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Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten: Beach Boys – „Friends“


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Mit „Pet Sounds“ verloren sie die Strandgänger, dann scheiterten die Beach Boys daran, den ernsthaften Stubenhockern mit den riesigen Kopfhörern rechtzeitig einen ebenbürtig tiefsinnigen Nachfolger zu präsentieren.

Den Sum­mer of Love verpassten sie auch, und als schließlich im Herbst 1967 der Kompromiss „Smiley Smile“ erschien, war die Band aus der Mode gekommen; ihre tolle Soul­-Hommage „Wild Honey“ konnte Ende des Jahres auch nichts mehr retten.

Nie klangen ihre Harmonien wärmer

Und so ging das hübscheste aller Beach-­Boys-­Alben, „Friends“, vollkommen unter. Vermutlich war diese bukolische Songsuite, zu der erst­mals Dennis Wilson zwei (ziemlich fantastische) Songs beitrug, in Zeiten von Vietnamprotesten und Studen­tenrevolten einfach nicht der richtige Soundtrack.

Ein Jahr später, als sich die Jugend zur Sinnsuche ins Innere und die Songwriter sich aufs Land zurückzogen, hätte das vermutlich anders ausgesehen. „Friends“ klingt, als musizierten die Beach Boys erstmals ohne jeden Erwartungsdruck – nie klangen ihre Harmonien wärmer, nie waren sie mehr bei sich.


Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten

Ohne Konzerte und Festivals fanden wir uns plötzlich abends auf unsere Plattensammlungen zurückgeworfen und stellten fest: Oft sind es nicht die kanonisierten Klassiker, die man besonders gern auflegt.

Stattdessen sind es Alben im Katalog eines lieb gewonnenen Künstlers, die man ganz für sich allein zu haben scheint, weil der Rest der Welt sie verschmäht oder gar schon vergessen hat – missverstandene Geniestreiche, verkannte Meisterstücke, vernachlässigte Schlüsselwerke und Platten, die einfach viel besser sind als ihr Ruf und eine Neubewertung verdienen.


Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten: Joni Mitchell – „Don Juan's Reckless Daughter“

Man bewundert Joni Mitchell für die Schön­heit von „Ladies Of The Canyon“ (1970), die Inti­mität von „Blue“ (1971), die Slickness von „Court And Spark“ (1974), den komplexen Jazz­-Folk von „The Hissing Of Summer Lawns“ (1975) und das ätherisch schwebende Meisterwerk „Hejira“ (1976). „Don Juan’s Reckless Daughter“ (1977) gilt – ebenso wie das oft unterschätzte „For The Roses“ (1972) – als Übergangsalbum, das in diesem Fall nirgendwohin führte. Wenn man die Doppel-­LP heute mit frischen Ohren hört, macht sich ein Verdacht breit: Während man männlichen Künstlern jedes überbordende, ambitionierte, grenzüberschreitende, eklektische, sich jeder Katego­rie entziehende Werk, vom unvollendeten „Smile“ (Beach Boys,…
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