Muse dreschen uns mit ihrem zehnten Album in Unterwerfung
„The Wow! Signal“, das neue Album der britischen Neo-Prog-Band, ist erwartungsgemäß ein schweres Stück Arbeit.
Das zehnte Muse-Album verdankt seinen Namen dem Wow! Signal – einer unerklärten Radiotransmission, die 1977 einen fassungslosen Astronomen aus dem Häuschen brachte und seitdem als mögliches Beispiel außerirdischer Kommunikation gilt. Der Pomp und Druck, den Muse in einen einzigen Song packen können, hat durchaus seinen eigenen Wow-Faktor; Tracks wie „Uprising“ und „Supermassive Black Hole“ machten sie zu Anführern des faustpumpenden Arena-Rocks. Doch wie so oft bei dieser ostentativ bombastischen britischen Band wird ihre Musik den Verstand nicht so sehr sprengen, wie ihn in betäubte Unterwerfung prügeln.
Auf „The Wow! Signal“ schichten Muse ihre charakteristische Mischung aus Queen und Korn und Radiohead auf – Seventies-Arena-Theatralik, Achtziger-Synthrock, Neunziger-Altrock und 2000er-Goth-Metal. Frontmann und Mastermind Matt Bellamy kehrt zu seinem Dauerthema zurück: die endlose Suche nach etwas Reinem und Echtem in einer Welt aus Konformismus, Heuchelei und Entfremdung. Auf dem hämmernden „Cryogen“ dient die Kälte des Weltraums als Metapher für die Einsamkeit des Lebens. Die Single „Be With You“ wandert von der Kathedralorgel über elektronisches Pulsieren bis hin zur AOR-Orgie, während Bellamy von der Sehnsucht nach Verbindung singt.
Sie gleiten von der opernhaften Überspanntheit von „The Dark Forest“ – komplett mit himmlischem Chor, der Bellamy beim Schmettern auf Latein begleitet – zum Trauer-Disco von „Nightshift Superstar“ und weiter zur taumelnden Glam-Ballade „Shimmering Stars“. Hin und wieder finden Muse eine gute Sache und bleiben dabei. „The Sickness In You & I“ ist ein vollkommen brauchbarer Nu-Metal-Hymnus, bevor er in dröhnende Slapstick-Gefilde kollabiert. „Hush“ gewinnt enorm an Wärme und Persönlichkeit durch ein hauchzartes Feature von Ellie Goulding – es erscheint wie ein Regenbogen nach einem Monsun, der gerade das eigene Haus mit der Flut weggespült hat.
Kosmischer Schrott als Finale
Das abschließende „Space Debris“ ist ein für ihre Verhältnisse reduziertes Schwelgen, in dem sie eine hübsche Melodie finden und ihr etwas Raum zum Wachsen lassen, während Bellamy darüber stöhnt, wie Liebe ins große Jenseits davonschweben kann – wie kosmischer Schrott eben. Ironischerweise ist das ziemlich geerdet, und es ist der Beweis, dass es Muse gut zu Gesicht stünde, die Dinge etwas weniger aufzuladen. Wenn sie das täten, wären sie natürlich nicht mehr Muse.