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Leonard Cohen: Ein Leben in Gesprächen


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Im Jahr 1988, als „I’m Your Man“ erschienen war, sagte Leonard Cohen zu Christian Fevret: „Ich mag ‚Tower Of Song‘, das ist meine Geschichte. „You’ll be hearing from me, baby, long after you’re gone. Aber manchmal glaubt man selbst an solche Dinge.“

Und wir hören noch immer von ihm, vier Jahre nach seinem Tod. Er habe eine Begabung, aber sie bestehe eben darin, ohne goldene Stimme auszukommen, sagt er im selben Interview dieses Bandes mit Gesprächen aus den Jahren 1988 bis 2009.

Cohens Schreiben speiste sich aus der jüdischen Tradition und der Lyrik. Er wurde mit 32 Jahren Songschreiber, als er mit seinen Romanen und seinen Gedichten keinen Erfolg hatte. Und dann hatte er Erfolg. „Es wäre schön, mal ein echtes Gefühl, einen echten Gedanken, eine echte Beschreibung der misslichen Lage zu hören, in der ein Mann sich befindet“, sagt er 1991. Diese Beschreibung ist ihm gelungen, mit äußerster Konsequenz: „Ich habe kein Privatleben mehr, weil ich immer an Songs arbeite.“

Aber: „Ich glaube, in der Musik haben wir erst die Oberfläche der Gefühle angekratzt. Aber man braucht extrem viel Mut … nein, Dringlichkeit, um von diesen Dingen sprechen zu können.“Der Dichter der Resignation postuliert: „Nicht Luxus ist der Ausgangspunkt, sondern Armut. Das Baumaterial, die DNS eines Songs oder des Lebens sind Chaos und Trostlosigkeit.“

Hat er das Gefühl, anders als andere zu sein? „Gehen Sie in eine Bar, trinken Sie ein Glas mit dem Typen neben Ihnen. Alle Leute, denen ich je begegnet bin, haben immer über dieselben Sachen gesprochen: die Suche nach Liebe, die verlorene Liebe, Herausforderungen, an denen sie gescheitert sind, Dinge, auf die sie stolz sind, Menschen, von denen sie verraten wurden, und Menschen, die treu geblieben sind. Ich bin noch keinem Menschen begegnet, dessen Innenleben völlig anders war als meines.“

Leonard Cohen
Leonard Cohen

Zu Paul Zollo sagt Cohen 1992 über „Anthem“, an dem er zehn Jahre schrieb: „Wenn man lange genug bei einem Song bleibt, dann wird er nachgeben. Aber ‚lange genug‘ ist weit länger, als jede vernünftige Schätzung des ‚lange genug‘ lauten würde. Eigentlich ist ‚lange genug‘ weit jenseits. Es bedeutet, die Vorstellung davon aufzugeben, was ‚lange genug‘ heißen könnte.“

Zweimal führt Cohen einen Vers aus einem Song von Fats Domino an: „‚Everybody wants to laugh, nobody wants to cry/ Everybody wants to go to Heaven, nobody wants to die.‘ (…) Wenn wir den Tod annehmen, werden wir glücklicher sein. Wenn wir das Scheitern annehmen, wird uns mehr gelingen.“

Kampa
Michael Putland Getty Images

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