Marjane Satrapi, Autorin und Regisseurin von „Persepolis“, mit 56 gestorben
Die iranisch-französische Künstlerin bewegte sich zwischen Comics und Film – und hinterließ ein Werk von weltweiter Bedeutung.
Marjane Satrapi, die französisch-iranische Graphic-Novel-Autorin und Filmemacherin, deren Animationsfilm „Persepolis“ 2007 für einen Oscar nominiert wurde, ist tot. Das berichtet der „Hollywood Reporter“. Über die Todesursache ist nichts bekannt; eine Erklärung ihrer Familie hält fest, dass sie etwas mehr als ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes, des Produzenten, Schauspielers und Drehbuchautors Mattias Ripa, gestorben ist – den ihre Angehörigen als die „große Liebe ihres Lebens“ bezeichneten. Satrapi selbst hatte sich in einer Reihe von Beiträgen auf ihrem Instagram-Account in ähnlichem Sinne geäußert. Sie wurde 56 Jahre alt.
Die vierbändige „Persepolis“-Graphic-Novel-Reihe, Satrapis bekanntestes Werk im englischsprachigen Raum, erschien in Frankreich zwischen 2000 und 2003 und wurde für den englischen Markt zu zwei Bänden zusammengefasst, die 2003 und 2004 herauskamen. Sie erzählen die Geschichte eines Mädchens, das während der Islamischen Revolution im Iran und in Österreich aufwächst. Der Titel bezieht sich auf die einstige Hauptstadt des Persischen Reiches. Die Reihe belegte Platz 10 auf der ROLLING-STONE-Liste der 50 besten Graphic Novels abseits des Superhelden-Genres. In einer Kurzkritik wurde das Werk als „eine herausragende Coming-of-Age-Geschichte, angesiedelt an einem Ort, über den die meisten Westler so gut wie nichts wissen“ gewürdigt.
Bei der Animationsverfilmung von „Persepolis“ führte Satrapi gemeinsam mit Vincent Paronnaud Regie und schrieb das Drehbuch mit. „[Der Film] ist wie nichts, was man je in der Animationskunst gesehen hat“, schrieb ROLLING-STONE-Kritiker Peter Travers in seiner Rezension. „Er bläst einem den Kopf weg.“ Der Film gewann in Cannes den Palm Dog sowie den Jurypreis – in letzterer Kategorie gemeinsam mit „Silent Light“ – und war 2008 für einen Academy Award, einen Golden Globe und zwei BAFTAs nominiert, ging bei allen Verleihungen jedoch leer aus.
Kindheit und Exil
Satrapi wurde am 22. November 1969 in Rasht, Iran, geboren und wuchs in Teheran auf, bevor ihre Familie sie im Alter von 14 Jahren vor der gewaltsamen Islamischen Republik des Ayatollahs nach Österreich schickte. Das Leben der Figur Marjane in der Graphic Novel spiegelt Satrapis eigene Biografie wider. 1994 zog die Autorin nach Paris und veröffentlichte in der Folge die „Persepolis“-Tetralogie. Das Werk schlug sofort ein – sehr zum Missfallen der iranischen Regierung, die laut „THR“ versuchte, die Filmadaption vom Bangkok International Film Festival verbannen zu lassen.
Später veröffentlichte Satrapi „Chicken With Plums“, eine Graphic Novel, die 2005 den Angoulême-Preis für das beste Comic-Album gewann. 2011 inszenierte sie eine Filmversion des Buches. Zu ihren weiteren Regiearbeiten zählen „The Voices“, „Radioactive“ und „Dear Paris“.
Mehrere ihrer Comics – ihr bevorzugter Begriff für das Medium – wurden ebenfalls ins Englische übersetzt: „Embroideries“, „Monsters Are Afraid of the Moon“, „The Sigh“ und „Women, Life, Freedom“. Der letzte Titel erschien zunächst 2023 in Frankreich und befasst sich mit den Mahsa-Amini-Protesten der Jahre 2022 und 2023, nachdem Amini wegen des angeblichen Verstoßes gegen das Kopftuchgesetz des Landes verhaftet worden war.
Politisches Engagement
Satrapi blieb auch politisch aktiv und setzte sich für Mir Hossein Mousavi ein, als dieser die iranische Präsidentschaftswahl unter fragwürdigen Umständen verlor. Frankreichs Légion d’honneur lehnte sie mit Verweis auf die Beziehungen des Landes zum Iran ab. Ihren Platz in der Académie des Beaux-Arts nahm sie hingegen an.
„Ihr Tod bedeutet den Verlust einer herausragenden Persönlichkeit der französischen Kultur und einer freiheitsliebenden Künstlerin, deren Werk eine universelle Botschaft trug und ihr immense internationale Anerkennung einbrachte“, zitiert die „New York Times“ aus einer Erklärung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron.