Mike Love: „Ich habe Brian Wilson nicht bei den Beach Boys rausgeschmissen.“


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So mancher dürfte bei dem Versuch zu verstehen, wie genau die Beach Boys jetzt nach der Reunion-Tour tatsächlich besetzt sein werden, wenn nicht kläglich scheitern, so doch ein wenig ins Schleudern geraten. Jedenfalls wurden ja schon kurz vor den letzten Tourdaten Gerüchte laut, man solle sich nicht an die Besetzung Mike Love, Bruce Johnston, Al Jardine, David Marks und natürlich Brian Wilson gewöhnen. Mike Love buchte nämlich bereits Shows in „seiner“ Besetzung, mit der er in den letzten Jahren immer wieder mal unter dem Namen The Beach Boys auftrat. Und was das jetzt heißt, sei in einfache Worte gekleidet: Al Jardine, David Marks und Brian Wilson sind raus.

Wilson zeigte sich darüber enttäuscht: „Wir haben gerade so viel Spaß zusammen. Und letztendlich sind wir die wahren Beach Boys.“ Dem pflichtete auch Al Jardine via Facebook erbost bei (wir berichteten). Damit sähen sich Mike Love und Bruce Johnston nun von ihrer langjährigen Backing-Band unterstützt. Diese besteht aus folgenden Musikern: Randell Kirsch, Tim Bonhomme, John Cowsill, Scott Totten und Christian Love, der, man ahnt es schon, Sohn von Mike Love ist. So, jetzt aber mal eben genug des Namen-Kauderwelschs. Der Streitpunkt findet sich in der vorherrschenden Meinung, Mike Love habe Brian Wilson rausgeschmissen.

Mike Love will das jedoch nicht so im Raum stehen lassen. Das wollte der Musiker jetzt in einer Reportage, die er eigens für die Los Angeles Times geschrieben hat, vermitteln. Nach einem schönen Cliffhanger, wie wir das nennen würden, beschreibt der Musiker den letzten Abend der Jubiläumstour mit den kitschig-konstruierten Worten: „Looking at the beaming faces, I’m filled with an enormous sense of pride for my bandmates and our fans.“

Ein wenig rührseelig, aber es wird noch besser: „Dann bin ich in meinem Flieger gestiegen, ich war noch total aufgedreht und habe dann angefangen zu lesen. Da standen einen Haufen gemeiner Gerüchte – und mein Herz brach.“ Effektvolle Pause in Form eines Absatzes. Dann wird Love konkreter: „Ich kann Brian Wilson nicht feuern, ich bin nicht sein Arbeitgeber. So eine Autorität besitze ich gar nicht. Und selbst wenn, würde ich Brian Wilson nicht bei den Beach Boys rauswerfen. Ich liebe Brian Wilson. Wir sind Partner. Er ist gebürtig mein Cousin und mein Bruder in der Musik.“ Die Tour, in der Besetzung, die weiter oben beschrieben wurde, war wohl aber schon die ganze Zeit mit einem konkreten Ablaufdatum versehen. Keiner der Band wollte „eine 50. Jubiläumstour machen, die zehn Jahre lang dauert.“ Das sei eher als sehr spezielle Ausnahme zu Ehren des freudigen Geburtstages gemeint gewesen. „Eigentlich sollte Brian die Band auch nur für ein paar einzelne Konzerte in größeren Städten unterstützen. Im Endeffekt wurden daraus 50 Daten in 50 Märkten.“ Weitere Konzerttermine der Beach Boys, wie sie sich bei den Jubiläumskonzerten aufgestellt sahen, seien aus dem Grund unmöglich, weil Love bereits im Vorfeld andere Termine mit der zweiten Besetzung gebucht hatte, die sich terminlich mit solchen Plänen überschneiden würden.

„Um öffentliche Verwirrung auszuschließen hatten wir bereits eine Pressemitteilung rausgehen lassen, die den Unterschied zwischen beiden Beach Boys-Touren herausstellt und die verschiedenen Line-ups erklärt“, schreibt Love weiter. Das hat wohl weder der ersten Band-Besetzung noch dem Publikum so richtig geholfen. „Ich war wirklich überrascht, als Brian [Wilson] und Al [Jardine] sagten, sie seien über die Ankündigung verwundert.“ Brian Wilson war wohl derart verwundert, dass er gleich ein neues Album ins Auge fasste: „Ich hätte nichts dagegen, wieder mit Mike und den Jungs zu arbeiten und ein aufregendes Rock’n’Roll Album aufzunehmen.“ (Wir berichteten über dieses Verwirrspiel). Egal wie diplomatisch dass Mike Love jetzt auch formulieren möchte, wir schreiben den Artikel mal ein bisschen um: Brian Wilson wurde gegangen.

Wie dem auch sei. Sagen wir es doch einfach einmal so: „DIE Beach Boys“ werden bald wieder auf Tour gehen.