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Metal auf den Bahamas oder Warum man womöglich Tänzer in einer Rave Band werden sollte


von

Folge 59

Urlaubsreisen mit dem Auto sind ein wunderbarer Anlass um sich nach längerer Abstinenz mal wieder mit Charts-Musik zu beschäftigen. Statt wie daheim beim leisesten Anzeichen von Vulgär-Pop entrüstet die Einheitsrotationen hiesiger Radiostationen zu verfluchen, summt man, vom milden Klima und den Reizen der Fremde gütig gestimmt, bald mit. Und so ertappte sich auch Ihr ergebener Chronist beim Durchfahren mediterraner Pampa beim lautstarken Mitsingen der jüngsten Machwerke von Musikanten wie Coldplay, OneRepublic, Sam Smith oder Anastacia (!). Tatsächlich habe ich es in den letzten Wochen zu einem ganz guten Chris-Martin-Imitator gebracht, was ich auf Anfrage womöglich sogar gerne zu demonstrieren gewillt bin. Was die freilich ganz und gar fürchterliche Melodyne-Sirene Anastacia angeht, muss ich gar gestehen, dass ich ihr Liedlein „Stupid Little Things“ für ein ganz gut komponiertes Stück halte. Ich wäre bereit, diesen Standpunkt demnächst sogar auf einer Podiumsdiskussion zu verteidigen.

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Noch eine aus dem Süden heimgebrachte Erkenntnis: Sich im Urlaub den Mittelfinger zu brechen, ist blöd. Vor allem für mich als häufigen Mittelfingernutzer stellte der Verzicht auf die geschätzte Extremität doch recht bald eine herbe Einbuße dar. Da ich dazu neige, bei jeder sich bietenden Gelegenheit an Bez, den Rumbanuss-Schüttler und Tänzer der mancunischen Rave-Band Happy Mondays zu denken, dachte ich bald an Bez, den Rumbanuss-Schüttler und Tänzer der mancunischen Rave-Band Happy Mondays. Man korrigiere mich gerne, aber ich glaube, die Happy Mondays waren die einzige halbwegs erfolgreiche Brit-Band, die einen Tänzer, der von anderen Band-üblichen Aktivitäten wie Gesang oder Musiziererei gänzlich absah, als festes Mitglied in ihren Reihen hatte. Mehr noch: Besagter Bez war neben Sänger Shaun Ryder sogar der Star der Band.

Dieser Bez nun fiel mir also ein. Doch nicht einfach so: Der Mann mit den notorisch geweiteten Pupillen kam mir deshalb in den Sinn, weil er sich während irgendwelcher semi-legendären (weil drogenbefeuerten) Album-Aufnahmen der Gruppe in Nassau zwei mal hintereinander den Arm brach und später in einem Interview diesen schönen Satz sagte: „Das Dämlichste, was ich je in meinem Leben tat, war, mir hintereinander zwei mal den Arm zu brechen“. The wisdom of Bez.

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Nassau … Es gab mal eine Zeit, da wurden ständig in Nassau/Bahamas Platten aufgenommen. Genau gesagt in Chris Blackwells Compass Point Studios. Neben den Happy Mondays fallen mir spontan die Rolling Stones („Emotional Rescue“), AC/DC („Back In Black“) und Udo Lindenberg („Udopia“) ein. Warum habe ich mir gemerkt, dass diese oder jene Platte in Nassau aufgenommen wurde. Nun, weil, als ich diese Platten mit zehn, elf Jahren erstmals hörte, das Wort „Nassau“ eine enorme Faszination besaß. Eine genauere Recherche zeigt: Eigentlich hat fast jeder schon in Nassau aufgenommen: U2, die Talking Heads, ELO, Whitesnake, Julio Iglesias, Bad Company, Serge Gainsbourg, Emerson, Lake & Palmer, die Eurythmics, die Dire Straits, The Thompson Twins, David Bowie, Judas Priest, Iron Maiden undundund.

Moment, Judas Priest, Whitesnake, Iron Maiden? Sollte mir mal keine musikalische Obsession mehr einfallen, in die ich mich reinsteigern könnte, werde ich mich auf völlig unvernünftige Weise für Achtziger-Jahre-Metal-Platten begeistern, die in Nassau aufgenommen wurden.

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Die Autobiografie des Happy-Mondays-Tänzers Bez trägt den Titel „Freaky Dancin’: Me and the Mondays“. Das Magazin Mix Mag urteilte wie folgt: „Bez emerges as a dangerous lunatic whose entire life is motivated by the pursuit of drugs.“

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Zwei weitere erfreuliche Kollateraleffekte des Fortseins: Ich weiß ganz ehrlich nicht, was eine „Ice Bucket Challenge“ ist. Auch ist mir unbekannt, was Xavier Naidoo Schlimmes gesagt hat. Doch es ist alles noch viel schöner: Am besten gefällt mir, dass es sich entgegen aller Befürchtungen tatsächlich sehr einfach vermeiden lässt, doch noch rauszufinden, was eine „Ice Bucket Challenge“ ist. Es geht ganz einfach: Man muss nur das Lesen bestimmter Artikelchen und das Betrachten bestimmter Filmchen vermeiden. Gar kein Problem. Bei Xavier Naidoo ist der Fall komplizierter: Ich habe zwar keine Ahnung, was eine Ice Bucket Challenge ist. Was ein Xavier Naidoo ist, weiß ich leider sehr wohl.

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Gerade wollte ich zur Sicherheit noch mal überprüfen, ob Udo Lindenbergs „Udopia“ (Textprobe: „Immer lustig und vergnügt / bis der Arsch im Sarge liegt“) tatsächlich in Nassau produziert wurde. Ich gab also „Udo Lindenberg Nassau“ in die Suchmaschine ein. Angezeigt wurde der Text des mir unbekannten Lindenberg-Klassikers „Reggae Meggi“. Rechts daneben fand sich die englische Übersetzung, deren erste zwei Strophen ich hier zur Erbauung und Seelenpflege meiner Leserinnen zitieren möchte:

Last month I flew to the Bahamas

I took the plane ticket

I said: It must be Pan Am or BEA

or maybe the German Lufthansa

not only possible, Never Come Back airline!

Dan on board, I said to the pilot

I trust you with my body

You do not land or at sea auf’m Acker

Please take the Bahamian runway!

And then in Nassau, I saw it: Reggae Meggi

Meggi oh, oh Meggi, reggae Meggi

Ich glaube, noch bevor ich mich in Achtziger-Metal-Platten, die in Nassau produziert worden, hineinsteigere, werde ich alle Udo-Lindenberg-Texte von dem oben zur Anwendung gebrachten Programm auf Englisch übersetzen. Chris Martin wird Rumbanüsse dazu schütteln und tanzen. Der Herbst ist gerettet!


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