„Lammbock“ wird nicht mehr aufgeführt – Sex mit Schlafender ist Vergewaltigung
Eine Hamburger Brauerei sagt „Lammbock“ ab – wegen einer umstrittenen Szene. Die Entscheidung löst eine hitzige Debatte aus.
Eine Hamburger Brauerei hat bekannt gegeben, dass sie die geplante Aufführung des Films „Lammbock – Alles in Handarbeit“ abgesagt hat. Der Grund: In einer Szene der Komödie von 2001 wird gezeigt, wie Stefan (Lucas Gregorowicz) seine Ex-Freundin Jenny (Alexandra Neldel) vergewaltigen will, während sie schläft. Am nächsten Morgen erkennt er, dass es sich um seine Schwester Laura (Marie Zielcke) handelt.
Für das Wildwuchs Brauwerk Hamburg ein – berechtigter – Grund, Christian Züberts Film nicht zu zeigen. Die Brauerei schreibt in ihren Socials (erstmals gesehen per Verlinkung und Kommentar in den Socials von „Neon Zombie“): „Dankenswerterweise habt ihr uns als Publikum auf eine Szene im Film aufmerksam gemacht, in der eine sexuelle Handlung an einer schlafenden Person stattfindet. Das hat uns veranlasst, uns noch einmal intensiv mit dem Film auseinanderzusetzen. Aktuell wird in der Öffentlichkeit viel über sexualisierte Gewalt gegen Frauen diskutiert – ein Thema, das uns alle betrifft. Als Veranstalter:innen ist es uns wichtig, einen Raum zu schaffen, in dem sich alle sicher und wohl fühlen. Deshalb haben wir uns gegen die Aufführung entschieden.“
Womöglich hat die Filmszene Assoziationen zum Fall Gisèle Pelicot ausgelöst, ein Opfer systematischer, jahrelanger Vergewaltigung in mehr als 50 Fällen, vollzogen während ihres Tiefschlafs, nachdem ihr Ehemann ihr Medikamente verabreicht hatte.
Reaktionen auf die Absage
In den sozialen Medien erhält das Wildwuchs Brauwerk Hamburg überwiegend Zuspruch für seine Entscheidung zur Absage der Filmvorführung, allerdings tummeln sich dort auch die typischen „Cancel Culture“-Vorwürfe, überwiegend von Männern, die an ihrer geliebten Komödie festhalten wollen: „Elendige Woke-Zeiten“ oder Whataboutism nach dem Motto: „Jeden Tag geschehen Morde – darf man jetzt auch keinen Horrorfilm mehr schauen?“ Vielleicht erzürnt viele User auch das Beitragsbild der Brauerei, auf dem das Plakat mit den grinsenden Hauptdarstellern Lucas Gregorowicz und Moritz Bleibtreu schlicht durchgestrichen ist, was den Cancel-Gedanken unterstreicht.
Eine Followerin schreibt: „Spannend, dass hier einige Herren ein Lachen als Reaktion dalassen. Danke Wildwuchs Brauwerk Hamburg fürs Beachten solch wichtiger Themen. Dass sie noch nicht für alle wichtig sind, zeigt der Blick in die Reaktionen und warum die Debatte aktuell so wichtig ist.“