Live-Nation-Prozess vor dem Ende: Schlussplädoyers beginnen

Die Geschworenen im Live-Nation-Kartellprozess könnten noch heute mit den Beratungen beginnen – mit weitreichenden Folgen für die gesamte Konzertbranche.

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Live Nations Schicksal liegt bald in den Händen der Geschworenen: Die Schlussplädoyers im aufsehenerregenden Kartellverfahren beginnen heute, am 9. April.

Die mehr als 30 Bundesstaaten, die Live Nation und Ticketmaster verklagt haben, unternehmen einen letzten Versuch, die Geschworenen davon zu überzeugen, dass das Unternehmen – mit seiner dominanten Stellung im Ticketing, bei Konzertveranstaltungen und in der Venue-Branche – ein Monopol darstellt, das unverhältnismäßig großen Einfluss auf die Live-Entertainment-Industrie ausübt. Die Anwälte von Live Nation werden voraussichtlich ihr Argument bekräftigen, dass der Konzern seinen Erfolg aus eigener Kraft erarbeitet hat und seine marktbeherrschende Stellung auf überlegenen Produkten und Dienstleistungen gegenüber der Konkurrenz beruht.

Die Geschworenen könnten noch heute mit den Beratungen beginnen, wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie morgen (10. April) damit anfangen. Sollte ein Schuldspruch fallen, könnten die Strafen von empfindlichen Geldstrafen bis hin zur möglichen Zerschlagung von Live Nation und Ticketmaster reichen – ein Schritt, der die gesamte Live-Entertainment-Branche von Grund auf verändern würde.

DOJ-Klage und Teileinigung

Das Justizministerium – gemeinsam mit fast 40 Bundesstaaten sowie Washington D.C. – hatte Live Nation 2024 verklagt; der Prozess begann Anfang März. Bereits eine Woche nach Verhandlungsbeginn einigte sich das Unternehmen überraschend mit dem Justizministerium auf einen Vergleich, der Geldzahlungen sowie Zugeständnisse im Ticketing-Bereich und beim Amphitheater-Geschäft umfasste. Während sieben der klagenden Bundesstaaten den Bedingungen des Ministeriums zustimmten, lehnten die Generalstaatsanwälte vieler weiterer Staaten den Deal ab, kritisierten die Konditionen als unzureichend und trieben das Verfahren voran.

Die vergangenen fünf Wochen Gerichtsverhandlung haben seltene Einblicke in das Innenleben eines der mächtigsten Akteure in der Musik-, Sport- und Live-Event-Branche geboten. Die Anklage der Bundesstaaten stützte sich maßgeblich auf angebliche Fälle, in denen Live Nation damit gedroht haben soll, lukrative Konzerttourneen von Venues fernzuhalten, die keine Exklusivverträge mit Ticketmaster abschlossen. Das wohl brisanteste Beweismittel des gesamten Verfahrens waren Nachrichten zwischen zwei Ticketing-Direktoren, die damit prahlten, Fans mit hohen Zusatzgebühren – etwa für Parkplätze – regelrecht „auszurauben“ und „auszunutzen“.

Live Nation erklärte in einer Stellungnahme, der Austausch spiegele „absolut nicht unsere Werte oder unsere Arbeitsweise wider“, und bestritt, Venues unter Druck gesetzt zu haben, Verträge mit Ticketmaster zu unterzeichnen; die in den Nachrichten enthaltenen Kommentare wurden scharf verurteilt. Die Anwälte des Unternehmens versuchten zudem zu argumentieren, dass Live Nations vielschichtiges Geschäftsmodell Branchenstandard sei. Wie CEO Michael Rapino bei seiner Zeugenaussage vorbrachte, habe Live Nation dort Erfolg gehabt, wo Konkurrenten scheiterten, weil man eine „bessere Mausefalle“ gebaut habe.

Prominente Zeugen vor Gericht

Neben Rapino hörten die Geschworenen Aussagen mehrerer hochrangiger Live-Nation-Manager sowie führender Vertreter von Konkurrenten wie AEG und SeatGeek. Sowohl Kläger als auch Beklagte riefen Sachverständige in den Zeugenstand; am letzten Verhandlungstag sagte Adel Nur, der Manager von Drake, aus.

Jon Blistein schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil