Nackte Hintern und ein großartiger Nick Cave – so war das FM4 Frequency 2013


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Am Donnerstag stehen Of Monsters and Men auf dem Speisezettel, die das Publikum zunächst gar nicht so sehr für sich einnehmen können, wie bei einer Band dieser Größenordnung erwartet. Ob es wohl an den Songs liegt, die vielleicht etwas zu lieblich-leicht durch den nachmittäglichen Sommerwind getragen werden? Bei „Little Talks“ verfängt sich dann aber doch noch ein Funke bei den Zuhörern. Gegen das Kontrastprogramm der Fratellis, die im Anschluss auf der Nachbarbühne ein knappes und lautes Set spielen, kommen die Isländer trotzdem nicht an. Mit Schunkelsongs wie “Whistle for the Choir” und “Chelsea Dagger” stimmen sie die Besucher schon mal auf Franz Ferdinand ein, die nach den wild gestylten glitzernden Empire of the Sun der Höhepunkt des ersten Tages sind.

Franz Ferdinand enttäuschen als Live-Band eigentlich nie. Neben älteren Stücken wie dem Stakkato- getriebenen “No You Girls” zu Beginn, spielen sie auch Lieder vom kommenden Album wie “Right Action” und das rumpelige “Evil Eye”. Selbst die Frei.Wild-Fans in der dritten Reihe, die zunächst noch etwas irritiert dreinschauen, lassen sich spätestens dann überzeugen, als sie merken, dass man bei Franz Ferdinand so toll mitklatschen kann. Danach beschließen Tenacious D vor einem gigantischen goldenen Penis den Abend.

Der Samstag beginnt mit OK KID die in der beißenden Nachmittagssonne die mit ihrem Mix aus Hip- Hop und Synthesizer-Pop begeistern. Danach spielen Sizarr ihre liebevoll-arrangierten Stücke und Sänger Fabian Altstötter macht gewohnt steife, primanerhafte Ansagen. Das würde Dan Reynolds, der mit Imagine Dragons kurz darauf auf der Hauptbühne spielt, niemals passieren. Die Truppe aus Las Vegas versteht sich auf breit ausgewalzten Stadion-Rock und auch bei den Sprüchen trieft ihnen die Rockstar-Attitüde aus jeder Pore.

Weil der amerikanischer Begleiter jedoch lieber seine Bildungslücken in Sachen deutscher Gitarrenmusik füllen will, gibt es im Anschluss statt Plastikbecher-Bier und Awolnation aus Los Angeles Filterkaffee und Thees Uhlmann aus Hemmoor. Uhlmann spielt ein richtig schönes Konzert, gespickt mit Anekdoten aus seiner Jugend in der niedersächsischen Provinz. Das ist nicht immer witzig, besonders wenn man in das verflucht weit entfernte Nachbardorf radelt, nur um dort festzustellen, dass die angekündigte Party in der Garage doch nicht stattfindet.

Neben bekanntem Material wie “Vom Delta bis zur Quelle” spielt Uhlmann auch Stücke vom kommenden Album wie “Am 7. März” einem Lied über Rudi Dutschke. Obwohl Uhlmann schon zu den älteren Semestern zählt und er darum – wie er mit leisem Bedauern feststellt – keine grünen Haare mehr tragen kann, spielt er mit einer Energie und Freude, gegen die selbst Crystal Castles nicht ankommen. Deren Konzert fällt trotz Stage-Divens im Vergleich etwas zahm aus, besonders, wenn man bedenkt, dass Frontfrau Alice Glass früher durchaus mal von der Bühne gezerrt werden musste, weil sie anfing, auf ihr Publikum einzuprügeln.

Es folgt mit System of a Down die finale Attraktion des Abends. Sänger Serj Tankian hat sichtlich Spaß bei der Sache und grinst zufrieden in den leicht ergrauten Bart. Die Gruppe lässt alte Gassenhauer wie “Aerials”, “Chop Suey!” und “Spiders” wieder aufleben. Sie setzen sie auf Bewährtes, Experimente werden keine gemacht, aber sie sind mit soviel Freude bei der Sache, dass keine Zweifel an den Qualitäten der Band aufkommen. Das Publikum tobt von der ersten bis zur letzten Minute.

Am Samstag spielt James Blake auf der Green Stage wegen einer zeitlicher Verzögerung ein knappes Set, bei dem aber zumindest die bekannten Stücke “I Never Learnt to Share” und “Limit to Your Love” noch drankommen. Das Highlight des Auftritts ist das technoid-aufgemotzte Stück “CMYK”, bei der sich der schüchtern wirkende Brite dann doch noch die nötige Zeit nimmt, um den Track nach allen Regeln der Kunst und mit einer beeindruckenden Fingerfertigkeit aufzufalten.

Während auf der Hauptbühne Skunk Anansie und Billy Talent auf dem Programm stehen, geht es Nebenan nach den Hurts mit Tricky weiter. Der Künstler hat eine Rockband mitgebracht mit der er gemeinsam etwa ein Cover des Motörhead-Stuecks “Ace of Spades” spielt. Dabei hüllt er sich in blaue Rauchschwaden und ist abwechselnd damit beschäftigt, sich Feuer bei seinen Bandmitgliedern zu schnorren und diese ein wenig herumzudirigieren. Wenn ihm langweilig wird, bittet er die Zuhörer auf die Bühne, die seiner Aufforderung jolend nachkommen und dort mit dem nackten Hintern wackeln. Spaß macht das aber schon, auch wenn Tricky selbst dabei nicht sonderlich präsent ist.

Es ist bereits pechschwarze Nacht, als Nick Cave auf der Green Stage das letzte Konzert des Festivals gibt. Die meisten Besucher sind an der Hauptbühne mit den Toten Hosen beschäftigt, bei Nick Cave lässt es sich hingegen ganz gemütlich bis fast vor den Bühnengraben spazieren. Cave nutzt diese Intimität, indem er sich immer wieder von der Bühnenabsperrung auf die Zuschauer hinunterbeugt, die langen Arme nach ihnen ausstreckt und ihnen ins Gesicht brüllt. Das Konzert beginnt mit „We No Who U R“ vom aktuellen Album “Push the Sky Away”, in dem das Heimliche und das Unheimliche eine wunderbar verstörende Symbiose eingehen. Gefolgt wird der Titel von „Jubilee Street“, welches nach dem gewohnt sanften Auftakt zu einem gewaltig donnernden Crescendo getrieben wird. Spätestens da ist klar, dass Nick Cave keine Gelegenheit auslassen wird, das Auditorium nachhaltig durchzurütteln. “The Mercy Seat” oder “Tupelo” werden mit einem herrlichen Geschepper zelebriert. Ein Höhepunkt ist auch das Stück “Push the Sky Away”, vom gleichnamigen Album, das auf sanften Synthesizer- Klängen schwebt.

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