Komm zurück, Ralf Benkö!

Leider rettete der grazile Ralf Benkö gestern zum vorerst letzten Mal unseren Urlaub. In diesem allgemein beklagten „Sommer, der keiner war“ tat es den Daheimgebliebenen gut, in jene touristischen Vorhöllen in der Türkei und in Thailand, auf Mallorca und den Malediven zu blicken und zu erkennen: Kein Horror kommt dem des Reisens gleich. Wir erinnern uns an sinistre Thriller („Der Mann, der zu viel wusste“, „Frantic“, „Flight Plan“, alle „Airport“-Filme), wenn Benkö zur Hilfe eilen muss: In der Fremde sollen deutsche Urlauber für ihr vorbezahltes Zimmer noch einmal  löhnen und haben kein Geld mehr, der Reiseveranstalter ist verschwunden, die Hotelleitung erpresst die Unglücklichen, zieht ihre Pässe ein und droht mit Inhaftierung. Ein Internet-Schelm vermietet eine Finca auf Mallorca, die ihm nicht gehört und die bereits bewohnt wird. Düster dreinblickende, des Deutschen unkundige Taxifahrer lassen Rucksäcke verschwinden. Ralf Benkö ruft jeweils: „Ganz klar, da müssen wir sofort handeln!“

Der fein frisierte Kämpfer wider den Nepp trägt Levi’s-Jeans mit Gürtel, die bewundernswert gut sitzen, und meistens ein hellblaues Hemd. Auch bei größter Hitze, bei Sturm oder Nieselregen eilt er stets wie aus dem Ei gepellt herbei. Meistens hat er schon ein Hotelzimmer in der Tasche, ein bisschen Kleingeld oder ein paar Worte des Trostes. „Das geht gar nicht!“ signalisiert den Gebeutelten, dass sie an fernen Gestaden nicht allein sind. Wo einheimische Polizei, die deutsche Botschaft und verschlagene Reisebegleiter keinen Finger rühren, klappt Ralf Benkö seinen Laptop auf, spricht am Strand in sein Mobiltelefon wie Al Pacino in „Insider“. Noch im schlimmsten Tohuwabohu, angefeindet von undurchsichtigen Gestalten, wahrt er die Contenance.

In Thailand untersuchte er mit einem Miniaturlabor die Abwässer, die aus einem Tank an den Strand und ins Meer flossen. Im Zeichen der Nachhaltigkeit kehrte Benkö ein paar Wochen später zurück, um die Schadenbeseitigung zu überprüfen (einige Touristen waren noch immer da) – man empfing ihn samt regionalen Medien zu einem Lichtbild-Vortrag im Rathaus, der Abhilfe belegen sollte. Benkö zeigte sich mit den Sofortmaßnahmen zufrieden, wenn das Wasser auch weiterhin kontaminiert war.

Gestern untersuchte er die Online-Buchungen von Ryanair, ignorierte souverän das Kleingedruckte und musste ungefähr das Fünffache nachzahlen – da war das Taschengeld für Rom weg. Bedienstete am Flughafen seufzten nur: „Is‘ Ryanair!“ Mithilfe eines Chemikers prüfte Benkö die Toilettenbrillen, die beim Zwischenstopp nicht gereinigt wurden. Der Ryanair-Chef alberte bei einer Pressekonferenz herum und ließ Benkö wie einen rotwangigen Schuljungen stehen, als der von seiner Recherche berichtete: „You naughty boy!“ Und wollte ihn in die Wange zwicken. Entschädigung, Regress, Kulanz gab es dann auch nicht – und nicht mal eine Entschuldigung. Da blieb Benkö nur der Rat: „Passen Sie gut auf!“

Einer bayerischen Familie rettete er den All-inclusive-Urlaub, bei dem sie mit schadhaften Fitness-Gerätschaften und unkomfortabler Unterbringung getäuscht worden war. Benkö brachte den Schlüssel für ein Vier-Sterne-Domizil vorbei. „Wie man in Bayern sagt: pfundig!“, ließ sich der rustikale Vater vernehmen. Die jungen Leute grinsten verlegen. Während sich betrogene Rentner gern jammernd in die Obhut Benkös begeben, haben jüngere Menschen ein Gespür dafür, dass sie in der Online-Welt womöglich als Deppen dastehen, wenn  sie auf Nepper, Schlepper, Bauernfänger hereingefallen sind. Mit Strandschlappen und Muskelhemd überm Sonnenbrand, hilflos greinend unter sengender Sonne: Das ist der Moment, in dem das Stockholm-Syndrom greift.

Ralf Benkö, der „Ferienreporter“, muss diesen gestrandeten Pauschaltouristen als Sendbote des Himmels erscheinen. Mit klaren Worten und angenehmer Stimme verkörpert er den Pragmatismus, das Geschmeidige und Diplomatische der Reklamations-Welt. Er ist der Klassensprecher der aufgeregten TUI-Horden, die zu schnell die Nerven verlieren und auch die Sprache.

Zur nächsten Saison will Ralf Benkö wiederkommen. Aber bis dann wird der Euro die Sache in vielen Ländern bereits erledigt haben: Der deutsche Zahlmeister muss sich dann nichts mehr bieten lassen.

Hier kann man (bis sieben Tage nach Ausstrahlung) „Wir retten Ihren Urlaub“ in der Mediathek von RTL schauen.

Ergänzend zur beliebten Heftrubrik „Willander sieht fern“ wird Arne Willander ab sofort in loser Reihenfolge auch online über seine TV-Erlebnisse berichten. „Willander sieht fern“ wird natürlich weiterhin ein fester Bestandteil unseres Printmagazins bleiben.


Schon
Tickets?

Podcast Freiwillige Filmkontrolle: Halloween-Special – Die gruseligsten Filme der Kinogeschichte

Sassan Niasseri und Arne Willander widmen sich dem Halloween-Tag, also dem schaurigsten des Jahres. Die ROLLING-STONE-Redakteure sprechen über Filme, die sie beeinflußt, beeindruckt oder das Gruseln gelehrt haben. Dazu ein Blick auf das aktuelle Kino- und TV-Programm: Wie gut, halt: wie schlecht ist „Terminator: Dark Fate“? Und: Lohnt sich die zweite Staffel von „The Kominsky Method“, für die sich das „Grüner Diamant“-Dreamteam Michael Douglas und Kathleen Turner wiedervereint? Podcast Freiwillige Filmkontrolle: Halloween-Special – Die gruseligsten Filme der Kinogeschichte Weiterhören: Once Upon a Time in Hollywood“ und „Apocalypse Now – Final Cut“ „El Camino“: Breaking Bad in Boring „Mindhunter“ und „Im Geheimdienst…
Weiterlesen
Zur Startseite