Klage: Model Jennifer An beschreibt Horror-Vorfall mit Kanye West
Jennifer An wirft West vor, sie 2010 beim Dreh zu La Roux' „In for the Kill“-Video attackiert zu haben – jetzt spricht sie öffentlich.
Model Jennifer An, die 2009 als Finalistin in der US-Castingshow „America’s Next Top Model“ bekannt wurde, erhebt in einem neuen BBC-Interview schwere Vorwürfe gegen Kanye West. 2024 reichte sie eine Zivilklage gegen den Rapper ein, in der sie schildert, wie er sie beim Dreh zu La Roux‘ „In for the Kill“-Musikvideo im Jahr 2010 angeblich gewürgt und mit seinen Fingern sexuelle Handlungen an ihr simuliert haben soll. Das entsprechende Filmmaterial wurde nicht in den finalen Schnitt übernommen. „Ich hatte das Gefühl, er wollte so viel anfassen wie irgend möglich“, sagte sie dem Sender.
Sie beschrieb außerdem, wie sie sich in keiner Weise sicher gefühlt habe, da sein angebliches Verhalten sie völlig überrascht habe. „Plötzlich streckt er eine Hand aus und fängt an, mich zu würgen – ich wusste gar nicht, was gerade passiert“, sagte sie. „Dann holte er die andere Hand heraus und würgte mich mit beiden Händen, schmierte mir das Make-up im ganzen Gesicht und steckte seine Hände in meinen Mund.“ Was West mit ihrem Make-up gemacht habe, so An, „hat sich einfach falsch angefühlt.“ Als er fertig war, habe West, wie sie berichtet, „so etwas gerufen wie: ‚Das ist Kunst, ich bin Picasso.’“ Danach soll er sinngemäß gesagt haben: „OK, ich hab, was ich wollte“ – und sei gegangen.
Während des mutmaßlichen Vorfalls habe das Produktionsteam laut An zugeschaut, ohne etwas zu sagen. Sie selbst habe nicht versucht, West aufzuhalten, weil sie Angst gehabt habe, ihren Job zu verlieren.
La Roux und Universal schweigen
Ein Sprecher von La Roux‘ Label Universal hat auf eine Anfrage von ROLLING STONE zunächst nicht reagiert.
An erklärte gegenüber der BBC, La Roux habe zugestimmt, das Material nicht in das Video aufzunehmen. Als An 2024 Kontakt zu La Roux aufnahm, schrieb die Musikerin ihr in einer Instagram-Nachricht, dass sie sich an Wests angebliches Verhalten erinnere und es als „horrifisch“ bezeichnet habe – wie bereits berichtet.
Auch ein Sprecher von La Roux selbst antwortete auf eine Anfrage von ROLLING STONE zunächst nicht.
Klage und Wests Verteidigung
Das Model reichte die Klage 2024 im Rahmen des New Yorker Gender-Motivated Violence Protection Act ein – eines Gesetzes, das die Verjährungsfrist für Zivilklagen im Zusammenhang mit sexueller Gewalt vorübergehend aussetzte. Wests Anwälte haben beantragt, die Klage abzuweisen, und argumentieren, sein Verhalten sei das eines Künstlers und daher durch den First Amendment – das Recht auf freie Meinungsäußerung in der US-Verfassung – geschützt. Die Anwälte bezeichnen An als „einwilligende Teilnehmerin an einer Bühnenperformance“, die West mit einer Szene aus „American Psycho“ verglichen haben soll und die, so seine Anwälte, „der Klägerin [An] beiläufig Atemprobleme bereitet haben mag“.
Ein Sprecher Wests reagierte auf eine Anfrage von ROLLING STONE ebenfalls zunächst nicht.
Ans Anwalt Jesse Weinstein sagte der BBC, die Art und Weise, wie West sein angebliches Verhalten als künstlerischen Ausdruck rahme, sei „ein wirklich gefährlicher Präzedenzfall“.
Belastendes Material und Zeugen
Weinstein hatte ROLLING STONE gegenüber bereits zuvor erklärt, An habe gute Chancen in dem Verfahren. „Unsere Klageschrift enthält umfangreiches Beweismaterial, das die Vorwürfe stützt – darunter zeitgenössische Kommunikation und Zeugenaussagen“, sagte der Anwalt. „Wir sind überzeugt, dass die Aktenlage eindeutig zeigt, dass die Ansprüche in Recht und Tatsachen eine solide Grundlage haben und vor Gericht vollständig geprüft werden sollten.“
West indes scheitert beim Versuch, ein Comeback als Live-Act hinzulegen, weitgehend. Zuletzt forderte der republikanische Senator Rick Scott aus Florida die Tampa Sports Authority auf, Wests bevorstehende Konzerte im Raymond James Stadium abzusagen – mit Verweis auf Vorfälle, bei denen West „offen Nazis gelobt, sich selbst als einen bezeichnet und Juden weltweit verleumdet“ habe.