comic-­Super­helden vom Himmel bzw. von der Hallendecke herab, während um sie ­herum Feuer, Funken und Fontänen ­toben. Auf ihrer „End Of The Road“-Tour verabschieden sich Kiss von den großen Bühnen der Welt – mit noch offenem, aber unvermeidbarem Ende: Gitarrist Paul Stanley ist 67, und Bassist ­Gene Simmons wird im August 70. Heute spielen sie zum vorerst letzten Mal im legendären Madison ­Square Garden in ihrer Heimatstadt und zelebrieren dabei mit Ansage ihren ­Ikonenstatus: Es gibt keine neue Musik, keine Experimente, dafür die große Rockshow mit Feuer und Schwefel, im Grundprinzip zeitlos, im ­Detail bekannt.

Drei Klassiker machen den Anfang: „Detroit Rock City“, „Shout It Out Loud“ und „Deuce“. Simmons ­stolziert dazu auf Drachenfüßen umher und, ja klar, schlabbert mit der Zunge, während Paul Stanley mit ausladenden Bewegungen den Zeremonienmeister gibt. Alle vier Musiker spielen souverän, von altersbedingter Zurückhaltung auf der Bühne lässt sich tatsächlich wenig spüren. Dass auch im Rock’n’Roll die Zeit nicht anhält, zeigt hingegen die volle Bestuhlung des Innenraums. Es spricht jedoch für die Darbietung, dass das Publikum (Altersschnitt: 40+, Ausstattung mit Kiss-Shirt: 90 %) trotzdem von Anfang an steht.

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Die Band fährt das volle Programm und bringt ­deshalb sämtliche Showeffekte ihrer Geschichte: Simmons spuckt Feuer bei „War Machine“ und Blut bei „God Of Thunder“, Leadgitarrist Tommy Thayer schießt nach „Cold Gin“ Raketen aus seiner Gitarre, und das Drumkit von Eric Singer erhebt sich zu zuckenden Blitzen in die Lüfte. Neu sind die 16 riesigen Panels, die über den Musikern fliegend Grafiken oder Animationen ­zeigen und zusammen mit dem ­gewaltigen achteckigen ­Bildschirm zu fast jedem Song das optische Ambiente wechseln. Flammen züngeln, 3‑D-­Monster zappeln, schwarz-weiße Videosequenzen 40 Jahre alter Shows erhalten Applaus.

„Immer groß“ gilt natürlich auch für die Setlist

Wir hören vor allem Siebziger-­Stücke wie „Calling Dr. Love“, „100.000 Years“ und „Black Diamond“; gleich vier Stücke stammen vom 1974er-Debüt, sogar fünf von „Destroyer“ (1976). Paul Stanley erzählt die Anekdote, wie er 1972 als Taxifahrer Elvis-Fans zum „Garden“ kutschierte und sich schwor, selbst irgend­wann einmal auf dieser Bühne zu stehen. Genüßlich weist er darauf hin, dass Kiss die Halle nun zum 15. Mal ausverkauft haben. Dass der Mann heute in hohen Tonlagen Songs singen muss, die er als Mittzwan­ziger geschrieben hat, bescherte ihm in den letzten Jahren ebenso nachvollziehbare wie hörbare Schwie­rigkeiten. Mittlerweile scheinen tatsächlich ein paar Sachen vom Band zu kommen, wie Fans mit forensischer Akribie herausgefunden haben. Das kann man in dieser Dosierung durchgehen lassen, zumal es bei Kiss noch nie um perfekten Satzgesang ging. Warum Stanley allerdings sogar die Ansagen mit seiner hohen Krähstimme machen muss, wird ein Rätsel bleiben.

Dominic Pencz


Kiss: Doku-Biopic „Kissstory" für 2021 geplant

Kiss-Manager Doc McGhee äußerte sich in einem Interview zu dem geplanten Biopic von Kiss, das als Dokumentation die Geschichte der immens populären Rocktruppe nacherzählen soll. Die Band selbst hatte bereits angekündigt, dass sie einen Film drehen will, der die eigene Karriere beleuchtet. McGhee gab nun Details bekannt und hofft, dass das finale Werk, welches unter dem Namen „Kissstory“ läuft, im Juli 2021 fertig sein wird. Kiss kamen zuletzt auf ihre Fans zu und baten diese, ihnen unveröffentlichtes Video- und Bildmaterial zu schicken, um sich so in dem Biopic zu verewigen. Zum Zeitpunkt dieser Nachricht kursierte auch noch ein Veröffentlichungsdatum, dass…
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