Musiker brauchen Labels. Sagt die Musikindustrie. Und hat ja irgendwie Recht.


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Rund 1.400 Labels (inkl. der Marktriesen) aus 66 Ländern sind Teil der „International Federation of the Phonographic Industry“ (IFPI). Ihr erklärtes Ziel ist wörtlich: “ to promote the value of recorded music, safeguard the rights of record producers and expand the commercial uses of recorded music in all markets where its members operate“.

Da wundert es nun natürlich nicht, dass die IFPI in einem neu veröffentlichten Bericht namens „Investing In Music“ zu dem Schluss kommt, dass Künstler selbst im digitalen Zeitalter weiterhin auf die Dienste eines Labels angewiesen sind, um kommerziellen Erfolg zu erlangen. Und dass die Musikindustrie bzw. die Labels diejenigen sind, die einen Haufen Geld investieren, damit Künstler sich am Markt etablieren können.

John Kennedy, Vorsitzender der IFPI, sagte dazu: „Es gibt einfach keinen konkreten Beleg, dass jemals ein Künstler den direkten Weg zum Hörer gegangen ist. Selbst auf Künstler, denen man nachsagt, online gebreakt zu haben, wie die Arctic Monkeys, Lily Allen (Foto) oder Sandi Thom, wurde man erst im großen Stil aufmerksam, nachdem sie sich mit einem konventionellen Label zusammengetan haben.“ Auch Künstler wie Radiohead oder Simply Red zählten nicht als Beispiele für erfolgreiche Direktverkäufe an den Hörer. Hier müsse man bedenken, dass diese Künstler das im größeren Stil erst konnten, nachdem sie ein Label jahrelang unterstützt hat.

Besagter Report zielt aber mehr darauf ab, darzulegen, dass die Labels immer noch die größten Geldgeber sind, wenn es darum geht, einen Künstler systematisch aufzubauen und ihn zum kommerziellen Erfolg zu bringen. Laut „Investing In Music“ koste es rund eine Million US-Doller, um einen neuen Künstler am Markt zu etablieren. Versuche, das selbst auf dem Online-Wege zu erreichen, seien wie „Schreie im Universum“.

In dem Bericht wird zum Beispiel Nick Gatfield, President Of New Music der EMI, zitiert, der sagt: „Das Internet ist nicht unbedingt ein gutes Werkzeug, wenn es darum geht, Künstler zu entdecken. Es verkürzt nur die Lauferei ein wenig.“ Man könne sich halt vorher die Myspace- oder Website anschauen, bevor man sich aufmacht, um den Künstler live zu sehen und zu treffen.

Wie das Online-Magazin Spinner dagegenhielt, bzw. der dort zum Thema befragte Jeremy Silver – Vorsitzender der unabhängigen Featured Artist Coalition – gäbe es aber dennoch Künstler, die zwangsläufig versuchten, selbst über die Runden zu kommen, weil eben die Labels immer wenige neue Acts signten. Silver ist der Meinung, dass dies mit der Kombination aus Live-Präsenz und ständiger Online-Arbeit durchaus möglich sei.

Den gesamten 32-seitigen Bericht „Investing In Music“ kann man hier downloaden. Eine interessante Lektüre, selbst wenn man dort natürlich nur nur die eine Seite der Medaille präsentiert bekommt.

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